Browsing Category:

Mamis B[A]Dtime stories

„Mach es zu deinem Projekt…“ – wenn Mamasein zum Projekt wird

Wenn Kinder zum Projekt werden, wenn das Mamasein ins Unternehmertum eintritt, und frau plötzlich eine „Mompreneur“ ist. Dann frage ich mich, obs dabei noch um das Gefühl geht, oder das Kind eine Facette für Unterhaltung und Existenz wird.

Vorab, ich habe den Hasthag #mompreneur selber schon einige Male verwendet. Aber noch nie wirklich darüber nach gedacht. Als Familienbloggerin, bzw Mamabloggerin, schreibe ich über unser Leben, (also eigentlich bin ich dann LEBENSbloggerin) ich plaudere aus dem Nähkästchen, und erzähle Geschichten von, und über mein Kind.  Ich könnte vielleicht sogar ein wenig davon leben, wenn ich in SEO, Follower und Marketing investiere. Da ich das aber nicht tue, plätschert mein Blog schön ruhig dahin.

Klar, ich bin Pädagogin, also auch „Entrepeneur“ wenn ich irgendwann mein Buch endlich draussen habe, und erfolgreich Seminare anbiete, aber muss ich mir nun – nur weil ich Mutter bin – eine neue Rolle als „mompreneur“ aufschwatzen lassen? Es ist ein schmaler Grat im Netz zwischen Information und Hosen-owi-Beiträgen. Es ist ein schmaler Grat über das eigene Kind zu berichten, private Einblicke zu gewähren, und nicht zu wissen, wer in diesen Momente mitliest.

Mich nervt dieser neue Begriff ein wenig. Er degradradiert irgendwie die Rolle meines Kindes, aber auch mich als Mutter. Dadurch, dass ich mich „mompreneur“ nenne, wird mein Kind instrumentalisiert. Indem ich darüber schreibe, erlaube ich die Zuordnung von Stereotypen, lasse manchmal sehr private Momente sehr öffentlich werden, und was ich am schlimmsten finde – ich monetarisiere eigentlich meine Rolle als Mutter. Ich mach zu Geld was für mich die natürlichste Sache der Welt ist. Ich möchte als Unternehmerin gesehen werden, und nicht als Mama-unternehmerin. Oder schon jemals einen „dadpreneur“ gesehen? Männer werden weiterhin Unternehmer genannt, Frauen bekommen einen neuen Begriff.  Und lassen zu, dass ihre Rolle als Mutter ihr Unternehmertum definiert. Ich wage zu behaupten dass dieser Begriff hauptsächlich von den neuen selbstständigen Berufen kommt, Jobs wie Bloggerinnen, direkt Markteing, direkt Vertrieb. Schon mal diese Jobs auf Seriösität überprüft? Nahezu alle Jobs ohne Zusagen, Sicherheiten. Man muss meistens etwas im Hintergrund haben, einen Mann, einen Zweitjob, ein großes Erbe, und manchmal alles auch einmal. Und ich habe diese „Jobs“ in einer Facebook Gruppe mit dem Namen „Jobs für Mütter in …“ verfolgt, alles „Taschengeld“jobs mit direktvetrieb. Mal ehrlich, nur weil ich Mama bin, muss ich also liebend gerne Parties für Produkt xy geben?

Meine Conclusio; solange es keine #dadpreneurs gibt, gibts für mich auch keine #mompreneurs mehr. Mein Kind ist meine persönliche Erfahrung und Freude und soll keine Geldquelle sein. Wenn etwas zu Geld wird, dann sollen es meine Geschichten sein, mein Blick auf die Welt, meine Erfahrungen. Da ich aber eine rege Beobachtungsgabe habe, wird der geneigte LeserIn weiterhin Berichte aus dem pädagogischen Alltag in meinem Blog lesen. Aber er oder sie wird sich der Tatsache stellen, dass ich mitunter auch über das schreibe was ich im Außen beobachte. Und – ich bin UNTERNEHMERIN – allein durch die Person die ich bin. Vielleicht beeinflussen mich meine Umstände, aber auch die Verkäuferin, Chemielaborantin oder Mechanikerin sind Mütter, und verkaufen oder schrauben dadurch auch nicht anders am Produkt.

Wahre Emanzipation bedeutet,  Männer und Frauen dieselben Fragen zu stellen, und auszuhalten, dass ihre Antworten voneinander abweichen, weil sie Menschen sind, und nicht weil sie Vater oder Mutter sind.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

So wie du bist, so bist du gedacht…

Posted in Mamis B[A]Dtime stories, Mutterschaft
on 5. April 2017

Für mein Kind,

Neulich sah ich dir beim Schlafen zu, und ich bin immer noch so überrascht wie schnell das alles geht. Gerade noch warst du so klein, und im nächsten Moment habe ich schon das Gefühl, ich sehe Züge der Person die du mal sein wirst.  Vor mir  tauchen innere Bilder eines Schulkindes auf, du als Teenager, als Erwachsener. Durch deine wachsende Selbstständigkeit eroberst du dir die Welt, stückchenweise und konsequent.

Und obwohl ich weiß wie klein und hilflos du warst, genauso weiß ich, es war von Anfang an du. Du bist als Persönlichkeit auf die Welt gekommen, so wie jedes Kind schon mit seinem eigenen Wesen auf die Welt kommt. Klar, deine ersten Lebensjahre vergehen durch einen Nebel von Wachstum und Lernen, aber du hast deinen Charakter, von Anfang an.

Ich bin froh, dass wir nun in einer Zeit leben, wo nicht mehr angenommen wird, ein Kind sei ein Klumpen Wachs den es nur zu formen gilt. Seitdem du da bist, erlebe ich täglich die Bestätigung der Vermutung, dass jedes Kind bereits mit seiner eigenen Persönlichkeit auf die Welt kommt.

Was ist nun meine Aufgabe als Elternteil? Ich muss die Knospe deines Wesens in ihrer Vielfalt erkennen, und ihr Zeit lassen sich zu entfalten. Ich darf dich unterstützen bei deinem Weg, selber zu lernen wer du bist, was du kannst, und was du magst oder nicht. Ich kann dir liebevoll Rahmenbedingungen geben, darf und muss dir auch Grenzen setzen, wenn du Gefahr läufst dir oder anderen zu schaden. Ich werde jeglichen Hochmut über Bord werfen, und mir immer gewahr sein, dass nur ein geringer Teil deines Selbst durch „Erziehung“ geformt wird. Denn es ist offensichtlich, das du schon bist, jemand bist, und dass ich das respektiere, unterstütze und fördere. Meine Aufgabe als Mutter ist dann nur ergänzend, dich zu schützen, zu fördern, zu versorgen. Ich will es in dem Maße tun, wie du es brauchst.
Häufig versuchen wir als Eltern ein Kind zu erziehen und dabei zu dem Menschen zu machen, den wir gerne sehen würden. Wir versuchen unterbewusst unausgelebte Träume in unsere Kinder zu pflanzen, und somit die Erfüllung unserer Träume zu erreichen.
In dem Wunsch sie vor „Fehlern“ zu bewahren, sie zu schützen, verwehren wir ihnen den Raum selber zu erleben was sie brauchen, können, wünschen. Aber Fehler gehören zum Leben dazu, und sind manchmal notwendig um zu verstehen was man möchte und was nicht.
Wir „Großen“ versuchen uns häufig mit Empfehlungen aus Büchern, Ratgebern, Filmen auf unsere Aufgabe als Eltern vorzubereiten. Aber ein theoretischer Rat ohne praktischen Hintergrund beinhaltet das Problem, dass er zumeist nur in der Theorie funktioniert, und wir erst recht im Dunklen tappen.
Dass ich als Elternteil eine Verantwortung habe, weiß ich. Dass ich mein Kind schützen muss, fühle ich. Dass wir auch manchmal „nein“ sagen müssen, müssen wir beizeiten lernen. Genauso gehört zum Eltern sein, die eigenen Handlungen auch mal zu überprüfen, zu reflektieren. Wenn wir es anders machen wollen als die Menschen vor uns, dann müssen wir uns auch von deren Vorstellungen über Erziehung, oder wie man das Leben lebt, freimachen. Was für meine Eltern vielleicht wichtig war, ist es nicht für mich.
Das heißt aber nicht, dass ich mit meinem Kindern immer „beste Freunde“ sein muss. Aber ich kann mein Kind respektieren und seine Meinung wertschätzen.
Ich treffe sicher auch genügend unbeliebte Entscheidung, und trotzdem kann ich meine Wertschätzung und Respekt vor der Persönlichkeit des Anderen ausdrücken. Wenn eine Situation es erlaubt, kann ich Alternativlösungen anbieten.
Aber manchmal muss ich Entscheidungen zum besten Wohle treffen und dazu stehen. Ich darf auch mal Fehler machen. Und mich dafür entschuldigen und sie nicht mehr machen.
Das sind die Dinge im Bereich der Erziehung auf die ich nicht verzichten kann, wenn ich dir die Regeln der Gesellschaft lehre. Aber ich kann dabei darauf achten, dir beizubringen, dass man trotz der Einhaltung alle Regeln auch immer noch der oder die sein kannst, die du  bei deiner Ankunft auf dieser Erde warst.

Du lebst in einer Welt die auf Äußerlichkeiten, Macht und Erfolg aufgebaut wurde. Dieses System wackelt, an allen Ecken und Enden kracht es, und viele Menschen versuchen ihren eigenen Lebenssinn zu finden. Ihre Essenz, ihr wahres Wesen.

Du bist ein Kind der neuen Zeit. Du kamst mit dem Wissen um diese Essenz zur Welt. Unsere Erziehung ist keine Ansammlung von kindesfeindlichen Vorschriften mehr, sondern vielmehr beruht sie auf Regeln der Wertschätzung und Achtsamkeit.  Am Tag deiner Geburt warst du mehr in deiner wahren göttliche Essenz als jeder Guru auf dieser Erde. Ich möchte dir so gerne dabei helfen diesen inneren Wesenskern zu erhalten. Ich möchte von dir lernen, wie du von mir. Ich möchte jeden Tag aufs Neue mit tiefstem Vertrauen in die Fülle von Liebe und Kraft gehen, genauso wie du, wenn du morgens aufwachst.

„So wie du bist, so bist du gemeint“ ist nicht nur eine lapidare Aussage am Rande. Es sagt uns allen, dass wir uns selber, und jeden der uns umgibt, in seiner ureigenen Kraft anerkennen und schätzen können. Und dass wir, wenn wir unsere Kinder als Persönlichkeit anerkennen, ohne unsere eigenen Wünsche hinein zu interpretieren, ganz wundervolle Menschen kennen lernen. Dass das Leben beginnt, mit dem Moment wo sich ein Leben im Bauch ihrer Mutter zeigt und sich auf der Erde ankündigt.
Es braucht so viel Kraft und Energie zu sich selber zu stehen und sich einfach so zu nehmen wie man ist. Unterstützen wir unsere Kinder doch einfach dabei, sich so anzunehmen wie sie sind. Lassen wir ihnen Raum und Zeit sich kennen zu lernen und uns kennen zu lernen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen wie anstrengend es ist, jemand anderer sein zu wollen, um gesellschaftlichen Ansprüchen zu entsprechen. Ich wünsche mir für mein Kind, dass du von Anfang an der sein darfst der du bist. Ich lerne erst durch dich, wie es ist zu sich selber zu stehen. Zu dem, wie man als Persönlichkeit gedacht und gemeint ist.

Du bist mein bester Schüler und mein bester Lehrer, Danke.

 

 

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Ich GRATULIERE dir von ganzem Herzen!

Heute, als ich meinen Spross zur Kinderkrippe brachte, sah ich eine Frau mit ihrem offensichtlich neu geborenem Baby. Über die Straße sah ich eine Freundin von ihr, die ihr fröhlich zurief „ich gratuliere dir!“. Das war eine wirklich nette Geste, aber da wurde mir klar, dass wir wahnsinnig gerne frischgebackenen Eltern gratulieren, aber selten Müttern mit Säugling, Baby, Kleinkind. Ich finde es ist höchste Zeit meine tiefste Gratulation auszudrücken, und zwar,

gratuliere ich dir dafür
dass du die ersten Koliken überstanden hast, ohne einen nennenswerten Nervenzusammenbruch,
dass du dein älteres Kind weiterhin gut versorgt hast, und das neue Baby auch,
dass du trotz Schmerzen/Kaiserschnittnarbe/Verletzungen für dein Kind da warst,
dass ihr gemeinsam die ersten Zähne geschafft habt, die Schmerzen und Nebenwirkungen des Zahnens,
dass du auf deinen Schlaf/Erholung/Sport/Hobbies verzichtet hast, um für dein Kind da zu sein,
dass du alle zwei bis drei Stunden, sieben Tage und Nächte die Woche, aufgestanden bist, um dein Baby zu  stillen, es zu füttern,
dass du, selbst wenn es zu deinem Nachteil gewesen ist, das Wohl deines Kindes an vordere Stelle gesetzt hast,
dass du Hilfe geholt hast, wenn du nicht mehr konntest,
dass du dir erlaubt hast auch mal zu weinen, wenn es zuviel war,
dass du auf deine mütterliche Intuition gehört hast, als es um die Gesundheit deines Kindes ging,
dass du deinem Kind Sicherheit und Geborgenheit gegeben hast, selbst wenn du selber das Gefühl hattest, es zieht dir den Boden unter den Füßen weg,
dass du nächtelang neben/bei deinem Kind gelegen bist, um es bei Alpträumen/Schmerzen zu beruhigen,
dass du nächtelange wach bei deinem Kind lagst als es krank war,
dass du dir die Zeit genommen hast, es bei seiner Krippe/Tagesmutter ankommen zu lassen,
dass du immer da gewesen bist, immer da sein wirst, einfach weil du dein Kind liebst und es dein Leben bereichert
dass, dass, dass noch tausend Gründe.

ICH GRATULIERE DIR VON GANZEM HERZEN UND WÜNSCHE DIR WEITERHIN VIEL KRAFT UND LIEBE ALS MUTTER UND FRAU.

Jede Frau hat ihre eigenen Herausforderungen die sie tagtäglich als Mutter besteht, und ich möchte den Hut vor uns ziehen. Es ist egal ob wir in einer Beziehung sind, Single, Patchwork, gleichgeschlechtlich, Wochenendbeziehung.

Ich möchte dir sagen, was du jetzt erlebst, all die Herausforderungen und wundervollen Momente, ich gratuliere dir und danke dir. Indem du dein Kind gut begleitest und ihm Liebe und Geborgenheit gibst, gibst du dir und deinem Kind das größte Geschenk. Egal welche Mutter, jede sagt mir „sie werden so schnell groß“ und es stimmt, ich merke tagtäglich wie er lernt, wächst und sich entwickelt. Darum sind all die Momente die wir geschafft haben, wertvoll und ich bin ihnen auch sehr dankbar. Ich wüsste nicht wie es wäre Mutter zu sein, hätte ich nicht dieses Kind. Mag sein, dass ich mich von Grund auf verändert habe, aber das konnte ich  nur mit und durch meinen Sohn, und ich möchte keine dieser Veränderungen jemals missen. Ich bin dankbar dafür, spüre mich besser als vor Jahren, und bin soviel klarer durch mein Kind geworden.

Egal was du geschafft hast, GRATULIERE  dir selber, und DANKE dir selber 🙂 !

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Welcome to the jungle, es leben die Trotzphasen!

Posted in Mamis B[A]Dtime stories, Pädagogik im Praxistest
on 7. Januar 2017

Mein Nachwuchs ist im Dezember zwei geworden. Hip Hip Hurra, zur Zeit kann man ihm förmlich zuschauen, beim Lernen und Entdecken der Welt :)! Aber die Menschen sind manchmal Miesepeter. Bereits vor seinem Geburtstag habe ich von allen möglichen Seiten prophezeit bekommen, dass jetzt mal Zeit für die Trotzphasen wäre. Der Spross hatte immer schon was von einem buddhistischen Baby, aber auch Buddha war mal klein;). Und nun, in der Vorweihnachtszeit, am Zenit der Vorfreude auf Weihnachten hatten wir ihn dann. Unseren „ersten“ Trotzanfall.

Ich weiß noch, es war nach dem Wochenende in Loipersdorf, wir hatten ein schönes Erholungswochende in Unterlamm hinter uns (Bericht findet ihr hier im Blog). Eigentlich hätten wir alle erholt sein müssen. Aber irgendwie war das doch alles viel, die andere Umgebung, anders spielen als sonst, Therme, nicht zu Hause schlafen, und am Schluss noch ein aufregender Christkindlmarkt. Im Nachhinein wundere ich mich gar nicht, dass der Kleine die Reißleine gezogen hat. Als wir dann abends endlich zuhause angekommen waren, und dachten, jetzt würden wir gemütlich unser Abendritual beginnen, fing es an. Nichts konnte man ihm recht machen, weder spielen, noch essen, noch ausruhen, nicht einmal die so geliebte Biene Maja konnte ihn zufrieden stellen. Er war in einem Dilemma zwischen Nähe und Distanz, überfordert und müde. Also begann die längste halbe Stunde meines Lebens (seitdem er damals die Koliken hatte). Ich weiß, ich war total in meiner mütterlichen Hilflosigkeit gefangen. Er konnte nicht mehr benennen was er wollte, er sprang von „Mami, weg“ auf „Mami, da“, weder Mutter noch Kind wussten wirklich was los ist. Sein Vater war ungefähr gleichermaßen hilflos wie ich, vielleicht mit dem kleinen Unterschied, dass Männer halt gerne Situationen lösen, was in dem Moment einfach nicht möglich war. Man muss es annehmen, wie es ist. Ja das Kind schreit, ja es tobt, und wir wissen nicht warum. Es ist ihm etwas zuviel. Das ist klar.  Aber was dagegen gemacht werden kann, ist eher unklar. Also entschied ich mich für eine passiv aktive Mutterrolle. Ich war da, in der Nähe, hielt ihn um ihn zu beruhigen, aber nur wenn er nicht „mami weg“ schrie. Wenn „Mami weg“ dran war, gab ich ihm den Raum um sich auszutoben, achtete aber darauf, dass er sich nicht irgendwo wehtat. Was ich auf keinen Fall wollte, war, ihn in ein Zimmer abschieben, damit er sich alleine „ausspinnen“ kann. Klar, das ist auch eine gängige Methode, aber keine die ich anwenden kann. Denn ich habe in dem Moment gespürt, dass er sich noch allein gelassener fühlen würde, wenn wir ihn einfach ins Bett stecken.

Theoretisch wusste ich warum das passiert. Er wird älter, er erfasst sich selber als ein eigenständiges Wesen, das heißt unter anderem, er merkt er kann entscheiden. Er trianguliert, entwickelt eine Wahrnehmung beim Thema „böse Mutter-gute Mutter“, beginnt im Zuge dessen zu unterscheiden, was für Gefühle er hat, lernt dass er auch andere Ansprechpersonen als die Mutter hat, Vater, Opa, Oma, Tante, Onkel und so weiter. Er will in diesem Alter manchmal mehr als er kann, und wenn es nicht so geht wie er will, ärgert ihn das. Gefühle sind nicht zuordenbar, und müssen erst Stück für Stück erlernt und zugeordnet werden. Er verarbeitet das tägliche Ausmaß an Reizen im Nachhinhein, und wenn es vielleicht zuviel war, muss er diese Spannung, diesen Überdruck, erst mal ablassen/rausschreien.

 

All das wusste ich, in der Theorie, und trotzdem, als Mutter fühlte ich mich hilflos, wollte ihn gern unterstützen, ihm helfen. Erst als ich aufgehörte, etwas tun zu wollen, etwas für ihn lösen zu wollen, hatte er den Raum seinen Konflikt selber in sich abzuarbeiten und nach geraumer Zeit ebbte der Wutanfall auch ab. Danach war er wieder das liebste Kind auf Erden, spielte noch ein wenig mit seinen Autos und ging bald schlafen.

Und ich beendete den Tag mit der Erkenntnis, dass auch ein kleiner Buddha auch mal einen Tobsuchtsanfall braucht.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Der tägliche Kampf um die Zähne. Und die besten Zahnputzfeetricks!

Posted in Mamis B[A]Dtime stories, Pädagogik im Praxistest
on 4. Dezember 2016

Mein Nachwuchs ist bald zwei. Hat zwei schöne Reihen blitzender weißer Zähne und liebt Süßes. Also bleibt es nicht aus, dass wir regelmäßig Zähneputzen. Seit einigen Monaten ist es aber ein Kampf. Anfangs ließ er mich putzen, aber mit zunehmendem Körpergefühl und dem Wissen, dass er selber entscheiden kann was er möchte, wurde es schwieriger. Jetzt haben wir einen Punkt erreicht, an dem es fast unmöglich war, ihm die Zähne zu putzen. Er wand sich aus jeder Position, wurde nicht müde sich wegzudrehen und verschloss seinen Mund niet und nagelfest. Das einzige was er noch zuließ, war dass er selber auf der Zahnbürste rumkaute, aber das ist ja kein Putzen in klassischen Sinn.

Ich habe alles probiert.
Obgleich ich skeptisch war, durfte er sich einen Zahnputzclip ansehen.
Der wurde ihm fad, dann durfte er sein Lieblingslied ansehen.
Dann registrierte er, dass ich ihm heimtückisch die Zähne währenddessen putzte, und er verschloss den Mund fest und schaute einfach so das Video an.
Das mit dem Festhalten ging dann auch nicht. Erstens weil ich es nicht mag. Ich mag mein Kind nicht mit körperlicher Überlegenheit zwingen, und zweitens weil es schlicht und einfach nicht geht, wenn du alleine mit deinem Kind im Badezimmer einen Kampf der Titanen kämpfst. Da hast du die Wahl, hältst du die Zahnbürste, fixierst du das Kind, den Kopf? Wie auch immer, es geht nicht.
Gegenseitig putzen war auch dabei, allerdings hat er da nach dreimal beschlossen dass er das langweilig findet, und lieber mit dem Auto spielt als Zähne putzt.
Ich habe Geschichten erzählt, Lieder gesungen, alles ohne Erfolg. Manchmal habe ich das Gefühl er schaut mich an, und denkt sich ‚was führt die Alte da bloß auf‘?

Nun hab ich mich in einem Eltern und einem Bloggerforum umgehört und bin sehr dankbar für die wertvollen Tipps die ich da bekommen habe. Erstens merkt man, das ist ein Dauerbrenner bei den Heranwachsenden, und zweitens sind da wirklich einige Sachen dabei die helfen können. Ich mach euch mal eine Best-of-Liste, und sage an der Stelle nochmal danke an alle, die mir mit ihrem Rat beigestanden sind. Wir setzen schon einiges auf der Liste um, im Moment kommt der „zahnputzdrache“, eine Handpuppe, nur raus wenn wir Zähneputzen, damit komm ich einmal oben und unten rum.

Hier die Best-of-zahnputzfeetricks:

  • Zahnbürste – Zahnpasta. Eine besondere Zahnbürste gemeinsam aussuchen. Diese dann nur fürs Zähneputzen nehmen, und sonst ist sie nicht verfügbar. Gegebenenfalls mit der elektrischen nachbürsten (wenn sie es von den Eltern kennen). Allerdings habe ich da von OralB gehört, dass es erst ab 3 Jahren empfohlen wird.
  • Rolemodel – ein Vorbild sein. Die Kinder sollten auch sehen, wenn wir putzen.
  • Video – ein Zahnputzvideo ansehen, oder ein Lieblingslied, dass es nur exklusiv beim bürsten gibt.
  • Belohnungssystem. Ein Belohnungssystem schaffen, pro Zähneputzen einen Punkt auf einer Liste, bei voller Liste kommt die Belohnung.
  • Intervalle. Manchmal gehen wir dreimal am Tag Zähneputzen, auch wenn er nur die Bürste selber in den Mund steckt. Aber er beißt darauf rum und ein bissl Reinigung ist das dann auch.
  • Wasser. Zwischendurch besser Wasser als zuckerhältiges trinken. Das spült auch immer wieder mal durch und ist sowieso gesünder.
  • Kommunikation. Erklären, warum Zähneputzen, was machen wir damit (die bösen Kariesteufelchen weg). Spielerisch das Essen „wegbürsten“, sich auf das beziehen was man gegessen hat, und dass man das jetzt wegbürstet.
  • Spielen. Überhaupt alles spielerisch angehen, egal ob Handpuppe, Kariesteufeln putzen oder Elektrozahnbürste. Jetzt ist die Zeit, alles von einer Kasperlseite zu nehmen.
  • Kuscheltiere. Die Kuscheltieren können als Rolemodel dienen, denen die Kinder auch Zähneputzen. So kommen sie in die Rolle des Erwachsenen und können auch etwas entscheiden, bzw an ihrem Kuscheltier ausüben.
  • Handpuppen/Fingerpuppen. Handpuppen machen Kindern Spaß, der ausführende Mensch dahinter verschwindet, die Handpuppe wird zur realen Figur. Vielleicht findet ihr eine Handpuppe die perfekt beim Zähneputzen mithilft. (Bei uns ist es gerade das Krokodil)
  • Zahnputzlied. Dein Kind singt gerne, dann könnt ihr ein Zahnputzlied kreieren, dass super im Kampf gegen die Kariesteufelchen wirkt.
  • Kreativität. Sei kreativ, erfinde ein Spiel bei dem du spielerisch an die zähne rankommst.
  • Sanduhr. Eine Sanduhr hilft deinem Kind die Zeit einzuschätzen.
  • Durchatmen. Ich habe gemerkt, dass mein Stress eins zu eins vom Nachwuchs übernommen wird. Und daher, jede Menge Leichtigkeit und Durchatmen in den Zahnputzprozess integrieren. Wir haben es ja alle irgendwann mal gelernt.

20161204_111547Nachdem ich all diese Tipps von diesen hilfreichen Müttern gelesen habe, habe ich wieder Hoffnung geschöpft. Ich hab mich dran erinnert, dass wir als Mütter das Leben häufig von der spielerischen Seite nehmen sollten, und uns nicht mit Zwang und Druck zu unseren Zielen verhelfen sollten. Es gibt so vielfältige Gründe, warum unsere Kids manche Sachen verweigern. Und genauso vielfältig sind unsere Mittel und Wege sie davon zu überzeugen, dass es auch anders geht. Ich versuche gerade einen Handpuppenalligator mit ins Spiel zu bekommen, und es geht gerade ganz gut. Dieses Krokodil kommt auch nur zum Zähneputzen und auch nur wenn Mama bei ihm  Zähne putzen darf. Nach drei Tage fragt er zwar nach dem Alligator, aber leider überzeugt es ihn immer noch nicht ganz von ihm die Zähne geputzt zu bekommen. Aber wir haben immerhin einen ersten positiven Einstieg in das Thema geschafft.

Die ganze Zahnputzstory ist mir aber jetzt schon eine gute Lehre. Manchmal nehme ich als Mama das Leben zu ernst, vergesse zu spielen, über all den Verantwortungen die ich habe. Zähne putzen ist vielleicht nur eine Kleinigkeit, aber es ist eine Möglichkeit albern zu sein. Die Stimme zu verstellen und mit Handpuppen zu spielen. Frei nach Mary Poppins “ Ein bisschen Zucker die Medizin versüsst …“ , das Leben braucht eine anständige Portion Humor.

 

 

Copyright, Katharina Gindra-Vady, Dezember 2016

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Warum eine Kinderkrippe eine gute Sache für mein Kind ist, und wie der Einstieg gut funktioniert.

Posted in Mamis B[A]Dtime stories, Pädagogik im Praxistest
on 20. November 2016

Kürzlich konnte ich online einen Artikel lesen, dessen Subtext relativ bald klar war (bei Anfrage kann ich ihn gerne in den Kommentaren anführen). Zwar meinte die Autorin ein Kind in die Krippe zu geben, sei eine individuelle Entscheidung, aber gleichermaßen schürte sie mit ihrem Text in mir als Mutter alle schon bestehenden Ängste, dass ich meinem Kind nachhaltig schaden würde, wenn er jetzt zu früh in der Krippe ist.

Nur zum Verständnis, ich bin Mutter eines bald zweijährigen Buben. Er ist mein einziges Kind, ich genieße jedes Up and Down mit ihm, denn ich weiß, dass diese Zeiten einzigartig sind, und dass ich möglicherweise in meinem Leben nur dieses eine Kind haben werde (ich bin eine quasi „späte“ Mutter mit meinen 38).
Ich werde arbeiten gehen, weil arbeiten nicht nur Geld bringt, sondern auch Freude macht, und habe ihn in diesem Jahr in die Kinderkrippe gegeben.
Zwar bin ich jetzt noch in einer Bildungskarenz, aber spätestens im Jänner ist dann das mit dem Arbeiten Fakt.
Weiters bin ich selber Pädagogin und hinterfrage mein Handeln nicht nur in Hinsicht meines persönlichen Erlebens, als auch in Bezug auf mein professionelles Wissen.
Daher fand ich den Artikel schon ziemlich einseitig. Er schildert ausschließlich die möglichen Nachteile eines Krippenbesuchs, gibt aber keine Hilfestellung für einen guten Einstieg, noch geht er auf Vorteile ein. Außerdem gibt es Länder die bei der Frühbetreuung von Kindern  ganz wundervoll positive Beispiele geben. Beispielsweise in Schweden, das jetzt meines Wissens keine bindungsgestörten Einsiedler vorbringt, sondern ganz vorne mitspielt, auf hohem pädagogischen Niveau.
Daher ist eine gelungene Krippenbetreuung auch eine tolle Chance für Eltern und Kind, un ich möchte euch anhand meines persönlichen Beispiels mit meinem Sohn, von den gelebten Vorteilen einer Krippenbetreuung erzählen. Und abschließen wird mein Beitrag mit Tipps, die ich selber oder durch andere mitbekommen habe, die hilfreich sein können bei der Eingewöhnung. Also hier zu den Vorteilen:

  • Mein Sohn hat nun, nach seiner Eingewöhnungsphase, enorme Entwicklungsschritte gemacht. Er hat, nachdem er ausreichend beobachtet hat, seinen Platz in der Gruppe gefunden. Seine Vertraute bei den Pädagoginnen. Er geht gerne in die Kinderkrippe, aber gerne auch nach Hause.
  • Er bringt die Lieder und Spiele mit nach Hause. Er fordert teilweise Singspiele ein die er aus der Krippe kennt, und zeigt mir sehr klar seine Bedürfnisse.
  • Sein Wesen kristallisiert sich nun viel stärker heraus. Er nimmt sich durch die Tatsache, dass er andere Kinder täglich wahrnimmt, stärker als eigenes Wesen wahr. Und drückt das natürlich aus.
  • Durch den achtsamen Umgang in der Krippe (der sich mit unserem ergänzt) hat er einen enormen Schub in Richtung Kommunikation gemacht. Er bespricht alles und erklärt alles.
  • Logischerweise hat er sich auch Trotz und Wut in der Krippe abgeschaut (aber ehrlich gesagt stand die sowieso am Entwicklungskalender). Außerdem sollten sie alle Gefühle erleben dürfen, nicht nur die „guten“.
  • Er nimmt teilweise Rituale aus der Krippe mit nach Hause und fordert deren Umsetzung.
  • Des weiteren interessiert er sich sehr dafür, wie das mit dem „sauber werden“ funktioniert, weil er teilweise bei den anderen sieht wie das funktioniert, mit den Topferl.
  • Er hat kein Problem mit seiner „Affektkontrolle“. Zwar gingen die Emotionen hoch als er in der Eingewöhnungsphase war, aber durch das Erklären warum jemand weint, und das für ihn da sein (entweder durch mich als begleitende Mama, oder eine informierte Pädagogin) konnte er die Emotionen der anderen gut verstehen und sortieren.
  • Seine Bindungsfähigkeit leidet meiner Meinung nach nicht, er weiß wer seine Bezugspersonen sind, er checkt diese ab wie weit und ob er ihnen vertrauen kann. Seine Bindung zu mir oder seinem Vater, bzw vertrauten Personen ist aufrecht und ungebrochen.
  • Er darf und kann seine Gefühle weiterhin ausdrücken, der erweiterte Radius den er durch Krippeninstitution und Krippenkinder bekommen hat, ermöglicht ihm zu lernen, dass es auch andere Kinder gibt, und inwiefern auch diese ihre Gefühle haben und leben.
  • Er findet Freunde, Verbündete außerhalb unseres Familiensystems und das ist der erste Schritt sich selber als Teil eines sozialen Gefüges innerhalb unserer Gesellschaft wahrzunehmen. Er lernt, dass er so wie er ist, nicht nur von uns akzeptiert wird, sondern auch von anderen Teilnehmern dieser Gesellschaft.

Es war nicht leicht, in mir diese Prozesse zuzulassen. Zusätzlich zu den gesellschaftlichen Themen, komme ich aus einer sehr traditionellen Familie, bei der das Mutterbild eine unangefochtene Instanz ist, und ein zeitiger Kindergartenbesuch nie ein Thema war. Ein Kindergarten und Krippe sind nur aus wirtschaftlicher Sicht begründbar, eine Mutter jedoch unersetzbar und ähnlich wie in dem Artikel eine unabkömmliche Instanz.
Dazu sei gesagt, ich weiß, dass ich als Mutter für mein Kind unersetzbar bin, so wie mein Kind für mich. Trotzdem darf ich ihn auch mal ein paar Stunden von anderen Menschen beaufsichtigen lassen, denen ich vertrauen, und deren Umgebung und Qualifikation ich gecheckt habe.In Summe kann ich sagen es waren intensive zweieinhalb Monate für uns, und es hat gedauert bis mein Kleiner angekommen ist in der Krippe.Zwischendurch dachte ich ja wir wären soweit, aber dann gabs eben noch einen Durchlauf. Wie wir zu diesem Punkt gelangt sind, Tipps zur Eingewöhnung:

  • Wir haben zwei Monate gebraucht um an diesen Punkt zu kommen. Ich bin nahezu jeden Tag einige Stunden mit ihm dagewesen, und manchmal nur für eine halbe Stunde gegangen. Aber die halbe Stunde hat schon gereicht, um ihm zu zeigen, dass ich zurückkomme.
  • Ich habe viel mit ihm über seinen Krippenbesuch gesprochen. Ihm viele Male erklärt, dass ich auch zurück komme. Und bin auch wieder zurück gekommen.
  • Die Zeit die wir sonst miteinander verbrachten, war von Qualität geprägt, nicht Quantität. Es war egal, ob die Küche nun zusammen geräumt war oder nicht, wenn er Kuscheleinheiten brauchte, dann bekam er sie.
  • Bis jetzt haben wir nur die Vormittage genutzt, aber jetzt wo er eine vertraute Pädagogin gefunden hat, wird es auch kein Thema mehr sein, ihn zwei- dreimal über die Mittagszeit drinnen zu lassen.
  • Ich habe ihn seine Vertrauensperson selber finden lassen. Hab ihm nicht jemand in die Hand gedrückt und bin gegangen.
  • Er hatte immer ein „Übergangsobjekt“ mit dabei, ein Kuscheltier, in seinem Fall ein Hase, war sozusagen der Verbündete aus der Heimat, an dem er sich jederzeit festhalten konnte.
  • Am schwierigsten war die Zeit nach etwa sechs Wochen, er war ständig verkühlt, und nachdem er Fieber hatte, war er einige Tage zu Hause. Nach dieser Phase gab eine eine Eingewöhnung reloaded, wo ich wieder mehr Zeit in der Krippe in meiner begleitenden Funktion verbrachte. Aber das war notwendig, damit er jetzt das Vertrauen manifestieren konnte, dass ich 1) wieder zurück komme und 2) die Pädagoginnen in der Krippe ihn auch unterstützen.
  • Es ist auch besonders wichtig mit den Pädagoginnen zu sprechen, und ihnen individuelle Informationen zu geben. Sie können noch so gut sein, wenn wir als Mütter ihnen nicht über die Eigenheiten unserer Kinder berichten, dann können sie nicht wissen was sie brauchen, und müssen es erst selber herausfinden. So hatte ich zum Beispiel die Hauptverantwortliche Pädagogin darüber informiert, dass mein Sohn teilweise sehr empathische Züge aufweist, wenn andere Kinder weinen, und deren Gefühle spiegelt. Dass sie mit ihm darüber sprechen, was da gerade für Gefühle aktiv sind, und erklären was passiert.
  • Darauf achten, dass in der Kinderkrippe ein guter Betreuungsschlüssel gelebt wird. Zustände wie in Kindergärten, bis zu 25 Kinder und grade mal zwei Pädagogen, sind in Krippen nicht der Fall. Da gibt es für eine Ganztagsgruppe von 12 Kindern drei PädagogInnen, die sich ständig um die Kinder kümmern. Sprecht mit den Pädagoginnen, da spürt ihr sofort ob das stimmig ist, mit der Krippe oder nicht.
  • Und vor allem – wenn ihr die Möglichkeit habt – nehmt euch Zeit. Die Eingewöhnung geht nicht von heute auf morgen, eure Kinder dürfen im Optimalfall Tag für Tag lernen, dass eine Krippe ein neuer toller Ort ist, an dem sie Dinge lernen die ihnen Mami nicht beibringen kann.

Und nun, nach langen inneren Kämpfen, sehe ich dass es ihm gut tut. Er hat Freunde gefunden, und lernt Dinge die ich ihm so nicht beibringen kann.
Und im selben Zug habe ich gelernt, dass uns einfach keiner unsere Verbindung schlecht reden kann. Ich liebe mein Kind mehr als ich jemals dachte, dass Liebe auf Erden möglich ist, und das kann auch keine Krippe oder Gesellschaft schlecht reden.
Er ist das größte Geschenk für uns als Eltern, und ich bin so dankbar für all die Erfahrungen die wir durch den anderen machen werden und gemacht haben.
Und wenn es auch nur mal die Erfahrung ist, dass meine Liebe ausreicht und auch einem Krippenbesuch standhalten kann.

 

© katharina gindra-vady, November 2016
Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, dann klicke doch auf ein „Gefällt mir“ bei Facebook, so kann ich dich optimal über alle News aus meinem Universum am Laufenden halten. https://www.facebook.com/birdiesworld.at/

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Entwicklungssprünge – Theorie und Praxis

Posted in Mamis B[A]Dtime stories, Pädagogik im Praxistest
on 2. November 2016

Mein Sohn war immer ein ausgeglichenes Kind. Ich bin eine von den Müttern, deren Kind kaum Dreimonatskoliken oder ähnliches hatte. Dafür hatten wir allerdings in seinem ersten Lebensjahr sehr viel andersartige Veränderungen zu meistern. Temporäre Umzüge, Trennung, richtiger Umzug, Neubeginn in anderem Bundesland, es waren schwierige Zeiten, emotional und physisch, für uns beide. Er hatte mit seiner Neurodermitis zu kämpfen, ich ab letztem Herbst mit einer Schilddrüsenerkrankung (auf beides gehe ich in gesonderten Blogposts genauer ein). Das Leben hat uns also ordentlich auf Trab gehalten.

Nun ist quasi Ruhe eingekehrt. Seine Neurodermitis ist gut im Griff, das Verhältnis zu seinem Papa sehr gut, und unsere neue Wohnung endlich unser Zuhause. Menschen die wir als unsere Freunde sehen können. Es geht uns gut.
Und nun, nach der Krippeneingewöhnung, nachdem alles geschafft ist, merke ich wirklich bewusst, was es bedeutet einen Entwicklungsschritt zu erleben und zuzulassen.

Theoretisch weiß ich das ja alles. Alles schon gelesen, gelernt, mit der Muttermilch aufgesogen. Unsere Kinder haben ab einem bestimmten Alter, meist ab zwei, immer wieder mal Wut und Trotzphasen. Vor allem wenn sie sich kognitiv entwickeln, aber der Körper nicht so mit will wie sie. Auch wenn sie ihre Selbstständigkeit entdecken, können sie dieses neue Empfinden mit sehr widersprüchlichen Gefühlsausbrüchen vertreten. Sie wüten, toben und schreien. Sie wollen mit aller Kraft durchsetzen, was sie für diesen Moment als (über)lebensnotwendig erachten. Es ist eine normale Entwicklung, die eigentlich nur zeigt, dass das Kind seine Persönlichkeit entdeckt, und diese auch vertritt, und manchmal auch auslotet wie weit das nun geht.

Foto Pixabay.com

Foto Pixabay.com

Es ist eine Sache dies theoretisch zu wissen, aber eine ganz andere, das als Mutter zu erleben. Nachdem mein Kleiner gute fünf Wochen mit diversen Verkühlungen krank war, ist er sehr unausgeglichen. Zudem macht er auch einen klassischen Entwicklungsschritt durch, bei dem er zum ersten Mal seine Selbstständigkeit wahrnimmt, und auch dass er quasi getrennt von mir existiert. Mit seiner zunehmenden Mobilität (er erklimmt jedes Hindernis dass ihm im Weg ist) und sich entwickelnder Sprache (sein Sprachwortschatz erweitert sich täglich), merkt er auch, dass er seine Entscheidungen selber beeinflussen kann. Das stellt uns tagtäglich vor das wiederkehrende Problem, dass er zumeist das Gegenteil von dem will, was ich als seine Mutter für ihn möchte.  Im selben Zuge seiner aufkeimenden Selbstständigkeit wird auch der Hang zu mir wieder stärker. Denn er merkt selber, dass er mit zunehmender Entscheidungsfreiheit auch die Mama immer mehr loslässt. Also sind wir in einem ständigen Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz. Teilweise funktioniert beispielsweise das Niederlegen nicht mehr. Er turnt wie ein Wilder am Bett, und kann gar nicht zur Ruhe kommen (Es gibt übrigens Bachblüten Globuli, die helfen ein bisschen beim wieder runterkommen). Wenn allerdings sein Vater ihn niederlegt, der glücklicherweise jetzt sehr häufig bei uns ist, dann kann er mit ihm auch eine halbe Stunde Buch lesen und dabei einschlafen. Wieder so ein klassisches Entwicklungsthema, Kinder triangulieren (so heißt es so schön theoretisch in der Fachsprache). Im Alltag geht es dann häufig genau um solche Kleinigkeiten. Manchmal geht etwas mit dem einen Elternteil einfach nicht, da ist es kein Drama auf das andere Elternteil zurückzugreifen. So merken die Kinder, dass sie nicht nur von einer Person alleine abhängig sind, sondern auch eine zweite Person ihnen Unterstützung bieten kann.

so kann ich zusammenfassend folgendes bestätigen,

  • wenn unsere Kinder besonders grantig und schwierig sind, dann machen sie meist einen Entwicklungsschritt.
  • Häufig gerade dann wenn sie krank sind, nehmen sie sich die Zeit auch noch andere Gebiete zu entwickeln.
  • Sie brauchen beide Elternteile, und egal wie die Familienkonstellation ist (zusammen, getrennt, alleinerziehend mit Kind etc), man muss dafür Sorge tragen dass die Kinder Vertrauen zu beiden Elternteilen fassen können. (Wenn es von Vorteil für das Kind ist) Wenn der andere Elternteil einfach gar nicht zur Verfügung steht, findet am Besten eine Vertrauensperson des entsprechenden Geschlechts bei dem das Kind diese Rolle zuordnen kann.
  • Ja, wir sind ihre Eltern, und das bedeutet wir müssen ihnen auch manchmal Grenzen setzen, ein zweijähriges kann einfach nicht wissen ob Zucker gesund ist oder nicht, oder wieviel es fernsehen kann, oder, oder, oder. Grenzen kann man übrigens auch liebevoll, aber immer noch konsequent setzen. Klingt super in der Theorie, ist mörderanstrengend in der Praxis.
  • Und – das wichtigste von allem – wir sind alle nur Menschen, und es ist vollkommen egal was ich je gelernt oder studiert habe. Ich bin Mama so wie alle anderen Mütter der Welt. Wenn ich Hilfe brauche, muss ich mir die holen. Kein Buch der Welt wird mir je das Gefühl erklären dass ich habe wenn ich mich hilflos fühle. Und ja – es ist normal sich hilflos zu fühlen. Und – seid getröstet – es geht vorbei, vergesst nie das Mantra „es ist nur eine Phase“, denn was auch immer es für eine ist, sie geht vorbei und irgendwann ist sie nur mehr eine Anekdote die ihr eurem Kind erzählt wenn es älter ist. Glaubt an euch und eure Intuition als Mütter, und wenn euch die Luft ausgeht, holt euch Hilfe!!! Es braucht ein Dorf um ein Kind zu erziehen, und das nicht ohne Grund. Niemand kann das alleine, und das sollte auch niemand von sich oder anderen verlangen.
Foto pixabay.com

Foto pixabay.com

Und um euch ein wenig zu trösten, ich habe die Notizen zu diesem Post vor etwa einer Woche geschrieben, und jetzt wo ich sie tippe, merke ich, dass mein Spross seinen Sprung langsam schafft. Zwar ist er immer noch anhänglich und häufig widersprüchlich, aber ich merke tagtäglich, dass er langsam das Gelernte integriert, und wieder ausgeglichener wird. Ich möchte euch damit einfach nur sagen, „es ist nur eine Phase“, und die geht IMMER vorbei.

 

 

 

 

(wers ganz genau wissen will, als Buchtipp: Babyjahre, Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren, Remo H. Largo, ist sehr ausführlich und informativ)

 

© katharina gindra-vady, oktober 2016
Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, dann klicke doch auf ein „Gefällt mir“ bei Facebook, so kann ich dich optimal über alle News aus meinem Universum am Laufenden halten. https://www.facebook.com/birdiesworld.at/

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Biene Maja hat ADHS ?!

Posted in Mamis B[A]Dtime stories, Pädagogik im Praxistest
on 19. Oktober 2016

Zwei Ereignisstränge laufen sich bei uns gerade über den Weg. Zum einen schaut mein Sohn liebend gern Biene Maja, und zum anderen sehe ich häufiger Dokus oder Berichte über ADHS.
Da ich mit meinem Kind die Biene mit ansehe (Medienkompetenz trainiert man auch indem man die Inhalte der Sendungen überprüft, die die Kinder sehen) fiel mir auf, dass in der heutigen Gesellschaft die lustige und quirlige Biene als ADHS Kind eingestuft würde, und je nach Familienstatus die Eltern schnell mal zur Pille gegriffen werden würden.

Aber sehen wir uns meine Behauptung einmal näher an.
Biene Maja ist die Biene im Stock, die aus der Reihe tanzt. Sie formt Blüten aus Wachs, wenn sie Waben formen sollte. Sie bringt die Reihe der Bienenträger durcheinander, reißt kleine Leuchtblumen einfach aus, und tanzt wild im Bienenstock. Sie will lieber in einer Blüte schlafen, anstatt im Bienenstock. Sie fühlt sich als Teil der Bienengesellschaft, will aber als individuelle Biene ihr Leben selber gestalten. (Wer sich gerne selber davon überzeigen will, auf youtube Folge 1 der neu bearbeiteten Folgen ansehen).
Das interessante ist nun, dass wir diese Biene als Heldin für unsere Kindergeschichten erkoren haben. Warum? Denn sie ist selbstbewusst, lebensfroh und steht zu ihrer Individualität. Wie alle KinderheldInnen, die wir unseren Kindern in Film und Literatur so zeigen.
Warum dürfen also die HeldInnen in Film und Literatur ungezähmte, starke, wilde Wesen sein (Pippi Langstrumpf, Nils Holgerson, Heidi, Biene Maja, Ronja Räubertochter, Momo usw) aber unsere Kinder nicht?

Ich kritisiere da ganz offen unser (pädagogisches) System. Denn sobald ein Pädagoge, oder Psychologe, aber auf jeden Fall ein Profi, zu einem Elternteil hingeht, und sagt „ihr Kind stört“ wird niemand mehr nach der individuellen Aussage dieser Persönlichkeit suchen. Es wird versucht das Kind „anzupassen“. Im besten Fall zuerst mit Training, Lehre und so weiter. Wenn sich das Ganze aber nicht bessert, wird nach einer Erklärung gesucht. Und was würde besser passen als „ihr Kind ist krank“. Was für ein Stein muss dann den Eltern von der Brust fallen, wenn ein Profi sagt – dann sollte es ja stimmen. Und genau da liegt schon wieder der Hase im Pfeffer. Weil das keine Grippe ist, die mit einem Aspirin wieder gut ist.  Aber damit das Kind wieder „funktioniert“, wird aus Rücksicht auf unsere Gesellschaft, auf das soziale System in dem wir leben, die Familie sich beugen. Wird brav Medikamente einnehmen. Wird eine nach wie vor unklare „Krankheit“ annehmen, wie andere eine Haarfarbe.

Wie wichtig ist dabei die Ursache? Gemäß dem ZDF Film „was ist los mit unseren Kindern“ liegen, laut dem Jugendpsychotherapeut Dr. Hans Hopf, soziale Störungen häufig zugrunde (Filmtipp1*). ADHS kann auch auf schwierige Familienverhältnisse zurück geführt werden, auch das Zusammenspiel zwischen Kind und Eltern funktioniert vielleicht nicht richtig (Filmtipp2**). Laut Dr. Schultz, entstehen Anpassungsstörungen bei Kindern die mit den Anforderungen ihrer Umgebung nicht zurecht kommen. (Filmtipp2**).

Und diese Dokumentationen bringen mich wieder zurück zur Biene Maja. Hat irgendjemand von ihr verlangt, sie solle nun im Bienenstock Waben bauen? Ihren Nektar abliefern? Biene Maja durfte ihre Welt auf ihre Art und Weise entdecken, sie durfte lernen was die anderen lernten, aber mit ihrer ganz persönlichen Note. Diese Biene ist keine kranke Biene, durch ihre Besonderheit verbindet sie sogar die Bewohner der Wiese.

Und das bringt mich zu unseren Kindern. Wer das Gefühl hat, da könnte er oder sie eine Biene Maja zuhause haben, der hat da eine/n ganz besondere/n Helden/Heldin. Denn da ist ein Kind das kompromisslos das Leben lebt. Das ehrlich ist, und manchmal viel zu laut (oder sportlich) für die erschöpften Erwachsenen. Und dieses Kind will genauso wie alle Teil unserer bunten Menschenwiese sein. Als Eltern können wir es unterstützen. Wir können ihm Hilfe durch Profis, Therapeuten, Pädagogen, Mediziner. anbieten. Die Pharmaindustrie gibt bloß eine Pille, das Leben meistern kann man nur selber, bzw mit professioneller Unterstützung. Wir können unseren Kindern lehren mit Gefühlen umzugehen, Präventionsprogramme bereits im Kindergarten ins Leben rufen. Neurofeedback, Verhaltenstherapie, so viele Möglichkeiten sind auch ohne Medikamente möglich.  Zum Beispiel mit dem Programm „Faustlos„, hier wird schon im frühen Kindergartenalter der Umgang mit Impulsen geübt.
Ich kann verstehen, dass man müde ist, erschöpft, wenn man ein „Zappelphillipp“ Kind zuhause hat, vielleicht sogar eines, dass seine Impulse nicht kontrollieren kann. Ich weiß aber, dass wir alle unsere Kinder lieben, und daher liegt es in unserer Verantwortung ihnen das Beste für ihr Leben mitzugeben, dass uns möglich ist.

Ich muss gestehen, bei der Recherche zu diesem Beitrag wurde mir ganz schwindlig. Ein ständiger Kampf zwischen Beweis und Vermutung, Genetik und Umfeld. Aber immer wurde von Krankheit gesprochen. Ich denke solange wir in unseren Köpfen noch an Krankheit glauben, solange wird die Aufmerksamkeitsstörung  weiterhin als Problem gelebt. Die traurige Wahrheit ist, Krankheit macht krank, Krankheit stigmatisiert zumeist. ADHS oder ADS Kinder sind einfach Kinder. Sie haben ihre Sorgen und Freuden wie alle anderen. Lassen wir ihnen ihre Kindheit, in der Wahrheit wie sie ihnen möglich ist, denn unsere Kinder sind wie ein Schulrucksack „Der Inhalt ist ähnlich, aber er ist nicht gleich“ (Filmtipp2**).

 

LINKS: http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videos/was-ist-los-mit-unseren-kindern-adhs-und-andere-diagnosen-100.html

http://www.schulpsychologie.at/gewaltpraevention/praeventionsprogramme/faustlos/
http://www.bvpraevention.de/cms/index.asp?inst=bvpg&snr=9116

 

 © katharina gindra-vady, oktober 2016

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, dann klicke doch auf ein "Gefällt mir" bei Facebook, so kann ich dich optimal über alle News aus meinem Universum am Laufenden halten. https://www.facebook.com/birdiesworld.at/

 

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail
/ /

Eingewöhnung in der Krippe

Posted in Mamis B[A]Dtime stories, Pädagogik im Praxistest
on 7. Oktober 2016

Mein Sohn ist jetzt seit genau einem Monat in der Kinderkrippe. Gleich am Anfang mussten wir eine Pause einlegen, weil er natürlich krank wurde. So nach dem Motto „willst du, dass dein Kind krank wird, steck es in den Kindergarten“. Aber irgendwie auch nachvollziehbar. Denn er hatte, bis auf seine Neurodermitis, keinerlei Probleme mit seiner Gesundheit, irgendwann muss das Immunsystem ja auch lernen mit den Viren umzugehen.

Kinderkrippe, Kindergarten, oder Schulbeginn, das sind alles ganz besondere Anfangszeiten für Mutter und Kind. Ich konnte bei mir selber, aber auch bei den anderen Müttern, beobachten, dass wir da ganz schön sentimental werden können, und auch ziemlich überempfindlich. Unsere Kinder sehen den Anfang meist gelassen. Für sie ist es einfach toll und aufregend. Die neue Gruppe, die neuen Regeln, das neue Spielen. Während wir also mit unseren Schnief-sentimental-Gedanken kämpfen, spielt unser Kind und findet die neue Krippe/Kindergarten/Schule ganz toll. In dieser Zeit ist es sogar für unsere Kinder leichter uns gehen zu lassen, weil einfach die Ablenkung noch so groß ist. Aber es kommt ein Zeitpunkt da kippt das Ganze. Die Mütter /Väter beginnen ihre neue Freiheit zu genießen, lassen das Kind gerne ein paar Stunden in der Betreuung. Und da merkt das Kind, dass es da nichts Neues mehr gibt, und dass die Eltern aber jeden Tag aufs Neue geht.

Dann ist sie da. Die Krise. Die Eltern sind überrascht, weil ihr Kind plötzlich nicht mehr alleine in der Krippe bleiben will. Für mich ist das irgendwie klar. Wenn wir das aus der Perspektive des Kindes überlegen, dann ist diese Phase vorprogrammiert. Das Kind nahm an, dass dies eine Spielgruppe wie viele ist, und die Eltern bald wieder da sind. Und dann spürt es die Regelmäßigkeit, es merkt, dass die Eltern immer gehen, vielleicht sogar länger wegbleiben.  Es ist auf sich selber angewiesen. Da helfen natürlich einfühlsame Pädagogen, aber aus der Sicht des Kindes ist es alleine. Es muss zu diesem Zeitpunkt lernen, dieses Gefühl auszuhalten und zu verarbeiten.
Wir als Eltern sind da sehr gefordert. An dem Punkt können und dürfen wir nicht zurückrudern. Es hat einen Grund, warum wir unser Kind in eine pädagogische Institution gegeben haben. Aber wir können bei dieser Phase unsere Kinder trotzdem gut begleiten. Jeder der sich mit seinem Kind beschäftigt, weiß was es braucht. Der eine sucht Nähe, der andere braucht Spiele oder Bewegung.
Darum,
beACHTE dein Kind.
Gib ihm das was es emotional braucht, in der Zeit wo du es siehst.
Erkläre ihm immer wieder, dass du wieder kommst,
akzeptiere und WERTschätze seine Gefühle.
Vielleicht findest du auch ein Kuscheltier, oder etwas von zuhause das du mitgibst, um ihm eine Art „Verbündeten“ mitzugeben.
Auch wenn es im Moment nicht gleich besser wird, dein Kind fühlt sich in seiner Gefühlswelt verstanden und akzeptiert, wenn du mit ihm die Situationen besprichst.
Das ist meine Perspektive als Pädagogin.

Als Mama kann ich nur sagen, mein Sohn ist dabei, in der Krippe anzukommen. Das merke ich daran, dass er mich gehen lassen kann, aber auch daran wie viel Kraft ihm das kostet. Er geht sofort, nachdem wir zuhause sind, schlafen und braucht unendlich viel Kuschel und Leseeinheiten. Ich geb ihm das gerne, und freue mich wenn er mir so klar zeigen kann, was er braucht. Kürzlich hab ich mit einer Pädagogin gesprochen, und die sagte mir „Schau, wenn du merkst, dein Kind kann am Freitag einfach nicht mehr, ist erschöpft und ausgelaugt, dann kannst du natürlich entscheiden, dass ihr nur eine vier Tage Woche macht.“ Und genau dass ist der Punkt. Wenn ich wählen kann, und die Bedürfnisse meines Kindes so erfüllen kann, dann werde ich das tun. Klar. Wenn ich schon eine fixe Arbeit habe, oder mir meine Zeit nicht einteilen kann, dann geht es nicht. Aber dann kommen wir wieder dahin zurück, dass ich die Zeit die ich dann habe, meinem Kind schenke. Ich sags euch ganz ehrlich, ob die Wohnung geputzt ist, oder der Kuchen selbst gebacken, ist in der Phase deines Lebens wirklich egal. Es ist eine Zeit, wo dein Kind dich braucht, und diese Zeiten werden weniger werden. Denn unser Leben entwickelt sich nun mal zu mehr Selbstständigkeit. Aber sie plumpsen nicht aus unserem Bauch und sind nach zwei Jahren schon selbstständige Wunderwuzzis. Sie brauchen unsere Hingabe, Zeit und Pflege, damit sie das Vertrauen in diese Welt aufbauen können. Das ist unsere Aufgabe als Eltern. Ihnen die Wurzeln zu geben, damit sie ihre Flügel selber entfalten können.

Foto pixabay.com

Foto pixabay.com

 

 

 

 

 

 

 © katharina gindra-vady, oktober 2016
Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, dann klicke doch auf ein "Gefällt mir" bei Facebook, so kann ich dich optimal über alle News aus meinem Universum am Laufenden halten. https://www.facebook.com/birdiesworld.at/

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Lasset die Spiele beginnen, ein Wort zum pädagogischen Zirkus und meine Mitwirkung darin.

Posted in Mamis B[A]Dtime stories, Pädagogik im Praxistest
on 11. September 2016
baby-sitter-1140873_1280

Foto, pixabay.com

Mein Kind kommt in die Krippe. Tolle Sache denk ich mir. Ist es auch. Aber obwohl – oder vielleicht, weil – ich es studiert habe, mach ich mir viele Gedanken vor diesem neuen Abschnitt.
Eine andere Mama hat den treffenden Satz dazu gefunden „Irgendwie ist die ganze Situation ein bissel schizophren“. Da stimm ich zu. Ich weiß meinem Kind wird die Zeit im Kindergarten/Krippe gut tun. Er wird Spaß haben, Freunde finden, sich in Gruppen behaupten, Kreatives lernen und neue Strukturen lernen. Aber die Hippie-braut in mir schreit. Was, jetzt willst du dein Kind schon dem rigorosen System unterwerfen? Was ist mit Freiheit, und Entfaltung, warum lässt du ihn nicht einfach selber wachsen und seine Flügel finden. Muss er sich jetzt schon einfügen in das System, essen wenn alle essen, schlafen wenn alle schlafen, spielen wenn alle spielen. Wo ist da die Freiheit, die Entdeckung des Lebens selbst?

child-1522870_1280

Foto, pixabay.com

paint-328676_1280

Foto, pixabay.com

Und ich verstehe die Hippie-braut in mir. Die hat Angst. Sie befürchtet ,dass dieses wundervolle Kind dass wir haben (ich weiß schon, wir haben alle wunderbare Kinder), vielleicht ein bornierter Bürohengst wird, nur weil es zu früh gelernt hat, dass Regeln das Leben schreiben. Aber ich kann meine  innere Hippie-braut beruhigen. Nur weil mein Kind in eine pädagogische Institution geht, muss es nicht automatisch einen Kasernenton lernen. Es kann auch einfach Spaß machen. Er kann auch Freude daran haben, Routinen, Gruppendynamiken, neue Welten zu erobern. Es wird ihm voraussichtlich auch Spaß machen, all die Spiele und Kreativität zu entdecken. Als Mutter kann ich ihm einfach vieles nicht bieten, was eine professionelle Betreuung kann. Aber ich kann ihm mit diesem Schritt zeigen, dass er beides haben kann, Freiheit und Regeln. Und das allerwichtigste bei dieser Lebensetappe, ich gebe ihm Liebe und Geborgenheit, und somit Sicherheit. Wenn ich also ruhig bin, und mit mir im Reinen, dann wird auch er für sich das Beste aus den Dingen holen.

Kinder lernen am Vorbild.  An meinem Vorbild als Mutter. An dem des Vaters. Aber auch an all den Umgebungen denen sie länger ausgesetzt sind. Mag sein, dass ich die Routinen in pädagogischen Institutionen lästig finde. Aber ich weiß auch, dass es ohne die nicht geht. Weder in der Profession als Pädagogin, noch in irgendeiner Gruppe. Das hat aber gar nichts damit zu tun, dass wir unsere Kinder schon heute an die Arbeitswelt von morgen gewöhnen müssen (ich muss innerlich sehr laut lachen bei der Argumentation).
Sondern weil eine Gruppe von Menschen, egal wie jung oder alt sie sind, Organisation erfordert. Weil alle Individuen, wenn sie auf einem Haufen sind, dazu tendieren laut zu schreien, damit man sie hört.
Und darum kann ich nur sagen, es wird ihm gut tun, dieser regelmäßige Krippenbesuch.
Weil es Sicherheit gibt, sich auf Rituale und Routinen im pädagogischen Alltag einzulassen.
Weil Kinder gerne lernen, und wir als Eltern ihnen auch die Flügel geben müssen. Es ist unsere Pflicht sie los zulassen und bei dem Prozess zu begleiten. Wenn sie herausfinden, was ihnen gut tut.
Und das werde ich jetzt tun. Ich habe fix vor mein Kind dabei zu unterstützen, ihm zu zeigen und vorzuleben, dass dies ein Teil unseres Lebens ist. Dass er da etwas lernen kann, dass ich ihm in dieser Form nicht beibringen kann, und dass neue Dinge lernen jede Menge Spaß machen kann.

Und meine inneren pädagogischen Dämonen muss ich schön selber anschauen, denn für mein Kind ist es nicht dienlich, wenn ich meine Systemkritik an ihm weiterführe. Ich bin auch ehrlich sehr dankbar für diesen Krippenplatz, wir haben da eine total feine Gruppe mit einem richtig guten Betreuungsschlüssel gefunden, und alle Pädagoginnen wirken nett, und sehr am Kind und seinen Entwicklungsstadien orientiert. Ich wäre nicht überrascht, wenn mein Sohn nach einer Woche schon an der Tür tschüss sagt, weil er mehr als bereit ist, sich auf diese „Krippensache“ einzulassen. Naja und dann, dann muss ich mal schauen, dass ich wieder mal auf mich konzentrieren darf. Das alleine ist schon einen eigenen Beitrag wert, denn all zu irritierend fand ich das Gefühl, dass ich nach fast zwei Jahren nun plötzlich mehrere Stunden ohne schlechtes Gewissen für meine Angelegenheiten aufwenden kann.

Und so ist die Krippe für uns beide riesig aufregend und ein neuer Lebensabschnitt im Mama-Kind-Leben.

 

 

© katharina gindra-vady, september 2016

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail