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Mutterschaft

Geburt, das Wunder beginnt

Posted in Mutterschaft, Storytelling, Geschichten des Lebens
on 25. Januar 2017

Neulich sah ich auf einer social media plattform ein Interview mit einer Celebrity, die über ihre Trennung und die vorgegangene Geburt ihres eineinhalbjährigen berichtete. Für sie war die Geburt mitunter der Grund, warum sie sich von ihrem Partner entfremdete, entblößt fühlte, und nicht mehr als Frau sichtbar. Ich kann dem nicht zustimmen. Für mich war die Geburt meines Kindes das einzigartigste Erlebnis, dass ich mir nie hätte vorstellen können.

Neun Monate hatte ich unser Kind im Bauch. Ich wusste nicht was mich erwarten würde, er ist mein erstes Kind, und ich konnte mir nur zusammenreimen, was zwischen den Zeilen von Vorbereitungskursen und der Erzählung anderer Frauen lag.
Glücklicherweise ist die Geburt nichts was wir verstehen müssen, oder können. Und glücklicherweise wissen wir nicht wirklich, was uns erwartet, das war das erste was ich meiner Schwester kurz nach der Entbindung sagte. Aber die Erinnerung verblasst schnell, denn die Natur hat uns mit einem einzigartigen Schutzmechanismus ausgestattet, und man vergisst innerhalb kürzester Zeit die Schmerzen, Zustände, und fast alle Gefühle die in Verbindung mit diesem fast unwirklichem Vorgang sind.
In meiner Erinnerung blieb mir aber das “wilde Weib”. Etwas dass mich dazu gebracht hat, nicht mehr zu denken, nur zu tun, mich dem hinzugeben was der Moment ist. Anfangs wollte ich noch atmen, steuern, mitdenken, bis ich merkte, dass ich es nur schlimmer machte mit meinen Gedanken, und ich nur das tun sollte, was mein Körper mir sagt. Mein Kind und ich steuerten den Geburtsvorgang, wir waren eins. Und ich bin zutiefst dankbar, dass der Vater meines Kindes bei der Geburt dabei war. Uns hat dieses Erlebnis weniger getrennt, als vielmehr verbunden. Er konnte mich halten, er war da, er wich  nicht von meiner Seite, bis der Kleine da war. Ich hätte ihn auch gar nicht gehen lassen können, es war unsere gemeinsame Kraft die mir half. Ich hatte einen vorzeitigen Blasensprung, und als 24 Stunden später die Wehen eingeleitet wurden, ging es Schlag auf Schlag. Ich habe mir sagen lassen, dass eingleitete Wehen häufig in schnelleren Sequenzen ablaufen. Ich weiß es nicht, nur das weiß ich noch, ich hatte das Gefühl sechs Stunden durchgehend nur Wehen zu haben. Ich dachte an den Rat der Geburtsvorbereiterin und begann zu tönen. Einfach Töne aus mir raus, ohne nachzudenken, OHM, HI, HA whatever works!  Mit keiner Minute hatte ich Zeit darüber nachzudenken, ob ich nun gut aussehe oder nicht. Oder ob mein Partner mich so empfindet. Oder ob ich vielleicht zu laut wäre.

Wenn ich einen Rat an Frauen habe, die vielleicht gemischte Gefühle vor der Geburt haben, dann wäre es “Lass dich ein”. Mit allen Sinnen, hör auf nachzudenken, vergiss was um dich ist (es wird vermutlich gar nicht anders gehen). Lass dir auf keinen Fall einreden wie du zu liegen, sitzen, stehen hast. Eine Hebamme wird dir helfen, aber sie hilft dir nur, soweit du unklar bist. Lass dich fallen, erlaube deinem Partner Stärke zu zeigen und dich zu halten. Lass ihn dich als Frau erleben, in einer Kraft, die ihr nie wieder so erleben werdet. Eine Geburt ist das einzigartigste Erlebnis, das zwei Menschen haben können, und es ist tatsächlich eine Urkraft. Erlaube dir diese Energie zu spüren.

In unserer Gesellschaft wird Geburt gern mit Krankheit, mit Krankenhäusern, mit Gefahr verbunden. Geburtshäuser werden eingespart, eine Geburt soll im sterilen Umfeld stattfinden. Seitdem ich an mir selber erlebt habe, welche Kraft eine Geburt in mir freigesetzt hat, muss ich nur milde lächeln, wenn ich das Bild von einer Entbindung in Medien und Gesellschaft wahrnehme. Es ist eine verzerrte Realität, es ist ein krankmachen, wo alles gesund ist. Es ist der Versuch die weibliche Geburtskraft mit männlicher Rationalität zu kategorisieren.  Eine Geburt ist ein Mysterium, dass man erst selber verstehen kann, wenn man es geschafft hat. Ich möchte keine Minute dieser Nacht missen, ich möchte keinen Moment hergeben, und ich bin froh und dankbar, dass mein Partner damals an meiner Seite war, denn wir konnten etwas erleben, dass uns als Familie verbunden hat. Was auch immer wir dann später erlebt haben, die Geburt gemeinsam zu erleben war unter anderem auch der Kit der bis uns bis heute verbindet. Es ist die Erlaubnis sich auf tiefster Ebene zu spüren, verbindender als jeder Moment der flüchtigen Ekstase.

Klar, wir verändern uns als Partner in unseren Rollen und Wahrnehmungen, wenn wir Eltern werden. Aber für mich ist der ehrlichste Beginn der Elternschaft, gemeinsam eine Geburt zu erleben, um zu verstehen, dass jetzt wirklich alles anders ist. Denn da ist dieses Wesen für das man gemeinsam Verantwortung übernommen hat, dass man gemeinsam auf die Welt geholt hat.

Es ist das Wunder der Geburt. Und es ist das Wunder des Lebens dass wir mit jedem Atemzug schützen.

 

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Ich GRATULIERE dir von ganzem Herzen!

Heute, als ich meinen Spross zur Kinderkrippe brachte, sah ich eine Frau mit ihrem offensichtlich neu geborenem Baby. Über die Straße sah ich eine Freundin von ihr, die ihr fröhlich zurief “ich gratuliere dir!”. Das war eine wirklich nette Geste, aber da wurde mir klar, dass wir wahnsinnig gerne frischgebackenen Eltern gratulieren, aber selten Müttern mit Säugling, Baby, Kleinkind. Ich finde es ist höchste Zeit meine tiefste Gratulation auszudrücken, und zwar,

gratuliere ich dir dafür
dass du die ersten Koliken überstanden hast, ohne einen nennenswerten Nervenzusammenbruch,
dass du dein älteres Kind weiterhin gut versorgt hast, und das neue Baby auch,
dass du trotz Schmerzen/Kaiserschnittnarbe/Verletzungen für dein Kind da warst,
dass ihr gemeinsam die ersten Zähne geschafft habt, die Schmerzen und Nebenwirkungen des Zahnens,
dass du auf deinen Schlaf/Erholung/Sport/Hobbies verzichtet hast, um für dein Kind da zu sein,
dass du alle zwei bis drei Stunden, sieben Tage und Nächte die Woche, aufgestanden bist, um dein Baby zu  stillen, es zu füttern,
dass du, selbst wenn es zu deinem Nachteil gewesen ist, das Wohl deines Kindes an vordere Stelle gesetzt hast,
dass du Hilfe geholt hast, wenn du nicht mehr konntest,
dass du dir erlaubt hast auch mal zu weinen, wenn es zuviel war,
dass du auf deine mütterliche Intuition gehört hast, als es um die Gesundheit deines Kindes ging,
dass du deinem Kind Sicherheit und Geborgenheit gegeben hast, selbst wenn du selber das Gefühl hattest, es zieht dir den Boden unter den Füßen weg,
dass du nächtelang neben/bei deinem Kind gelegen bist, um es bei Alpträumen/Schmerzen zu beruhigen,
dass du nächtelange wach bei deinem Kind lagst als es krank war,
dass du dir die Zeit genommen hast, es bei seiner Krippe/Tagesmutter ankommen zu lassen,
dass du immer da gewesen bist, immer da sein wirst, einfach weil du dein Kind liebst und es dein Leben bereichert
dass, dass, dass noch tausend Gründe.

