Browsing Category:

Mamis B[A]Dtime stories

Biene Maja hat ADHS ?!

Posted in Mamis B[A]Dtime stories, Pädagogik im Praxistest
on 19. Oktober 2016

Zwei Ereignisstränge laufen sich bei uns gerade über den Weg. Zum einen schaut mein Sohn liebend gern Biene Maja, und zum anderen sehe ich häufiger Dokus oder Berichte über ADHS.
Da ich mit meinem Kind die Biene mit ansehe (Medienkompetenz trainiert man auch indem man die Inhalte der Sendungen überprüft, die die Kinder sehen) fiel mir auf, dass in der heutigen Gesellschaft die lustige und quirlige Biene als ADHS Kind eingestuft würde, und je nach Familienstatus die Eltern schnell mal zur Pille gegriffen werden würden.

Aber sehen wir uns meine Behauptung einmal näher an.
Biene Maja ist die Biene im Stock, die aus der Reihe tanzt. Sie formt Blüten aus Wachs, wenn sie Waben formen sollte. Sie bringt die Reihe der Bienenträger durcheinander, reißt kleine Leuchtblumen einfach aus, und tanzt wild im Bienenstock. Sie will lieber in einer Blüte schlafen, anstatt im Bienenstock. Sie fühlt sich als Teil der Bienengesellschaft, will aber als individuelle Biene ihr Leben selber gestalten. (Wer sich gerne selber davon überzeigen will, auf youtube Folge 1 der neu bearbeiteten Folgen ansehen).
Das interessante ist nun, dass wir diese Biene als Heldin für unsere Kindergeschichten erkoren haben. Warum? Denn sie ist selbstbewusst, lebensfroh und steht zu ihrer Individualität. Wie alle KinderheldInnen, die wir unseren Kindern in Film und Literatur so zeigen.
Warum dürfen also die HeldInnen in Film und Literatur ungezähmte, starke, wilde Wesen sein (Pippi Langstrumpf, Nils Holgerson, Heidi, Biene Maja, Ronja Räubertochter, Momo usw) aber unsere Kinder nicht?

Ich kritisiere da ganz offen unser (pädagogisches) System. Denn sobald ein Pädagoge, oder Psychologe, aber auf jeden Fall ein Profi, zu einem Elternteil hingeht, und sagt “ihr Kind stört” wird niemand mehr nach der individuellen Aussage dieser Persönlichkeit suchen. Es wird versucht das Kind “anzupassen”. Im besten Fall zuerst mit Training, Lehre und so weiter. Wenn sich das Ganze aber nicht bessert, wird nach einer Erklärung gesucht. Und was würde besser passen als “ihr Kind ist krank”. Was für ein Stein muss dann den Eltern von der Brust fallen, wenn ein Profi sagt – dann sollte es ja stimmen. Und genau da liegt schon wieder der Hase im Pfeffer. Weil das keine Grippe ist, die mit einem Aspirin wieder gut ist.  Aber damit das Kind wieder “funktioniert”, wird aus Rücksicht auf unsere Gesellschaft, auf das soziale System in dem wir leben, die Familie sich beugen. Wird brav Medikamente einnehmen. Wird eine nach wie vor unklare “Krankheit” annehmen, wie andere eine Haarfarbe.

Wie wichtig ist dabei die Ursache? Gemäß dem ZDF Film “was ist los mit unseren Kindern” liegen, laut dem Jugendpsychotherapeut Dr. Hans Hopf, soziale Störungen häufig zugrunde (Filmtipp1*). ADHS kann auch auf schwierige Familienverhältnisse zurück geführt werden, auch das Zusammenspiel zwischen Kind und Eltern funktioniert vielleicht nicht richtig (Filmtipp2**). Laut Dr. Schultz, entstehen Anpassungsstörungen bei Kindern die mit den Anforderungen ihrer Umgebung nicht zurecht kommen. (Filmtipp2**).

Und diese Dokumentationen bringen mich wieder zurück zur Biene Maja. Hat irgendjemand von ihr verlangt, sie solle nun im Bienenstock Waben bauen? Ihren Nektar abliefern? Biene Maja durfte ihre Welt auf ihre Art und Weise entdecken, sie durfte lernen was die anderen lernten, aber mit ihrer ganz persönlichen Note. Diese Biene ist keine kranke Biene, durch ihre Besonderheit verbindet sie sogar die Bewohner der Wiese.

Und das bringt mich zu unseren Kindern. Wer das Gefühl hat, da könnte er oder sie eine Biene Maja zuhause haben, der hat da eine/n ganz besondere/n Helden/Heldin. Denn da ist ein Kind das kompromisslos das Leben lebt. Das ehrlich ist, und manchmal viel zu laut (oder sportlich) für die erschöpften Erwachsenen. Und dieses Kind will genauso wie alle Teil unserer bunten Menschenwiese sein. Als Eltern können wir es unterstützen. Wir können ihm Hilfe durch Profis, Therapeuten, Pädagogen, Mediziner. anbieten. Die Pharmaindustrie gibt bloß eine Pille, das Leben meistern kann man nur selber, bzw mit professioneller Unterstützung. Wir können unseren Kindern lehren mit Gefühlen umzugehen, Präventionsprogramme bereits im Kindergarten ins Leben rufen. Neurofeedback, Verhaltenstherapie, so viele Möglichkeiten sind auch ohne Medikamente möglich.  Zum Beispiel mit dem Programm “Faustlos“, hier wird schon im frühen Kindergartenalter der Umgang mit Impulsen geübt.
Ich kann verstehen, dass man müde ist, erschöpft, wenn man ein “Zappelphillipp” Kind zuhause hat, vielleicht sogar eines, dass seine Impulse nicht kontrollieren kann. Ich weiß aber, dass wir alle unsere Kinder lieben, und daher liegt es in unserer Verantwortung ihnen das Beste für ihr Leben mitzugeben, dass uns möglich ist.

Ich muss gestehen, bei der Recherche zu diesem Beitrag wurde mir ganz schwindlig. Ein ständiger Kampf zwischen Beweis und Vermutung, Genetik und Umfeld. Aber immer wurde von Krankheit gesprochen. Ich denke solange wir in unseren Köpfen noch an Krankheit glauben, solange wird die Aufmerksamkeitsstörung  weiterhin als Problem gelebt. Die traurige Wahrheit ist, Krankheit macht krank, Krankheit stigmatisiert zumeist. ADHS oder ADS Kinder sind einfach Kinder. Sie haben ihre Sorgen und Freuden wie alle anderen. Lassen wir ihnen ihre Kindheit, in der Wahrheit wie sie ihnen möglich ist, denn unsere Kinder sind wie ein Schulrucksack “Der Inhalt ist ähnlich, aber er ist nicht gleich” (Filmtipp2**).

 

LINKS: http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videos/was-ist-los-mit-unseren-kindern-adhs-und-andere-diagnosen-100.html

http://www.schulpsychologie.at/gewaltpraevention/praeventionsprogramme/faustlos/
http://www.bvpraevention.de/cms/index.asp?inst=bvpg&snr=9116

 

 © katharina gindra-vady, oktober 2016

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, dann klicke doch auf ein "Gefällt mir" bei Facebook, so kann ich dich optimal über alle News aus meinem Universum am Laufenden halten. https://www.facebook.com/birdiesworld.at/

 

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail
/ /

Eingewöhnung in der Krippe

Posted in Mamis B[A]Dtime stories, Pädagogik im Praxistest
on 7. Oktober 2016

Mein Sohn ist jetzt seit genau einem Monat in der Kinderkrippe. Gleich am Anfang mussten wir eine Pause einlegen, weil er natürlich krank wurde. So nach dem Motto “willst du, dass dein Kind krank wird, steck es in den Kindergarten”. Aber irgendwie auch nachvollziehbar. Denn er hatte, bis auf seine Neurodermitis, keinerlei Probleme mit seiner Gesundheit, irgendwann muss das Immunsystem ja auch lernen mit den Viren umzugehen.

Kinderkrippe, Kindergarten, oder Schulbeginn, das sind alles ganz besondere Anfangszeiten für Mutter und Kind. Ich konnte bei mir selber, aber auch bei den anderen Müttern, beobachten, dass wir da ganz schön sentimental werden können, und auch ziemlich überempfindlich. Unsere Kinder sehen den Anfang meist gelassen. Für sie ist es einfach toll und aufregend. Die neue Gruppe, die neuen Regeln, das neue Spielen. Während wir also mit unseren Schnief-sentimental-Gedanken kämpfen, spielt unser Kind und findet die neue Krippe/Kindergarten/Schule ganz toll. In dieser Zeit ist es sogar für unsere Kinder leichter uns gehen zu lassen, weil einfach die Ablenkung noch so groß ist. Aber es kommt ein Zeitpunkt da kippt das Ganze. Die Mütter /Väter beginnen ihre neue Freiheit zu genießen, lassen das Kind gerne ein paar Stunden in der Betreuung. Und da merkt das Kind, dass es da nichts Neues mehr gibt, und dass die Eltern aber jeden Tag aufs Neue geht.

Dann ist sie da. Die Krise. Die Eltern sind überrascht, weil ihr Kind plötzlich nicht mehr alleine in der Krippe bleiben will. Für mich ist das irgendwie klar. Wenn wir das aus der Perspektive des Kindes überlegen, dann ist diese Phase vorprogrammiert. Das Kind nahm an, dass dies eine Spielgruppe wie viele ist, und die Eltern bald wieder da sind. Und dann spürt es die Regelmäßigkeit, es merkt, dass die Eltern immer gehen, vielleicht sogar länger wegbleiben.  Es ist auf sich selber angewiesen. Da helfen natürlich einfühlsame Pädagogen, aber aus der Sicht des Kindes ist es alleine. Es muss zu diesem Zeitpunkt lernen, dieses Gefühl auszuhalten und zu verarbeiten.
Wir als Eltern sind da sehr gefordert. An dem Punkt können und dürfen wir nicht zurückrudern. Es hat einen Grund, warum wir unser Kind in eine pädagogische Institution gegeben haben. Aber wir können bei dieser Phase unsere Kinder trotzdem gut begleiten. Jeder der sich mit seinem Kind beschäftigt, weiß was es braucht. Der eine sucht Nähe, der andere braucht Spiele oder Bewegung.
Darum,
beACHTE dein Kind.
Gib ihm das was es emotional braucht, in der Zeit wo du es siehst.
Erkläre ihm immer wieder, dass du wieder kommst,
akzeptiere und WERTschätze seine Gefühle.
Vielleicht findest du auch ein Kuscheltier, oder etwas von zuhause das du mitgibst, um ihm eine Art “Verbündeten” mitzugeben.
Auch wenn es im Moment nicht gleich besser wird, dein Kind fühlt sich in seiner Gefühlswelt verstanden und akzeptiert, wenn du mit ihm die Situationen besprichst.
Das ist meine Perspektive als Pädagogin.

Als Mama kann ich nur sagen, mein Sohn ist dabei, in der Krippe anzukommen. Das merke ich daran, dass er mich gehen lassen kann, aber auch daran wie viel Kraft ihm das kostet. Er geht sofort, nachdem wir zuhause sind, schlafen und braucht unendlich viel Kuschel und Leseeinheiten. Ich geb ihm das gerne, und freue mich wenn er mir so klar zeigen kann, was er braucht. Kürzlich hab ich mit einer Pädagogin gesprochen, und die sagte mir “Schau, wenn du merkst, dein Kind kann am Freitag einfach nicht mehr, ist erschöpft und ausgelaugt, dann kannst du natürlich entscheiden, dass ihr nur eine vier Tage Woche macht.” Und genau dass ist der Punkt. Wenn ich wählen kann, und die Bedürfnisse meines Kindes so erfüllen kann, dann werde ich das tun. Klar. Wenn ich schon eine fixe Arbeit habe, oder mir meine Zeit nicht einteilen kann, dann geht es nicht. Aber dann kommen wir wieder dahin zurück, dass ich die Zeit die ich dann habe, meinem Kind schenke. Ich sags euch ganz ehrlich, ob die Wohnung geputzt ist, oder der Kuchen selbst gebacken, ist in der Phase deines Lebens wirklich egal. Es ist eine Zeit, wo dein Kind dich braucht, und diese Zeiten werden weniger werden. Denn unser Leben entwickelt sich nun mal zu mehr Selbstständigkeit. Aber sie plumpsen nicht aus unserem Bauch und sind nach zwei Jahren schon selbstständige Wunderwuzzis. Sie brauchen unsere Hingabe, Zeit und Pflege, damit sie das Vertrauen in diese Welt aufbauen können. Das ist unsere Aufgabe als Eltern. Ihnen die Wurzeln zu geben, damit sie ihre Flügel selber entfalten können.

Foto pixabay.com

Foto pixabay.com

 

 

 

 

 

 

 © katharina gindra-vady, oktober 2016
Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, dann klicke doch auf ein "Gefällt mir" bei Facebook, so kann ich dich optimal über alle News aus meinem Universum am Laufenden halten. https://www.facebook.com/birdiesworld.at/

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Lasset die Spiele beginnen, ein Wort zum pädagogischen Zirkus und meine Mitwirkung darin.

Posted in Mamis B[A]Dtime stories, Pädagogik im Praxistest
on 11. September 2016
baby-sitter-1140873_1280

Foto, pixabay.com

Mein Kind kommt in die Krippe. Tolle Sache denk ich mir. Ist es auch. Aber obwohl – oder vielleicht, weil – ich es studiert habe, mach ich mir viele Gedanken vor diesem neuen Abschnitt.
Eine andere Mama hat den treffenden Satz dazu gefunden “Irgendwie ist die ganze Situation ein bissel schizophren”. Da stimm ich zu. Ich weiß meinem Kind wird die Zeit im Kindergarten/Krippe gut tun. Er wird Spaß haben, Freunde finden, sich in Gruppen behaupten, Kreatives lernen und neue Strukturen lernen. Aber die Hippie-braut in mir schreit. Was, jetzt willst du dein Kind schon dem rigorosen System unterwerfen? Was ist mit Freiheit, und Entfaltung, warum lässt du ihn nicht einfach selber wachsen und seine Flügel finden. Muss er sich jetzt schon einfügen in das System, essen wenn alle essen, schlafen wenn alle schlafen, spielen wenn alle spielen. Wo ist da die Freiheit, die Entdeckung des Lebens selbst?

child-1522870_1280

Foto, pixabay.com

paint-328676_1280

Foto, pixabay.com

Und ich verstehe die Hippie-braut in mir. Die hat Angst. Sie befürchtet ,dass dieses wundervolle Kind dass wir haben (ich weiß schon, wir haben alle wunderbare Kinder), vielleicht ein bornierter Bürohengst wird, nur weil es zu früh gelernt hat, dass Regeln das Leben schreiben. Aber ich kann meine  innere Hippie-braut beruhigen. Nur weil mein Kind in eine pädagogische Institution geht, muss es nicht automatisch einen Kasernenton lernen. Es kann auch einfach Spaß machen. Er kann auch Freude daran haben, Routinen, Gruppendynamiken, neue Welten zu erobern. Es wird ihm voraussichtlich auch Spaß machen, all die Spiele und Kreativität zu entdecken. Als Mutter kann ich ihm einfach vieles nicht bieten, was eine professionelle Betreuung kann. Aber ich kann ihm mit diesem Schritt zeigen, dass er beides haben kann, Freiheit und Regeln. Und das allerwichtigste bei dieser Lebensetappe, ich gebe ihm Liebe und Geborgenheit, und somit Sicherheit. Wenn ich also ruhig bin, und mit mir im Reinen, dann wird auch er für sich das Beste aus den Dingen holen.

Kinder lernen am Vorbild.  An meinem Vorbild als Mutter. An dem des Vaters. Aber auch an all den Umgebungen denen sie länger ausgesetzt sind. Mag sein, dass ich die Routinen in pädagogischen Institutionen lästig finde. Aber ich weiß auch, dass es ohne die nicht geht. Weder in der Profession als Pädagogin, noch in irgendeiner Gruppe. Das hat aber gar nichts damit zu tun, dass wir unsere Kinder schon heute an die Arbeitswelt von morgen gewöhnen müssen (ich muss innerlich sehr laut lachen bei der Argumentation).
Sondern weil eine Gruppe von Menschen, egal wie jung oder alt sie sind, Organisation erfordert. Weil alle Individuen, wenn sie auf einem Haufen sind, dazu tendieren laut zu schreien, damit man sie hört.
Und darum kann ich nur sagen, es wird ihm gut tun, dieser regelmäßige Krippenbesuch.
Weil es Sicherheit gibt, sich auf Rituale und Routinen im pädagogischen Alltag einzulassen.
Weil Kinder gerne lernen, und wir als Eltern ihnen auch die Flügel geben müssen. Es ist unsere Pflicht sie los zulassen und bei dem Prozess zu begleiten. Wenn sie herausfinden, was ihnen gut tut.
Und das werde ich jetzt tun. Ich habe fix vor mein Kind dabei zu unterstützen, ihm zu zeigen und vorzuleben, dass dies ein Teil unseres Lebens ist. Dass er da etwas lernen kann, dass ich ihm in dieser Form nicht beibringen kann, und dass neue Dinge lernen jede Menge Spaß machen kann.

Und meine inneren pädagogischen Dämonen muss ich schön selber anschauen, denn für mein Kind ist es nicht dienlich, wenn ich meine Systemkritik an ihm weiterführe. Ich bin auch ehrlich sehr dankbar für diesen Krippenplatz, wir haben da eine total feine Gruppe mit einem richtig guten Betreuungsschlüssel gefunden, und alle Pädagoginnen wirken nett, und sehr am Kind und seinen Entwicklungsstadien orientiert. Ich wäre nicht überrascht, wenn mein Sohn nach einer Woche schon an der Tür tschüss sagt, weil er mehr als bereit ist, sich auf diese “Krippensache” einzulassen. Naja und dann, dann muss ich mal schauen, dass ich wieder mal auf mich konzentrieren darf. Das alleine ist schon einen eigenen Beitrag wert, denn all zu irritierend fand ich das Gefühl, dass ich nach fast zwei Jahren nun plötzlich mehrere Stunden ohne schlechtes Gewissen für meine Angelegenheiten aufwenden kann.

Und so ist die Krippe für uns beide riesig aufregend und ein neuer Lebensabschnitt im Mama-Kind-Leben.

 

 

© katharina gindra-vady, september 2016

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail