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Erziehungsfakten, Tipps u Tricks einer Pädagogin

Warum beißt, schlägt oder verletzt mein Kind mich oder andere?

Alle Eltern erleben es, in bestimmten Entwicklungsphasen agieren die Kinder ihre Emotionen über Gewalt aus. Was dann?

In der FamilybloggerInnenszene laufen gerade die Tippfinger heiß, eine Bloggerin hat einen Post mit dem provokativen Titel verfasst „Warum stört es dich, wenn dein Kind dich schlägt?“ (Miniandme, August 2017) und die Nächste hatte gleich ihre Antwort parat „Warum es mich stört, wenn mein Kind mich schlägt“ (einerschreitimmer, August 2017). Ich respektiere beide Autorinnen gleichermaßen in ihrer Arbeit, möchte aber zu diesem Thema meine Perspektive als Pädagogin einfließen lassen.

Kinder schlagen. Kinder beißen. Kinder schmeißen Dinge. Kinder trotzen. Das ist Fakt. Es ist kein Erziehungsfehler, es ist eine Tatsache. (Klein)kinder erleben sich als das Zentrum ihres Lebens, und wenn es nicht so geht wie sie es möchten, dann finden sie einen Weg sich zu behaupten. Sie lernen sich in einem sozialen Gefüge zu behaupten. Sie lernen wer ihr „Ich“ wirklich ist.
In manchen Fällen ist es aber keine Phase mehr. Dann geht es über die „normale“ Entwicklungsstufe hinaus. Die Eltern sind am Verzweifeln, weil sie einfach nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Und hier gibt es mehrere Lösungsansätze die man durch probieren kann, bis dann eine endlich hilft.