ICH GRATULIERE DIR VON GANZEM HERZEN UND WÜNSCHE DIR WEITERHIN VIEL KRAFT UND LIEBE ALS MUTTER UND FRAU.

Jede Frau hat ihre eigenen Herausforderungen die sie tagtäglich als Mutter besteht, und ich möchte den Hut vor uns ziehen. Es ist egal ob wir in einer Beziehung sind, Single, Patchwork, gleichgeschlechtlich, Wochenendbeziehung.

Ich möchte dir sagen, was du jetzt erlebst, all die Herausforderungen und wundervollen Momente, ich gratuliere dir und danke dir. Indem du dein Kind gut begleitest und ihm Liebe und Geborgenheit gibst, gibst du dir und deinem Kind das größte Geschenk. Egal welche Mutter, jede sagt mir “sie werden so schnell groß” und es stimmt, ich merke tagtäglich wie er lernt, wächst und sich entwickelt. Darum sind all die Momente die wir geschafft haben, wertvoll und ich bin ihnen auch sehr dankbar. Ich wüsste nicht wie es wäre Mutter zu sein, hätte ich nicht dieses Kind. Mag sein, dass ich mich von Grund auf verändert habe, aber das konnte ich  nur mit und durch meinen Sohn, und ich möchte keine dieser Veränderungen jemals missen. Ich bin dankbar dafür, spüre mich besser als vor Jahren, und bin soviel klarer durch mein Kind geworden.

Egal was du geschafft hast, GRATULIERE  dir selber, und DANKE dir selber 🙂 !

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Weihnachtsstimmung ade?

Posted in Mutterschaft, Pädagogik im Praxistest
on 11. Dezember 2016

Die vergangene Woche war eine Challenge. Zwischen Geburtstagsvorbereitungen, Krampus, Nikolaus und Familienfeier hatte mein Nachwuchs noch eine Verkühlung abkassiert und war dementsprechend erschöpft. Die Nächte waren durchwachsen, die Tage anstrengend. Und so ging eine Woche an mir vorbei.

In 14 Tagen ist Weihnachten. Ich versuche still zu stehen. In all dem Trubel, dem Glockengeläut, dem angetrieben werden durch Bilder der Harmonie, möchte ich stehenbleiben. Will den Moment nehmen wie er ist. Kalte Luft einatmen. Die Geldbörse zulassen, mich treiben lassen durch die Straßen.  birdie_f-12

Jedes Jahr aufs Neue wünsch ich mir Weihnachtsstimmung zu kriegen. Und am Weg zur Stimmung ist es gut stehen zu bleiben, und durch zu atmen.

Was ist Weihnachten eigentlich?

Heute,als ich mit meinem Sproß die dritte Kerze angezündet habe, hab ich gemerkt, dass es eigentlich um worum es mir eigentlich geht. Ums zusammen rücken.

Zuerst wusste er gar nicht, warum er mit mir bei den Kerzen sitzen sollte, ohne sie auszublasen, dann sangen wir Lieder, naschten Weihnachtsharibos (Kekse zünden nicht) und ich erzählte ihm warum wir Weihnachten feiern. Weil ein kleines Jesuskind Geburtstag hat. Und da hat es kein teures Buch gebraucht, sondern einfach nur mein Verständnis von Gott, vom Jesuskind, und warum wir diesen Tag feiern. Da merkte ich, Weihnachten hat nichts mit Geschenken zu tun, mit Shoppingexzessen, oder komplizierten Glaubensverständnissen. Es ist das was wir darin sehen, das was uns Hoffnung gibt, sei es Familie, Freunde, oder eine Shoppingtour bei einem online Anbieter.20161211_165114 Für mich ist es das Licht das wir nicht nur am Adventkranz entzünden, es ist das Licht dass wir in uns entzünden. Es ist die Kraft die wir aus Hoffnung schöpfen und unsere ganz persönlichen Werte die uns Kraft geben.

Für mich ist es mein Weg mit meiner Familie, auch wenn er nicht immer geradelinig ist, es ist mein Weg zu mir zu stehen. Zu Weihnachten merken wir es besonders, aber wir tragen es das ganze Jahr in uns, den Funken den wir entzünden, der uns Hoffnung gibt.

 

 

 

 

 

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Wenn das Kind krank ist …

Posted in Mutterschaft, Pädagogik im Praxistest
on 27. November 2016

… dann geht einem schon mal die Puste aus.

Mein Post für euch heute, ist ein simples update. Nach einer sehr anstrengenden Woche mit einer starken Bronchitis meines Sohnes sind wir fix und fertig. Hab ich Ratschläge für Bronchitis und co? Nicht wirklich, ich sammle die Teile meines Selbst wieder auf, genauso wie mein Sohn.

Was ich gelernt habe in der Zeit?

  • Man braucht Partner, Freunde, Familie wenn das Kind krank ist. Denn alleine ist alles doppelt so schwer.
  • Man kann ungeliebte Medizin auch mit dem “Gummibärchen”trick verabreichen. Medizin auf den Löffel, Gummibärli drin schwimmen lassen, und damit geht sogar die Medizin rein.
  • Ein Dampfbad für die geplagten Bronchien kann man auch machen, indem man alles verschließt im Badezimmer, und mal ordentlich die Brause heiß laufen lässt. Der Dampf beruhigt wieder ein wenig.
  • Frische Luft ist bei Bronchitis ratsam. Also Kind ruhig dick einpacken und raus, und irgendwie die Challenge annehmen dass es nicht Marathon läuft ;).

Ob wir übern Berg sind weiß ich nicht. Aber ich hoffe es, und muss es einfach auch nehmen wie es ist. Ein Kind muss in seinen ersten Lebensjahren nun mal sein Immunsystem rebooten, und das geht halt nur mit krank und wieder gesund werden. Und wir Mütter müssen da halt auch durch. Blöd nur, dass mein Körper wiederum auf die Stressthematik mit Schlafmangel und Dauersorge, mit einem kleinen Schub aus der Schilddrüse reagiert hat. Da kann ich  nur hoffen, dass der genauso temporär ist wie der Infekt meines Sohnes.

In dem Sinne wünsch ich euch einen schönen ersten Adventsonntag und viele gesunde Tage voller Kraft für euch und eure Kinder!

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5 Top Bücher für schwierige Zeiten und starke Frauen

Posted in Mutterschaft, Pädagogik im Praxistest
on 17. November 2016

Manchmal hilft ein Gespräch mit einer guten Freundin.
Manchmal hilft es aber auch mal ein Buch über was zu lesen, und sich seine eigenen Gedanken zu machen.

Ich hab in den letzten Jahren das eine oder andere Buch gefunden, dass mir die Augen geöffnet hat, wenn auch nur mal kurz, oder auch für länger.

Hier meine BEST-OF Liste für euch 🙂

1.) Wenn Frauen zu sehr lieben – Die heimliche Sucht gebraucht zu werden, von Robin Norwood,
Ein sehr ehrliches Buch warum wir gerade im Namen der Liebe unser Leiden erschaffen. Pflichtlektüre für alle die den Verdacht hegen Co-abhängig zu sein, und sich über ihren Partner definieren.

2.) Der Weg der Kaiserin – Christine Li, Ulja Krautwald,
ein Roman der den Weg einer Mätresse zur Kaiserin beschreibt und dabei die Geheimnisse der Frauen im Sinne der TCM Heilmedizin beschreibt. Eine Geschichte und ein Ratgeber gleichermaßen.

3.) Die kleine wilde Frau – Susanne Hühn,
Wo ist sie hin, deine wilde innere Frau? Hier kannst du sie wiederfinden, wie alle Bücher der Autorin auf Augenhöhe und mit Übungen die durchführbar sind im Alltag.

4.) Seh ich aus wie deine Mutter? Susanne Hühn,
Auch ein sehr gutes Buch von der Autorin die zeigt dass jede Beziehungsthematik auch ihren Ursprung in uns und unseren inneren Kindern hat. Mit guten durchführbaren Übungen auf dem Weg zur Selbsterkenntnis.

5.) Jetzt – Eckhart Tolle,
Sei dir bewusst, sei dir klar, finde deinen Weg zu dir, im Jetzt, im Sein wie es ist. Der Klassiker von E. Tolle ist eine überschaubare Einführung in die Wahrnehmung des Geistes und seiner manchmal gemeinen Spielchen.

Ich würde mich freuen wenn die/der eine oder andere eine Anregung in diesen Büchern findet, und wer mag kann mir gerne mal ein Kommentar hinterlassen und beschreiben was das Buch in ihm/ihr ausgelöst hat 🙂

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Being mom, wie unser eigenes Muttersein von unserer Mutter beeinflusst wird.

Posted in Mutterschaft, Pädagogik im Praxistest
on 13. November 2016

Ich war fast 17 als meine Mutter starb. Sie verschwand sozusagen über Nacht, ihre Lunge war durch ein Gerinnsel verstopft, und ihr Leben plötzlich ausgehaucht. Als sie ins Krankenhaus fuhr, schien in meinem kleinen Universum die Möglichkeit nicht existent, dass sie nie wiederkommt. Ich frage mich oft, wie ihre letzte Nacht auf Erden war, ist sie friedlich eingeschlafen, musste sie kämpfen, oder war sie froh, dass nun alles auf Erden geklärt ist? Ihr Tod ist über 20 Jahre her. Trotzdem sind die Gefühle dazu manchmal so als ob ich erst vor kurzem all das erlebt hätte. Seit einiger Zeit muss ich wieder sehr viel an sie denken. Mein Sohn ist bald zwei Jahre. Er ist das siebente von acht Enkelkindern. Meine Mutter hätte ihn genauso geliebt wie alle anderen. Und jetzt merke ich, dass ich bei all diesen Veränderungen des Mutterseins “übersehen” habe, wie sehr ich sie vermisse. Jetzt wo ich selber Mutter bin.

Warum ich das jetzt erzähle. Weil ich gerade zum Luft holen komme. Und weil ich genau in diesem Moment merke, wie sehr sie mir abgeht, und wie sehr ich dieses Gefühl unterdrückt habe.
Wenn wir Mütter werden, suchen wir selber wieder die Nähe unserer Mütter. Mag sein, dass manche Mütter viel falsch gemacht haben, aber auch dann wird versucht sich mütterlichen Rat und Trost zu holen. Unser Kind zahnt, hat Fieber, wir haben Stress mit dem Partner, oder wissen nicht, wie wir über die Runden kommen sollen. Immer springt die (Groß)mutter ein. Manche Großmütter machen sogar ihre Fehler wieder gut, indem sie mehr für ihre Enkelkinder als für die eigenen da sind. Wir machen automatisch Dinge, die unsere Mütter gemacht haben, falten die T-shirts wie sie, legen die Strumpfhosen zusammen wie sie.

Meine Mutter lebt in mir in so vielen Kleinigkeiten weiter. Logischerweise möchte ich viele Sachen anders machen als sie, denn ihr früher Tod schien mir wie ein Opfer, dass sie gebracht hat weil sie sich für uns alle stets aufgeopfert hat. Aber dann merke ich, dass ich so vieles mache wie sie. Und das ist gut so. Sie war mir eine gute Mutter, wenngleich ihr Leben uns zu kurz schien. Für sie war es lang genug. Sie hatte alles erledigt, was zu tun war. Sie gab uns alles mit, was wir wissen müssen. Nun liegt es an uns das umzusetzen.

Ich habe lange damit gehadert, dass sie nicht mehr da ist. Dass ihre physische Existenz, die Sicherheit und Geborgenheit, die durch sie kam, nicht mehr da ist. Und endlich habe ich gemerkt, dass sie in mir ist. Dass ich mich aber selber in den letzten Jahren von dieser Quelle abgewandt habe.
Meine Intuition.
Das Gefühl mit dem ich meine Entscheidungen treffen, mein Leben lebe.
Wenn so wichtige Menschen von uns gehen, geben sie uns ein Abschiedsgeschenk.
Sie schenken uns eine Intuition in ihrem Sinne. Sie sind nicht in einem Bild, nicht in einer Grabstätte. Sie leben in uns, in unserer Intuition. Den Zugang zu ihr und ihrer Kraft und dem Wissen, das sie uns lehrte, ich finde es in meiner Intuition. In meinem Bauchgefühl, dem dritten Auge, der Thymusdrüse. Wie auch immer ihr es nennt. Ihr wisst selber, wo eure Stimmen aus dem Herzen sprechen.

Darum, mein heutiger Post an euch, er geht an euch als Mütter, an eure Mütter, an eure Ahninnen. Wenn sie noch da sind, seht sie. Sie haben das Beste gegeben was sie hatten. Versöhnt euch, umarmt euch, nehmt euch das Gute, lasst das Schlechte einfach gehen. Und wenn sie nicht mehr da sind, dann könnt ihr immer noch vergeben und versöhnen. Und den Ort in euch suchen, an dem eure Mutter für euch sorgt und euch mit dem Gefühl versorgt, dass ihr braucht.

Und darum DANKE, danke an meine Mutter, an meine Ahninnen, für die Geschenke die sie mir weitergegeben haben. Ich nehme das Beste und gebe es weiter, in der Hoffnung, dass das was bleibt, Liebe und Geborgenheit ist.

RIP Eva Maria, du bist in unseren Herzen.

 

© katharina gindra-vady, oktober 2016
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Bei der Geburt wurde auch eine Mutter geboren, eine Ode an die einsamen Mütter

Eine einsame Mutter.
Sie erstickt in Routinen.
Muss funktionieren.
Betäubt sich – Realitätsfluchten –
Antidepressiva, Alkohol, Zucker, what else?
Sie möchte doch so gern sein wie früher.
Aber es gibt keinen Weg dahin.
Wie auch?
Für ihr Kind würde sie sterben.
Für ihr Kind ist ein Teil in ihr wie gestorben.
Ist er es wirklich?
Vielmehr wurde er transformiert.
Er – das “alte” ich.
Keiner hat ihr das gesagt.
Sie fühlt sich, als wär sie die einzige, die sich verloren hat.
So lebt sie nun – mit dem Gefühl die Alte zu sein.
Aber sie ist wie neu geboren.
Als sie ihr Kind zur Welt brachte, kam nicht nur ihr Baby.
Es wurde eine Mutter geboren, die es zuvor nicht gab.
Jetzt steht sie da – alleine – den Körper immer noch schützend –
um ihr Baby, ihr Leben lang.
Je länger sie es ins “Groß werden” bringt,
desto mehr sammelt sie die Puzzlesteine ihres Selbst wieder auf.
Das alte Bild – neu zusammengesetzt.
Alte Freundschaften, Vorlieben, Begeisterungen –
alles zerschellt.
Es blieb der leere Raum.
Für Neues.
Und nun –
wenn sie die Leere endlich zulässt,
fügt sie die Teile des Puzzles in ein Bild.

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Foto, pixabay.com

 

text copyright katharina gindra-vady, september 2016

 

 

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Karenz, und was kommt dann …

Posted in Mutterschaft, Pädagogik im Praxistest
on 19. August 2016

Die nahende Krippeneingewöhnung meines Sohnes ist mit vielen Gefühlen verbunden , die seine neue Selbstständigkeit betreffen. Aber auch für mich wird sich da wieder viel tun. Nach zwei Jahren Mamapause darf ich mich wieder in die Arbeit stürzen. Und da taucht für mich die Frage aller Fragen auf. Zurück ins Alte, oder den Schritt in was Neues wagen. Und ist das Neue etwas Vertrautes, oder hat mich meine Zeit als Mama so verändert, dass auch meine berufliche Perspektive sich geändert hat?

Ich denke da an L., sie ist in ihren alten Job zurückgegangen, merkt aber, dass sie trotz geringerem Stundenausmaßes mit dem was sie bisher gemacht hat, nicht glücklich ist. Klar, den Job macht sie weiter, als Alleinerzieherin hat sie nicht die Wahl, aber in ihrem Kopf reifen Pläne sich umzuorientieren. Wenns Kind dann mal größer ist.

Ich habe noch eine Bildungskarenz bis Dezember, aber spätestens dann muss ich mich entscheiden. Kürzlich habe ich meine berufliche Laufbahn mal Revue passieren lassen. Und das Resüme hat mich nachdenklich gestimmt. Von 20 Arbeitsjahren war ich etwa 15 nicht wirklich glücklich in meinem Job. Ich habe gearbeitet, weil man das so macht, weil man damit Geld verdient, aber nicht umsonst habe ich immer wieder mal Dienstgeber gewechselt, immer in der Hoffnung das es dann anders ist. Diese 15 Jahre waren hauptsächlich Administrationjobs in Büros. Nett, überschaubar, von neun bis fünf, sogar mal mit Bonuszahlungen. Aber all das konnte mich nicht trösten. Ich saß da an meinen Schreibtischen, tippelte Zeug in den Computer und spürte die zischende Schlange, die mir immer wieder zuwisperte, “ist das was du willst?”.

Mittlerweile weiß ich, dass wir in unserer beruflichen Laufbahn nicht nur mehr einen Weg gehen. Einen Dienstgeber für zwanzig Jahre zu haben ist selten, es ist okay geworden, sich das beste aus den Jobs zu holen und dann zu wechseln. All diese Jobs prägen uns dann in unserem weiteren Weg. Und geben jedem ein ganz eigenes Puzzle an Qualifikationen mit.

Und dann ist da noch das Muttersein. Ich spüre es hat mir auch eine ganz eigene Kraft gegeben.  Vielleicht hat mich die sogar mein Kind gelehrt. Jeder Tag ist eine neue Möglichkeit zu lachen, zu weinen, etwas neues in der Welt zu erobern, für Kinder gibt es keine Kompromisse (was so manchmal deren Eltern an die Grenze bringt). Ich werde natürlich arbeiten, aber ich werde das tun was ich gerne mache. Was hilft mir der bestbezahlteste Job wenn ich in eine Krise schlittere. Arbeit soll doch auch Freude machen. Soll uns anspornen das Beste zu geben.

Und so ist der Krippenstart nicht nur für meinen kleinen Prinz etwas Neues, etwas das er noch nicht kennt. Wir werden uns beide erst orientieren müssen, herausfinden was uns gut tut, und was nicht, und im besten Fall werden wir dann jede Menge Spaß haben, da wo wir sind.

 

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mütterliche Abendgestaltung …

Posted in Mutterschaft, Pädagogik im Praxistest
on 13. Juli 2016

Ich bin Mama von einem 19monate alten Kleinkind. Heute habe ich eine Stunde am Abend gewonnen, die mein Kind vorsorglich beim Mittagsschlaf eingespart hat. Klar, bin ich nun froh über meine kleine Freiheit,  und so rattert in meinem Kopf schon ein Freizeitprogramm.
Soll ich lieber etwas lesen, fernsehen, längst fällig aufwischen oder Bad putzen, oder doch lieber eine Recherche zu einem Artikel machen. Oder vielleicht sollte ich früher schlafen gehen, man weiß ja nie wann das (Schlaf)glück des Nachwuchses sich gegen uns wendet.

Da fällt mir ein witziges Video ein, dass ich vor einiger Zeit über Facebook gesehen habe. https://www.facebook.com/ProSieben/videos/vb.64694257920/10153787520102921/?type=2&theater
Eine Mutter die mit einer Riesenportion Eis und Rotwein bewaffnet humoristisch erzählt, dass zum Mama sein dazu gehört, dass unsere Kinder uns auch mal hassen dürfen. Stimmt ja alles soweit. Aber ich merke, wie ich mich nur darauf konzentrieren kann, wie diese Frau das schafft? Wann bitte konnte sie sich die Haare machen, das Makeup auflegen, ihr Skript schreiben und schneiden, und dann auch noch Haushalt, Kinder und Alltag wuppen? Vom Sport den sie machen muss um das ganze Eis abzutrainieren ganz zu schweigen?

Ich beschließe genau deswegen heute keine Wonder Woman zu sein. Meine Skriptidee bleibt in der Kiste, der Wischmop im Kasten, und die Vorsätze verschoben.
Und im übrigen zählen ja die inneren Werte hab ich gehört, und die find ich am Besten bei einem ordentlichen Glas Ginger Ale, Nußhörnchen und einer gestreamten Dokusoap. Ganz entspanntes Nix Tun.

Denn zum Glück hab ich ja keinen Youtubechannel, denn sonst müsstet ihr euch meine Abendgeschichte von einer in den Regen gekommenen stirnfransengekrausten, mit Augenringen versehen und im angepatzten Schlabberlook angezogenen Protagonistin anhören, die neben einem Bücherstapel und einer to-do-Liste sitzt und beschließt den Perfektionismus einmal mehr sausen zu lassen.

Und der Soundtrack hierzu, https://www.youtube.com/watch?v=WS4DCkMu8Ak, weil wir es als Mamas auch gern mal sein lassen dürfen.

 

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Nix zu erzählen als Singlemum?

Posted in Mutterschaft, Pädagogik im Praxistest
on 10. Juli 2016

Vor einiger Zeit sprach ich mit einer Redakteurin einer Frauenzeitschrift, und wollte ihr eine Kolumne vorschlagen bei der es um das Leben einer AlleinerzieherIn geht. Es gibt doch Kolumnen über alles mögliche, warum also nicht über eine Familienform die immer mehr zunimmt.

Ich werde mich ewig daran erinnern, was sie mir gesagt hat. “Worüber willst du denn überhaupt schreiben?” Mir blieb ein bisserl die Sprache weg. Na, über all die Kämpfe des Alltags, über die Siege und Verluste, übers Leben halt, und das ganze aus der Perspektive einer allein kämpfenden Amazone (jaja ich weiß es gibt auch den anderen Part dazu, aber manchmal ist man halt allein, das hat es so ansich, das ‘allein’erziehen), wollte ich sagen. Aber da kam nichts dergleichen aus meinem Mund. Klassisch mundtot gemacht.
Tatsächlich fand die Redakteurin nichts interessantes an dieser Lebensform, und nahm mir tatsächlich auch meinen Enthusiasmus an meiner Kolumne. Damit geschah das übliche, das einem als AlleinerzieherIn immer wieder geschieht. Wir werden maßlos unterschätzt. Unser Leben wird gerne als eine Aneinanderreihung von Missgeschicken gesehen, selten aber als eine bewusste Entscheidung, um etwas zum besseren zu führen.

Drum lass dir sagen, das Leben einer alleinerziehenden Frau ist genauso interessant wie jedes andere Singleleben über das man manchmal liest. Jedes Leben lohnt sich um davon erzählt zu werden. Und vielleicht liest sich dieses ‘langweilige’ Leben noch interessanter, weil wir tagtäglich Mama und Papa zugleich sind. Weil wir über den Dingen stehen müssen, und unsere Egospielchen mit unseren ExPartnern zur Seite legen müssen, um unseren Kind(ern) eine gute Basis zu geben. Weil wir abends nicht unsere Kind(er)mal für eine Stunde an unseren Partner abgeben können, sondern den täglichen Wahnsinn bis zum letzten auskosten. Und für jede andere Menge von Gründen, die ich euch weiterhin in meinem Blog stückchenweise näherbringen werde.

Und natürlich ist eine Singlemum genauso wenig “arm” wie eine “Wochenendmama” oder eine die sich alles mit ihrem Partner teilt.  Bei allem wovon ich euch in diesem Blog erzähle, berufe ich mich nicht nur auf mein Leben, ich kenne genug andere Mütter und ihre Geschichten, um euch aus einem Portfolio von Erlebnissen berichten zu können.

 

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