Browsing Tag:

Trotzphase

Houston – wir können sie wieder hören …

Posted in Pädagogik im Praxistest
on 19. Februar 2017

Ich habe ja schon einmal über Trotzanfälle geschrieben, aber jede Mutter weiß – es bleibt nicht bei einem. Ich gestehe, ich habe diesbezüglich ein echtes „Theorie-Praxis“ Problem, und zwar nicht eines jener, dass sie in Universitäten lehren. Sondern ein ganz alltägliches, reales. Ich weiß, dass mein Kind sich entwickelt, und seine Ich-Stärke und Selbstwahrnehmung hauptsächlich über die Reibung mit den engsten Bezugspersonen herstellt. Aber die Reibung die entsteht ist wirklich anstrengend, wenn er sich beispielsweise auf dem Zebrastreifen niederkniet, weil er keine Hand geben will, oder wenn er auf der Bank im Restaurant rumturnt statt im Wagerl zu bleiben, oder, oder, oder.
Die Situationen die unsere Kinder erzeugen, die uns zur Weißglut bringen, sind so vielfältig wie sie. Und in dem Moment bin ich kein Profi, sondern nur eine verzweifelte Mutter, die abschätzende oder entrüstete Blicke einer anderen Mutter erntet. Ich frag mich dann gerne, welchen Zaubertrank des Vergessens die wohl genommen hat, denn ich kenne kein Kind, dass die Trotzphase ohne Trotz und Wut überstanden hat.
Am Ende des Tages bist dann einfach nur erschöpft, vom vielen Neinsagen, vom vielen Konsequenz zeigen, Grenzen ziehen, und auch von der eigenen Inkonsequenz.
Und dann geschieht noch ein kleines Mama-Wunder – am Ende des Tages – dein Kind spielt alleine, seelig und friedlich eine gute halbe Stunde vor dem Schlafengehen. Du fühlst dich entrückt, fragst dich ob die Zeit langsamer läuft, langsam tauchst du aus der Schreckatmung wieder auf, sicherst nicht mehr alle Gegenstände und fahrst die Alarmstufe runter. Es scheinst fast als ob du selber den Trank des Vergessens gefunden hast. Mit dieser halben Stunde Frieden ist der ganze Tag des Horrors wieder gut gemacht.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Welcome to the jungle, es leben die Trotzphasen!

Posted in Mamis B[A]Dtime stories, Pädagogik im Praxistest
on 7. Januar 2017

Mein Nachwuchs ist im Dezember zwei geworden. Hip Hip Hurra, zur Zeit kann man ihm förmlich zuschauen, beim Lernen und Entdecken der Welt :)! Aber die Menschen sind manchmal Miesepeter. Bereits vor seinem Geburtstag habe ich von allen möglichen Seiten prophezeit bekommen, dass jetzt mal Zeit für die Trotzphasen wäre. Der Spross hatte immer schon was von einem buddhistischen Baby, aber auch Buddha war mal klein;). Und nun, in der Vorweihnachtszeit, am Zenit der Vorfreude auf Weihnachten hatten wir ihn dann. Unseren „ersten“ Trotzanfall.

Ich weiß noch, es war nach dem Wochenende in Loipersdorf, wir hatten ein schönes Erholungswochende in Unterlamm hinter uns (Bericht findet ihr hier im Blog). Eigentlich hätten wir alle erholt sein müssen. Aber irgendwie war das doch alles viel, die andere Umgebung, anders spielen als sonst, Therme, nicht zu Hause schlafen, und am Schluss noch ein aufregender Christkindlmarkt. Im Nachhinein wundere ich mich gar nicht, dass der Kleine die Reißleine gezogen hat. Als wir dann abends endlich zuhause angekommen waren, und dachten, jetzt würden wir gemütlich unser Abendritual beginnen, fing es an. Nichts konnte man ihm recht machen, weder spielen, noch essen, noch ausruhen, nicht einmal die so geliebte Biene Maja konnte ihn zufrieden stellen. Er war in einem Dilemma zwischen Nähe und Distanz, überfordert und müde. Also begann die längste halbe Stunde meines Lebens (seitdem er damals die Koliken hatte). Ich weiß, ich war total in meiner mütterlichen Hilflosigkeit gefangen. Er konnte nicht mehr benennen was er wollte, er sprang von „Mami, weg“ auf „Mami, da“, weder Mutter noch Kind wussten wirklich was los ist. Sein Vater war ungefähr gleichermaßen hilflos wie ich, vielleicht mit dem kleinen Unterschied, dass Männer halt gerne Situationen lösen, was in dem Moment einfach nicht möglich war. Man muss es annehmen, wie es ist. Ja das Kind schreit, ja es tobt, und wir wissen nicht warum. Es ist ihm etwas zuviel. Das ist klar.  Aber was dagegen gemacht werden kann, ist eher unklar. Also entschied ich mich für eine passiv aktive Mutterrolle. Ich war da, in der Nähe, hielt ihn um ihn zu beruhigen, aber nur wenn er nicht „mami weg“ schrie. Wenn „Mami weg“ dran war, gab ich ihm den Raum um sich auszutoben, achtete aber darauf, dass er sich nicht irgendwo wehtat. Was ich auf keinen Fall wollte, war, ihn in ein Zimmer abschieben, damit er sich alleine „ausspinnen“ kann. Klar, das ist auch eine gängige Methode, aber keine die ich anwenden kann. Denn ich habe in dem Moment gespürt, dass er sich noch allein gelassener fühlen würde, wenn wir ihn einfach ins Bett stecken.

Theoretisch wusste ich warum das passiert. Er wird älter, er erfasst sich selber als ein eigenständiges Wesen, das heißt unter anderem, er merkt er kann entscheiden. Er trianguliert, entwickelt eine Wahrnehmung beim Thema „böse Mutter-gute Mutter“, beginnt im Zuge dessen zu unterscheiden, was für Gefühle er hat, lernt dass er auch andere Ansprechpersonen als die Mutter hat, Vater, Opa, Oma, Tante, Onkel und so weiter. Er will in diesem Alter manchmal mehr als er kann, und wenn es nicht so geht wie er will, ärgert ihn das. Gefühle sind nicht zuordenbar, und müssen erst Stück für Stück erlernt und zugeordnet werden. Er verarbeitet das tägliche Ausmaß an Reizen im Nachhinhein, und wenn es vielleicht zuviel war, muss er diese Spannung, diesen Überdruck, erst mal ablassen/rausschreien.

 

All das wusste ich, in der Theorie, und trotzdem, als Mutter fühlte ich mich hilflos, wollte ihn gern unterstützen, ihm helfen. Erst als ich aufgehörte, etwas tun zu wollen, etwas für ihn lösen zu wollen, hatte er den Raum seinen Konflikt selber in sich abzuarbeiten und nach geraumer Zeit ebbte der Wutanfall auch ab. Danach war er wieder das liebste Kind auf Erden, spielte noch ein wenig mit seinen Autos und ging bald schlafen.

Und ich beendete den Tag mit der Erkenntnis, dass auch ein kleiner Buddha auch mal einen Tobsuchtsanfall braucht.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail