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Grenzen

So wie du bist, so bist du gedacht…

Posted in Mamis B[A]Dtime stories, Mutterschaft
on 5. April 2017

Für mein Kind,

Neulich sah ich dir beim Schlafen zu, und ich bin immer noch so überrascht wie schnell das alles geht. Gerade noch warst du so klein, und im nächsten Moment habe ich schon das Gefühl, ich sehe Züge der Person die du mal sein wirst.  Vor mir  tauchen innere Bilder eines Schulkindes auf, du als Teenager, als Erwachsener. Durch deine wachsende Selbstständigkeit eroberst du dir die Welt, stückchenweise und konsequent.

Und obwohl ich weiß wie klein und hilflos du warst, genauso weiß ich, es war von Anfang an du. Du bist als Persönlichkeit auf die Welt gekommen, so wie jedes Kind schon mit seinem eigenen Wesen auf die Welt kommt. Klar, deine ersten Lebensjahre vergehen durch einen Nebel von Wachstum und Lernen, aber du hast deinen Charakter, von Anfang an.

Ich bin froh, dass wir nun in einer Zeit leben, wo nicht mehr angenommen wird, ein Kind sei ein Klumpen Wachs den es nur zu formen gilt. Seitdem du da bist, erlebe ich täglich die Bestätigung der Vermutung, dass jedes Kind bereits mit seiner eigenen Persönlichkeit auf die Welt kommt.

Was ist nun meine Aufgabe als Elternteil? Ich muss die Knospe deines Wesens in ihrer Vielfalt erkennen, und ihr Zeit lassen sich zu entfalten. Ich darf dich unterstützen bei deinem Weg, selber zu lernen wer du bist, was du kannst, und was du magst oder nicht. Ich kann dir liebevoll Rahmenbedingungen geben, darf und muss dir auch Grenzen setzen, wenn du Gefahr läufst dir oder anderen zu schaden. Ich werde jeglichen Hochmut über Bord werfen, und mir immer gewahr sein, dass nur ein geringer Teil deines Selbst durch „Erziehung“ geformt wird. Denn es ist offensichtlich, das du schon bist, jemand bist, und dass ich das respektiere, unterstütze und fördere. Meine Aufgabe als Mutter ist dann nur ergänzend, dich zu schützen, zu fördern, zu versorgen. Ich will es in dem Maße tun, wie du es brauchst.
Häufig versuchen wir als Eltern ein Kind zu erziehen und dabei zu dem Menschen zu machen, den wir gerne sehen würden. Wir versuchen unterbewusst unausgelebte Träume in unsere Kinder zu pflanzen, und somit die Erfüllung unserer Träume zu erreichen.
In dem Wunsch sie vor „Fehlern“ zu bewahren, sie zu schützen, verwehren wir ihnen den Raum selber zu erleben was sie brauchen, können, wünschen. Aber Fehler gehören zum Leben dazu, und sind manchmal notwendig um zu verstehen was man möchte und was nicht.
Wir „Großen“ versuchen uns häufig mit Empfehlungen aus Büchern, Ratgebern, Filmen auf unsere Aufgabe als Eltern vorzubereiten. Aber ein theoretischer Rat ohne praktischen Hintergrund beinhaltet das Problem, dass er zumeist nur in der Theorie funktioniert, und wir erst recht im Dunklen tappen.
Dass ich als Elternteil eine Verantwortung habe, weiß ich. Dass ich mein Kind schützen muss, fühle ich. Dass wir auch manchmal „nein“ sagen müssen, müssen wir beizeiten lernen. Genauso gehört zum Eltern sein, die eigenen Handlungen auch mal zu überprüfen, zu reflektieren. Wenn wir es anders machen wollen als die Menschen vor uns, dann müssen wir uns auch von deren Vorstellungen über Erziehung, oder wie man das Leben lebt, freimachen. Was für meine Eltern vielleicht wichtig war, ist es nicht für mich.
Das heißt aber nicht, dass ich mit meinem Kindern immer „beste Freunde“ sein muss. Aber ich kann mein Kind respektieren und seine Meinung wertschätzen.
Ich treffe sicher auch genügend unbeliebte Entscheidung, und trotzdem kann ich meine Wertschätzung und Respekt vor der Persönlichkeit des Anderen ausdrücken. Wenn eine Situation es erlaubt, kann ich Alternativlösungen anbieten.
Aber manchmal muss ich Entscheidungen zum besten Wohle treffen und dazu stehen. Ich darf auch mal Fehler machen. Und mich dafür entschuldigen und sie nicht mehr machen.
Das sind die Dinge im Bereich der Erziehung auf die ich nicht verzichten kann, wenn ich dir die Regeln der Gesellschaft lehre. Aber ich kann dabei darauf achten, dir beizubringen, dass man trotz der Einhaltung alle Regeln auch immer noch der oder die sein kannst, die du  bei deiner Ankunft auf dieser Erde warst.

Du lebst in einer Welt die auf Äußerlichkeiten, Macht und Erfolg aufgebaut wurde. Dieses System wackelt, an allen Ecken und Enden kracht es, und viele Menschen versuchen ihren eigenen Lebenssinn zu finden. Ihre Essenz, ihr wahres Wesen.

Du bist ein Kind der neuen Zeit. Du kamst mit dem Wissen um diese Essenz zur Welt. Unsere Erziehung ist keine Ansammlung von kindesfeindlichen Vorschriften mehr, sondern vielmehr beruht sie auf Regeln der Wertschätzung und Achtsamkeit.  Am Tag deiner Geburt warst du mehr in deiner wahren göttliche Essenz als jeder Guru auf dieser Erde. Ich möchte dir so gerne dabei helfen diesen inneren Wesenskern zu erhalten. Ich möchte von dir lernen, wie du von mir. Ich möchte jeden Tag aufs Neue mit tiefstem Vertrauen in die Fülle von Liebe und Kraft gehen, genauso wie du, wenn du morgens aufwachst.

„So wie du bist, so bist du gemeint“ ist nicht nur eine lapidare Aussage am Rande. Es sagt uns allen, dass wir uns selber, und jeden der uns umgibt, in seiner ureigenen Kraft anerkennen und schätzen können. Und dass wir, wenn wir unsere Kinder als Persönlichkeit anerkennen, ohne unsere eigenen Wünsche hinein zu interpretieren, ganz wundervolle Menschen kennen lernen. Dass das Leben beginnt, mit dem Moment wo sich ein Leben im Bauch ihrer Mutter zeigt und sich auf der Erde ankündigt.
Es braucht so viel Kraft und Energie zu sich selber zu stehen und sich einfach so zu nehmen wie man ist. Unterstützen wir unsere Kinder doch einfach dabei, sich so anzunehmen wie sie sind. Lassen wir ihnen Raum und Zeit sich kennen zu lernen und uns kennen zu lernen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen wie anstrengend es ist, jemand anderer sein zu wollen, um gesellschaftlichen Ansprüchen zu entsprechen. Ich wünsche mir für mein Kind, dass du von Anfang an der sein darfst der du bist. Ich lerne erst durch dich, wie es ist zu sich selber zu stehen. Zu dem, wie man als Persönlichkeit gedacht und gemeint ist.

Du bist mein bester Schüler und mein bester Lehrer, Danke.

 

 

 

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„Sei doch nicht so sensibel“ und so manch andere „hilfreichen“ Tipps dazu …

Posted in Gesundheit, Seele
on 27. September 2016

Ich war immer schon sensibel, stand an der Schwelle zur Hochsensibilität, aber seit der Geburt meines Sohnes habe ich das Gefühl meine Sensibilität ist im unermesslichen Ausmaß gestiegen. Und dabei geht es jetzt nicht darum, immer die Fühler bei möglichen Gefahren in Bezug auf mein Kind auszustrecken, nein es geht um ganz persönlichen Lebensbereiche.
So konnte ich dieses Wochenende ganz hautnah erfahren wie sensibel ich geworden bin. Ich war in einer Weiterbildung bei der ich im Laufe des Ausbildungsjahres den Anschluss an die Gruppe verloren hatte, und dachte mir – naja, sitz die Zeit einfach ab, nimm mit was an Inhalten da ist, und gut is. Nun so einfach ist es nicht mehr.
Zum einen gibt es da die Zeitkomponente, wenn ich als HSP in einem Ausbildungstag bin, der gut zwölf Stunden dauert, dann komm ich an meine Grenzen.
Zum anderen stelle man sich vor, diese zwölf Stunden in engem Kontakt mit Menschen zu sein, von denen du spürst, dass sie dir gegenüber nicht positiv gestimmt sind, aber dir das nicht sagen, bzw nicht zu ihrem Gefühl stehen. Das heißt, du hast eine enorme Spannung auszuhalten, zwischen dem Gefühl dass du hast, und dem Theater, dass dir andere vorspielen. Du fühlst Ablehnung, vielleicht Frustration. Du spürst, dass etwas zurückgehalten wird. Dass zermürbt dich. Du kannst dich nicht mehr auf die Inhalte konzentrieren, denn diese unausgesprochenen Emotionen belagern den ganzen Raum.

Darum tut Unehrlichkeit Hochsensiblen doppelt weh. Denn wir spüren etwas abweichendes von dem was uns andere Menschen sagen. Klar, wenn jemand einem alles ins Gesicht pfeffert, ist es auch unschön. Aber wenigstens kommt man sich nicht vor, als hätte man ein ‚falsches‘ Gefühl. Mir ist schon bewusst, dass Menschen aus „Höflichkeit“ oft nicht sagen, was sie denken, aber für jemanden der spürig ist, ist das schwer auszuhalten. Vor allem über einen längeren Zeitraum.

In Bezug auf meine Hochsensibilität, denke ich oft an den Kinderfilm „Horton hort ein Hu“, da kommt der wichtige Satz vor „nur weil man es nicht sieht, oder hört, heißt es nicht, dass es nicht existiert“. Ich komme oft in solche Situationen. Niemand kann es sehen oder hören, aber meine Sensoren, mein Gefühl nimmt es wahr. Mit dieser Gabe wird es oft schwer dieses „Gesellschaftsspiel“ zu spielen, dass so viele so gut beherrschen. Es heißt „wenn ich es nicht sage, existiert es nicht“. Aber als Hochsensible spüre ich es auch, wenn es nicht zu sehen oder zu hören ist.
Gerne wird man als ‚hysterisch, egoistisch, dramatisch, lebensunfähig oder egozentrisch‘ bezeichnet. Solche Zuschreibungen treiben jeden Hochsensiblen in die Isolation. Da man nicht mit einer Lederhaut auf der Seele geboren wurde, zieht man sich zurück.  Freundschaften zerbrechen, Familienbande, manchmal sogar das berufliche Umfeld. Man merkt, dass das was man fühlt  keine Wertschätzung erfährt, und da man ja die Eigenschaft zu fühlen nicht abstellen kann, zieht man sich zurück. Manchmal einfach auch zur eigenen Rettung.
Denn es ist anstrengend genug, ständig die eigenen von den anderen Gefühlen zu unterscheiden, da braucht man nicht noch zusätzlichen Stress durch Zuschreibungen.

Lasst es mich mal so ausdrücken. Wenn du dich schneidest, dann fühle ich deinen Schmerz. Wenn du mir aus Freundlichkeit deine negativen Gefühle nicht sagst und einen auf Weichspüler machst, dann spür ich das Gefühl, und deine davon abweichenden Worte verwirren mich.
Ich bin als Hochsensible weder besser noch schlechter als jemand anderer, ich bin vollkommen gesund und Ganz in dieser Welt. Man kann Hochsensibilität mit einem inneren ständig aufgedrehten Röntgengerät für Gefühle sehen. Ich scanne Emotionen, keine Faszien. Und das nicht absichtlich, sondern weil mein Körper, Seele, Geist diese Art der Kommunikation kennen und ausüben. Es ist nichts, was man abdrehen kann, oder steuern. Man sucht es sich nicht aus, oder trainiert es. Ich bin bestimmt nicht bei der Vergabe der Talente vorn gestanden und hab gesagt, ich will in dieser rauen Welt hochsensibel sein. Aber ich bins, und nun lerne ich damit umzugehen. Denn es ist eine tägliche Challenge, an Grenzen, an Gefühlen, am Sortieren von Gefühlswellen, sind sie Deine oder Meine?

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Foto, pixabay.com

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