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Mamagefühle

Listen statt Schlafen?

Posted in Mutterschaft, Pädagogik im Praxistest
on 8. Februar 2017

Heute in der Früh konnte ich mich kurz mit einer anderen Mutter unterhalten, und mir wurde ganz schwindelig vor lauter to-do-Listen die ich von ihr hörte. Ich muss …, ich muss …, ich muss … das ging eine ganze Weile so. Leider hatte ich nicht die Zeit länger mit ihr zu sprechen, und bei den Listen die ich so hörte, sie auch nicht. Ich hätte sie gerne gefragt, „musst du wirklich? Ist es existenziell? Ist es zum Beispiel lebenswichtig eine Riesenparty für ein zweijähriges zu stemmen? Selber einen Konditorkuchen zu backen? Das Kind sauber zu kriegen in einem bestimmten Zeitfenster? Ihm beizubringen sich selber anzuziehen? Den Schnuller abzugewöhnen? …. “ Die Liste der „ich-muss-items“ von Mamis ist unendlich. Und klar, ich kenn das auch von mir, und muss im leisen Einverständnis schmunzeln wenn ich in einem Film eine gestresste Mami sehe die mit inneren Listen schlafen gehen, die sie in der Nachts überprüfen, während Kinder und Mann schlafen (https://www.youtube.com/watch?v=42tnknzaG00).

Ich frage jetzt einmal nicht nach den Vätern in diesem Vertrag der Paare, das muss jeder mit sich selber ausmachen, ob sie einen Partner oder noch ein weiteres Kind zuhause hat.

Aber ich wünschte mir, dass all diese Mütter, inklusive mir, sich öfters die Frage stellen, „muss ich das wirklich, ist es existenziell?“. Und ich wette bei 75% der „ichmuss-items“ kannst du sie getrost streichen, verschieben oder delegieren.

Ich schreibe das auch, weil wir aufhören sollten, Wunderweiber sein zu wollen. Wir sind normale Menschen und daher pfeift der Teekessel dann an einem bestimmten Punkt. Wenn wir nicht aufhören ständig alle anderen Bedürfnisse zu erfüllen, und unsere eigenen ignorieren ist der Weg zum Burnout gewiss. Und das bedeutet nicht automatisch Nervenheilanstalt. Nein, es ist ein schleichender und langer Prozess, und er ist gemein, weil wir viele Symptome als „ein bissl geschwächt“ abtun und nichts ändern. Vorboten eines Burnouts können zum Beispiel Depression, Schlafprobleme, Hörsturz, körperliche Beschwerden, und vieles mehr sein. Mehr Info dazu auf der Seite des öffentlichen Gesundheitsportals Österreich,  https://www.gesundheit.gv.at/leben/burnout/phasen-symptome.

Darum bitte ich dich nochmal, wenn du deine inneren Listen schreibst, die Bedürfnisse deiner (gesamten) Familie erfüllst, frage dich wirklich, „brauche ich oder jemand aus meiner Familie diese Aktivität/Sache/Verpflichtung zum Leben, existenziell, oder können wir das verschieben, sein lassen oder delegieren?“ Und wenn du dich schon als unabkömmliche Organisatorin deiner Familie siehst, dann denk an die großen Bosse aus Wirtschaft und Co, die machen nichts selber, delegieren ausschließlich (hast du schon mal einen Chef gesehen der selber Excel listen macht, oder die Ablage?), machen kaum etwas selber, und werden gut bezahlt für die schwere Last an Verantwortung die sie tragen. Wenn es dir hilft, sieh dich selber als die Chefin die du bist, und hör auf dich kaputt zu machen Schwester. Damit hilfst du niemandem!

 

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Bei der Geburt wurde auch eine Mutter geboren, eine Ode an die einsamen Mütter

Eine einsame Mutter.
Sie erstickt in Routinen.
Muss funktionieren.
Betäubt sich – Realitätsfluchten –
Antidepressiva, Alkohol, Zucker, what else?
Sie möchte doch so gern sein wie früher.
Aber es gibt keinen Weg dahin.
Wie auch?
Für ihr Kind würde sie sterben.
Für ihr Kind ist ein Teil in ihr wie gestorben.
Ist er es wirklich?
Vielmehr wurde er transformiert.
Er – das „alte“ ich.
Keiner hat ihr das gesagt.
Sie fühlt sich, als wär sie die einzige, die sich verloren hat.
So lebt sie nun – mit dem Gefühl die Alte zu sein.
Aber sie ist wie neu geboren.
Als sie ihr Kind zur Welt brachte, kam nicht nur ihr Baby.
Es wurde eine Mutter geboren, die es zuvor nicht gab.
Jetzt steht sie da – alleine – den Körper immer noch schützend –
um ihr Baby, ihr Leben lang.
Je länger sie es ins „Groß werden“ bringt,
desto mehr sammelt sie die Puzzlesteine ihres Selbst wieder auf.
Das alte Bild – neu zusammengesetzt.
Alte Freundschaften, Vorlieben, Begeisterungen –
alles zerschellt.
Es blieb der leere Raum.
Für Neues.
Und nun –
wenn sie die Leere endlich zulässt,
fügt sie die Teile des Puzzles in ein Bild.

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Foto, pixabay.com

 

text copyright katharina gindra-vady, september 2016

 

 

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Lasset die Spiele beginnen, ein Wort zum pädagogischen Zirkus und meine Mitwirkung darin.

Posted in Mamis B[A]Dtime stories, Pädagogik im Praxistest
on 11. September 2016
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Foto, pixabay.com

Mein Kind kommt in die Krippe. Tolle Sache denk ich mir. Ist es auch. Aber obwohl – oder vielleicht, weil – ich es studiert habe, mach ich mir viele Gedanken vor diesem neuen Abschnitt.
Eine andere Mama hat den treffenden Satz dazu gefunden „Irgendwie ist die ganze Situation ein bissel schizophren“. Da stimm ich zu. Ich weiß meinem Kind wird die Zeit im Kindergarten/Krippe gut tun. Er wird Spaß haben, Freunde finden, sich in Gruppen behaupten, Kreatives lernen und neue Strukturen lernen. Aber die Hippie-braut in mir schreit. Was, jetzt willst du dein Kind schon dem rigorosen System unterwerfen? Was ist mit Freiheit, und Entfaltung, warum lässt du ihn nicht einfach selber wachsen und seine Flügel finden. Muss er sich jetzt schon einfügen in das System, essen wenn alle essen, schlafen wenn alle schlafen, spielen wenn alle spielen. Wo ist da die Freiheit, die Entdeckung des Lebens selbst?

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Foto, pixabay.com

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Foto, pixabay.com

Und ich verstehe die Hippie-braut in mir. Die hat Angst. Sie befürchtet ,dass dieses wundervolle Kind dass wir haben (ich weiß schon, wir haben alle wunderbare Kinder), vielleicht ein bornierter Bürohengst wird, nur weil es zu früh gelernt hat, dass Regeln das Leben schreiben. Aber ich kann meine  innere Hippie-braut beruhigen. Nur weil mein Kind in eine pädagogische Institution geht, muss es nicht automatisch einen Kasernenton lernen. Es kann auch einfach Spaß machen. Er kann auch Freude daran haben, Routinen, Gruppendynamiken, neue Welten zu erobern. Es wird ihm voraussichtlich auch Spaß machen, all die Spiele und Kreativität zu entdecken. Als Mutter kann ich ihm einfach vieles nicht bieten, was eine professionelle Betreuung kann. Aber ich kann ihm mit diesem Schritt zeigen, dass er beides haben kann, Freiheit und Regeln. Und das allerwichtigste bei dieser Lebensetappe, ich gebe ihm Liebe und Geborgenheit, und somit Sicherheit. Wenn ich also ruhig bin, und mit mir im Reinen, dann wird auch er für sich das Beste aus den Dingen holen.

Kinder lernen am Vorbild.  An meinem Vorbild als Mutter. An dem des Vaters. Aber auch an all den Umgebungen denen sie länger ausgesetzt sind. Mag sein, dass ich die Routinen in pädagogischen Institutionen lästig finde. Aber ich weiß auch, dass es ohne die nicht geht. Weder in der Profession als Pädagogin, noch in irgendeiner Gruppe. Das hat aber gar nichts damit zu tun, dass wir unsere Kinder schon heute an die Arbeitswelt von morgen gewöhnen müssen (ich muss innerlich sehr laut lachen bei der Argumentation).
Sondern weil eine Gruppe von Menschen, egal wie jung oder alt sie sind, Organisation erfordert. Weil alle Individuen, wenn sie auf einem Haufen sind, dazu tendieren laut zu schreien, damit man sie hört.
Und darum kann ich nur sagen, es wird ihm gut tun, dieser regelmäßige Krippenbesuch.
Weil es Sicherheit gibt, sich auf Rituale und Routinen im pädagogischen Alltag einzulassen.
Weil Kinder gerne lernen, und wir als Eltern ihnen auch die Flügel geben müssen. Es ist unsere Pflicht sie los zulassen und bei dem Prozess zu begleiten. Wenn sie herausfinden, was ihnen gut tut.
Und das werde ich jetzt tun. Ich habe fix vor mein Kind dabei zu unterstützen, ihm zu zeigen und vorzuleben, dass dies ein Teil unseres Lebens ist. Dass er da etwas lernen kann, dass ich ihm in dieser Form nicht beibringen kann, und dass neue Dinge lernen jede Menge Spaß machen kann.

Und meine inneren pädagogischen Dämonen muss ich schön selber anschauen, denn für mein Kind ist es nicht dienlich, wenn ich meine Systemkritik an ihm weiterführe. Ich bin auch ehrlich sehr dankbar für diesen Krippenplatz, wir haben da eine total feine Gruppe mit einem richtig guten Betreuungsschlüssel gefunden, und alle Pädagoginnen wirken nett, und sehr am Kind und seinen Entwicklungsstadien orientiert. Ich wäre nicht überrascht, wenn mein Sohn nach einer Woche schon an der Tür tschüss sagt, weil er mehr als bereit ist, sich auf diese „Krippensache“ einzulassen. Naja und dann, dann muss ich mal schauen, dass ich wieder mal auf mich konzentrieren darf. Das alleine ist schon einen eigenen Beitrag wert, denn all zu irritierend fand ich das Gefühl, dass ich nach fast zwei Jahren nun plötzlich mehrere Stunden ohne schlechtes Gewissen für meine Angelegenheiten aufwenden kann.

Und so ist die Krippe für uns beide riesig aufregend und ein neuer Lebensabschnitt im Mama-Kind-Leben.

 

 

© katharina gindra-vady, september 2016

 

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