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Mutter

Ich tanze auch mit Kind ;)

Posted in Mutterschaft
on 24. März 2017

Im Radio höre ich in der letzten Zeit ständig „wenn sie tanzt“ von Max Giesinger. Anfangs fand ich es süß, dann fand ich es okay, und jetzt habe ich das Gefühl ständig eine Hymne über Selbstverleugnung vorgesungen zu bekommen. Ich frage mich, ob ein Sänger, männlich, offensichtlich ohne Kind, kein Alleinerzieher, Alleinverdiener oder VerkäuferIn im Supermarkt wirklich einschätzen kann was in einer Mutter vorgeht, wenn sie nach einem anstrengenden Tag nach Hause kommt?
Und in erster Linie spreche ich nicht von einer AlleinerzieherIn, sondern auch von all den anderen (in dem Fall) Müttern, die tagtäglich das Beste für ihre Kinder geben. Ja es stimmt, ich habe keine Zeit für mich, ich träume manchmal vor mir hin, und manchmal hab ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir Zeit für mich nehme, obwohl noch so viel andere Dinge zu tun sind.
Aber ist mein Leben mit Kind deswegen gefüllt mit Entbehrungen, mit Arbeit, mit der Verleugnung meiner Selbst? Was, wenn man sein Kind als Ausrede verwendet, sich seinen Träumen nicht mehr zu stellen? Denn das ist das, worüber er meiner Meinung nach wirklich singt. Er erzählt von jemandem, der glaubt er habe kein Recht darauf Träume zu leben. Jemand der glaubt, Mutter sein wäre eine todernste, ausschließlich langweilige Angelegenheit und würde nur mit Antidepressiva ertragbar werden.

Wer sind wir, unsere Kinder dafür verantwortlich zu machen, dass wir unsere Träume nicht leben? Was für ein Gefühl hinterlässt es bei dem Kind, wenn es merkt, dass seine Mutter ihm zuliebe „verzichtet“. Und ganz ehrlich, die Person im Lied, würde die auch ohne Kind nach New York jetten um barfuss zu laufen, oder die Zehen in den Sand strecken? Warum wird es so gerne dramatisiert, wenn eine Frau eine Zeitlang ihr Leben umorganisiert, ihren Kind(ern) widmet. In einer Gesellschaft wo nur „Ich“ und „Erfolg“ zählt, scheinen wir auf unsere Kinder zu vergessen. Wie schlimm kann es sein, seinem Kind ein paar Jahre seines Lebens zu schenken, ohne auf Krampf den Egozug zu fahren?
Wir sind keine Supermums, wir sind keine desperate housewifes, oder eine Sex and the city crew. Jeder der das glaubt, wird zwangsläufig seine Kinder dafür verantwortlich machen, etwas „verpasst“ zu haben. Auch an unseren zerbrochenen Beziehungen sind unsere Kinder nicht schuld, sie sind sogar diejenigen die zumeist am heftigsten darunter leiden, weil sie das Gefühl bekommen, sich entscheiden zu müssen. Mein Kind ist auch nicht der Grund, warum ich mein Lieblingskleid nur vor dem Spiegel trage, denn das bin ich selbst, das ist meine Wertschätzung mir gegenüber. Und wenn ich verdammt nochmal den Kleinen im Ballkleid in den Kindergarten bring, dann ist es meine Entscheidung in dem Moment „schön“ sein zu wollen.

Mein Kind liebt mich bedingungslos, zeitlos, über alle Grenzen hinweg. Es gibt nichts einzigartigeres als die Liebe eines Kindes zu seinen Eltern. Es gibt kaum etwas Kraftvolleres. Da könnt ihr Lieder über Romeo und Julia und was weiß ich was schreiben. Eine Hymne auf mein Kind, auf die wundervollen Lektionen die es mir tagtäglich lehrt, das ist was ich mir wünschen würde. Wenn ich tanzen möchte, dreh ich die Musik auf, und tanze mit meinem Kind gemeinsam. Wenn ich reisen will, finde ich einen Weg mein Kind mitzunehmen. Wenn ich singen will, kann ich es mit ihm zusammen.
Unsere Kinder als Grund unsere Träume nicht zu leben zu nehmen, ist eine fade Ausrede, eine Einbahn in die Depression, Einsamkeit und Schuld. Lasst uns doch unsere Kinder einfach so lieben wie sie uns, ihnen die Zeit schenken die sie verdienen und aufhören zu behaupten, dass sie uns Lebenszeit stehlen. Mein Kind hat mir so viel geschenkt an Erfahrung, Lebenszeit, Entscheidungskraft und Freiheit. Da bin ich gerne diejenige die die Knödel heimbringt und dafür sorgt, dass er alles hat was er braucht.

 

PS, Nix gegen Max Giesinger, das Lied find ich ja an sich ganz gut, feiner beat, schöne Idee, aber wie gesagt, meiner Meinung nach hätte ein bissl mehr positives Lebensgefühl da nicht geschadet 😉

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Being mom, wie unser eigenes Muttersein von unserer Mutter beeinflusst wird.

Posted in Mutterschaft, Pädagogik im Praxistest
on 13. November 2016

Ich war fast 17 als meine Mutter starb. Sie verschwand sozusagen über Nacht, ihre Lunge war durch ein Gerinnsel verstopft, und ihr Leben plötzlich ausgehaucht. Als sie ins Krankenhaus fuhr, schien in meinem kleinen Universum die Möglichkeit nicht existent, dass sie nie wiederkommt. Ich frage mich oft, wie ihre letzte Nacht auf Erden war, ist sie friedlich eingeschlafen, musste sie kämpfen, oder war sie froh, dass nun alles auf Erden geklärt ist? Ihr Tod ist über 20 Jahre her. Trotzdem sind die Gefühle dazu manchmal so als ob ich erst vor kurzem all das erlebt hätte. Seit einiger Zeit muss ich wieder sehr viel an sie denken. Mein Sohn ist bald zwei Jahre. Er ist das siebente von acht Enkelkindern. Meine Mutter hätte ihn genauso geliebt wie alle anderen. Und jetzt merke ich, dass ich bei all diesen Veränderungen des Mutterseins „übersehen“ habe, wie sehr ich sie vermisse. Jetzt wo ich selber Mutter bin.

Warum ich das jetzt erzähle. Weil ich gerade zum Luft holen komme. Und weil ich genau in diesem Moment merke, wie sehr sie mir abgeht, und wie sehr ich dieses Gefühl unterdrückt habe.
Wenn wir Mütter werden, suchen wir selber wieder die Nähe unserer Mütter. Mag sein, dass manche Mütter viel falsch gemacht haben, aber auch dann wird versucht sich mütterlichen Rat und Trost zu holen. Unser Kind zahnt, hat Fieber, wir haben Stress mit dem Partner, oder wissen nicht, wie wir über die Runden kommen sollen. Immer springt die (Groß)mutter ein. Manche Großmütter machen sogar ihre Fehler wieder gut, indem sie mehr für ihre Enkelkinder als für die eigenen da sind. Wir machen automatisch Dinge, die unsere Mütter gemacht haben, falten die T-shirts wie sie, legen die Strumpfhosen zusammen wie sie.

Meine Mutter lebt in mir in so vielen Kleinigkeiten weiter. Logischerweise möchte ich viele Sachen anders machen als sie, denn ihr früher Tod schien mir wie ein Opfer, dass sie gebracht hat weil sie sich für uns alle stets aufgeopfert hat. Aber dann merke ich, dass ich so vieles mache wie sie. Und das ist gut so. Sie war mir eine gute Mutter, wenngleich ihr Leben uns zu kurz schien. Für sie war es lang genug. Sie hatte alles erledigt, was zu tun war. Sie gab uns alles mit, was wir wissen müssen. Nun liegt es an uns das umzusetzen.

Ich habe lange damit gehadert, dass sie nicht mehr da ist. Dass ihre physische Existenz, die Sicherheit und Geborgenheit, die durch sie kam, nicht mehr da ist. Und endlich habe ich gemerkt, dass sie in mir ist. Dass ich mich aber selber in den letzten Jahren von dieser Quelle abgewandt habe.
Meine Intuition.
Das Gefühl mit dem ich meine Entscheidungen treffen, mein Leben lebe.
Wenn so wichtige Menschen von uns gehen, geben sie uns ein Abschiedsgeschenk.
Sie schenken uns eine Intuition in ihrem Sinne. Sie sind nicht in einem Bild, nicht in einer Grabstätte. Sie leben in uns, in unserer Intuition. Den Zugang zu ihr und ihrer Kraft und dem Wissen, das sie uns lehrte, ich finde es in meiner Intuition. In meinem Bauchgefühl, dem dritten Auge, der Thymusdrüse. Wie auch immer ihr es nennt. Ihr wisst selber, wo eure Stimmen aus dem Herzen sprechen.

Darum, mein heutiger Post an euch, er geht an euch als Mütter, an eure Mütter, an eure Ahninnen. Wenn sie noch da sind, seht sie. Sie haben das Beste gegeben was sie hatten. Versöhnt euch, umarmt euch, nehmt euch das Gute, lasst das Schlechte einfach gehen. Und wenn sie nicht mehr da sind, dann könnt ihr immer noch vergeben und versöhnen. Und den Ort in euch suchen, an dem eure Mutter für euch sorgt und euch mit dem Gefühl versorgt, dass ihr braucht.

Und darum DANKE, danke an meine Mutter, an meine Ahninnen, für die Geschenke die sie mir weitergegeben haben. Ich nehme das Beste und gebe es weiter, in der Hoffnung, dass das was bleibt, Liebe und Geborgenheit ist.

RIP Eva Maria, du bist in unseren Herzen.

 

© katharina gindra-vady, oktober 2016
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Bei der Geburt wurde auch eine Mutter geboren, eine Ode an die einsamen Mütter

Eine einsame Mutter.
Sie erstickt in Routinen.
Muss funktionieren.
Betäubt sich – Realitätsfluchten –
Antidepressiva, Alkohol, Zucker, what else?
Sie möchte doch so gern sein wie früher.
Aber es gibt keinen Weg dahin.
Wie auch?
Für ihr Kind würde sie sterben.
Für ihr Kind ist ein Teil in ihr wie gestorben.
Ist er es wirklich?
Vielmehr wurde er transformiert.
Er – das „alte“ ich.
Keiner hat ihr das gesagt.
Sie fühlt sich, als wär sie die einzige, die sich verloren hat.
So lebt sie nun – mit dem Gefühl die Alte zu sein.
Aber sie ist wie neu geboren.
Als sie ihr Kind zur Welt brachte, kam nicht nur ihr Baby.
Es wurde eine Mutter geboren, die es zuvor nicht gab.
Jetzt steht sie da – alleine – den Körper immer noch schützend –
um ihr Baby, ihr Leben lang.
Je länger sie es ins „Groß werden“ bringt,
desto mehr sammelt sie die Puzzlesteine ihres Selbst wieder auf.
Das alte Bild – neu zusammengesetzt.
Alte Freundschaften, Vorlieben, Begeisterungen –
alles zerschellt.
Es blieb der leere Raum.
Für Neues.
Und nun –
wenn sie die Leere endlich zulässt,
fügt sie die Teile des Puzzles in ein Bild.

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Foto, pixabay.com

 

text copyright katharina gindra-vady, september 2016

 

 

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