  • Entwicklungsschritt anerkennen.
    So manche Entwicklungsschritte werden von starken emotionalen Ausdrücken begleitet, sei es trotzen, toben, werfen oder auch Grenzen wahrnehmen, einfordern. Im Zuge dieser Sprünge kann es durchaus auch sein, dass sich das Kind unter Zuhilfenahme von Beißen oder Schlagen ausdrückt. Trotz der Tatsache, dass diese Schritte einfach natürlich sind, sollte ein Elternteil schon wachsam sein, und in Kooperation mit dem Kind klar sein, dass dieses Verhalten nicht angemessen ist.
  • Konsequenz zeigen.
    Zuerst waren sie süß und goldig, da ließen wir alles durchgehen. Irgendwann beginnt es aber, kleine Erziehung, das Gewöhnen an Regeln, und Normen, zum Wohle des Kindes. Alter spielt da auch eine Rolle. Wenn sie grade drei sind, können sie sich noch  nicht in andere hineinversetzen. Da hilft es nicht, viel zu erklären oder einen Vortrag zu beginnen, warum jemand diese Dinge wehtun. Da kann man nur eine Konsequenz ankündigen und diese dann auch durchzuführen. Ab dem Alter von dreieinhalb entwickelt sich langsam so etwas wie die Fähigkeit, Handlungen und deren Auswirkungen zu erkennen. Da kann man natürlich zusätzlich im Sinne gewaltfreier Kommunikation zu einer Familienkonferenz rufen, und Handlung und Auswirkung besprechen.
  • Grenzen setzen.
    Manchmal ist Aggression und Wut auch ein Zeichen dafür, dass man eine Grenze von außen braucht. Kinder brauchen manchmal gesunde und achtsame Grenzen,um zu wissen was sie können oder dürfen und was nicht. Es braucht keine Gewalt um einem Kind klar zu machen, dass es eine Grenze hat. Und es braucht keine stundenlangen Erklärungen um dem Kind zu erklären, warum diese Handlung jetzt nicht in Ordnung ist. Diese Grenze ist erreicht und ich bin die Erwachsene. Ich entscheide zum besten Wohle von dir und allen Beteiligten. Wenn dich das wütend macht, ist das in Ordung. Dann kannst du deine Wut auch gerne in Polster, Kuscheltier, oder Wutecke ablassen. Manchmal muss man klar sein mit Kindern.
  • Bedrängnis. Das bisschen „zuviel“
    Bedrängnis führt zu Hilflosigkeit. Hilflosigkeit führt zu dem Versuch, einen Ausweg zu finden. Wenn ein Kind ein Zuviel an Nähe erfährt, oder ein Zuwenig an Zuwendung, dann greift Gewalt zur Verteidigung auch. Denn diese Gewalt hält mir die Menschen vom Leib, die meine Grenzen nicht respektieren. Oder es bringt diese Menschen dazu, sich mit mir zu beschäftigen, wenn sie es nicht tun.  Diese Gewalt kann ein Ausdruck nach mehr Berührung oder Nähe sein, oder auch die ersten Wege des Kindes zu zeigen, dass es seine eigene Privatsphäre braucht. Wie in vielen Bereichen der Erziehung gilt es, achtsam seine eigenen Projektionen zu überprüfen. Denn bei diesem Punkt sind es oft die blinden Flecken der Eltern, die eine Verbesserung der Situation nicht erlauben. Ein Gespräch mit vertrauten Menschen hilft, die Bitte an Außenstehende ihren Eindruck von der Situation zu kommunizieren. Allerdings ist das natürlich mit dem Risiko behaftet, dass man „Kritik“ hört. An dem Punkt muss man einfach vermeintliche persönliche Angriffe herausfiltern, und hören was der Andere in Bezug auf das Reaktionsmuster des Kindes zu sagen hat. Daher, die Person die man für diese Aufgabe auswählt genau aussuchen, es sollte jemand mit einem gewissen Maß an (Selbst)reflektion sein.
  • Vorbild.
    Traurig, aber wahr, es gibt immer noch genug Familien bei denen die „gesunde Watschen“ als Ausdruck von Erziehung verwendet wird. Ganz persönlich finde ich das in diesen Zeiten nicht notwendig, oder passend. Aber ich möchte ehrlich sein, und als Pädagogin die Frage stellen, wenn physische Gewalt als Mittel zur Erziehung gewählt wird (auch wenn nur in Ausnahmefällen), dann ist es nur die logische Konsequenz, wenn das Kind zu ähnlichen Mitteln greift, um seine Bedürfnisse zu äußern. Zu Gewalt zählt übrigens auch, wenn es stundenlange zermürbende Streiteien mithören muss, denn am Vorbild der Eltern lernt es dann, das es okay ist sich gegenseitig zu beschimpfen oder anzuschreien.

In dem Sinne „gebt ihnen Wurzeln und Flügeln“. Viel Erfolg beim Durchdenken und Durchtesten aller Möglichkeiten!

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Der Charakter unserer Kinder, von Anfang an, und die 5 Merkmale einer Persönlichkeit

Wir leben in einer Zeit wo viel über Erziehung geschrieben wird. Wo in den Bücherkästen der Eltern vor der Geburt schon Ratgeber stehen, die uns den Umgang mit dem neuen Menschen auf dieser Erde beibringen sollen. Für uns ist es mittlerweile vollkommen klar, dass unsere Kinder von Anfang an Persönlichkeiten haben, und wir sie unterstützen bei dem was sie mitbringen, und wie sie es entwickeln. Oder ist uns das wirklich so klar?

Um zu erklären, welche Entwicklung hinter uns liegt, hole ich ein wenig aus. 1762 schrieb Rosseau, ein Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge den Roman „Emile, oder über die Erziehung“ Für seine Zeit war dies ein revolutionäres Werk, da er als einer der Ersten, reformpädagogische Grundsätze veröffentlichte und zur Diskussion stellte. Denn bis zu dem Zeitpunkt war ein Kind einfach nur eine Arbeitskraft, Zierde, Bürde, und ein Klumpen Wachs den kompromisslos zu formen galt. Jede Entscheidungsfähigkeit und Persönlichkeit wurde dem Kind abgesprochen.  Nun ist das schon eine Zeit her, und es gedauert,  denn nun, fast 150 jahre später ist uns als Gesellschaft klar geworden, dass unsere Kinder nicht nur formbare Wesen sind, sondern durchaus auch schon ihre Besonderheiten mit auf die Welt nehmen.

Wieder ein Jahrhundert später schrieb eine Reformpädagogin, Maria Montessori, dem Kind die Eigenheit zu zwar formbar wie Wachs zu sein, aber im selben Zuge stellte sie fest, dass diese Formbarkeit nur im Rahmen der Persönlichkeit des Kindes stattfinden könne, und durch den Erwachsenen ein sorgsamer Umgang im Versuch das Kind zu gestalten notwendig ist, um das Wesen des Kindes nicht zu zerstören.

Und trotz all der Theorie die schon hinter uns liegt, jeder hat seinen eigenen Zugang zu dem Thema. Auch ich habe dazu einen sehr persönlichen Post geschrieben [ http://birdiesworld.at/2017/04/05/so-wie-du-bist-so-bist-du-gedacht/ ]

Und was behauptet die Wissenschaft? Genetiker beaupten wir bestünden aus einer 50:50 Mischung von Veranlagung und Umwelteinfluss. Das bedeutet für uns also, wir erziehen unsere Kinder, setzen ihnen Grenzen, geben ihnen Rahmenbedingungen, aber zu 50% haben sie bereits von Anfang an ihren Charakter, ihr Wesen und gehen mit ihrer eigenen Art mit unserem Einfluss um. Die wichtigsten Faktoren für eine Persönlichkeit setzt sich aus folgenden fünf Merkmalen zusammen, und einiges davon wird maßgeblich von Genetik bestimmt:

  • Intelligenz,
    es geht hier darum ob unsere Kinder in der Lage dazu sind, Probleme zu lösen, über eine Auffassungsgabe verfügen, und ob deren Merkfähigkeit und Lerntempo angemessen sind. Als Eltern können wir die fördern, indem wir ihnen die Sicherheit geben selber ihr Potential zu entwickeln, und ihnen in einem dem Kind angemessenen Alltag auch Rituale wie bspw Vorlesen anbieten, und ihre Interessen fördern. Die Genetik bestimmt 50% dieses Faktors.
  • Charakter
    Logischerweise ist der Charakter schon großteils angelegt, und über die genetischen Bedingungen bestimmt. Der Einfluss über das Elternhaus ist überschaubar. Natürlich sind die Eltern wichtig, aber auch nur ein Teil im sozialen Gefüge dass das Kind prägt.
  • Sozialkompetenz
    In Studien wurde bewiesen, dass beispielsweise Freigiebigkeit oder Geiz angeboren sind. Aber natürlich lernt das Kind im sozialen Miteinander, an Vorbildern und im sozialen Umfeld auch gewissen Regeln, die es in der Gesellschaft anwendet. Aber offensichtlich kann man nicht unbedingt ein geiziges Kind in ein freigiebiges „umerziehen“
  • Resilienz
    Die seelische Widerstandskraft ist uns angeboren. Nach einer Niederlage wieder aufstehen und weitermachen? Das liegt nicht jedem im Blut. Aber wir können es üben, und unseren Kindern durch liebevolle Unterstützung beibringen dass man weitermachen kann, einfach aus Freude am Tun. Ein gutes soziales Netz kann den Faktor Resilienz stärken und so zu einer starken Persönlichkeit beitragen.
  • Talente
    Sind im Erbgut angelegt. Wir kommen schon mit gewissen Gaben auf die Welt, und unsere Umwelt ermöglicht uns einfach, oder auch nicht, diese auszuüben. Als Eltern können wir ohne Stress zu machen die Talente unserer Kinder erkennen und sie unterstützen. Für die Eltern ist aber da eine Sache ganz bedeutend. Übertrage nicht deine Träume auf dein Kind. Es findet seinen eigenen Weg seine Gaben zu leben.

Also wir sehen, es ist nicht so abwegig in einem Baby von Anfang an gewisse Wesenszüge zu erkennen, und wir tun gut daran, dies als Tatsache anzuerkennen, und dann mit dem Charakter des Kindes von Anfang an zu kooperieren. Erziehung ja – verbiegen nein, bei all dem was wir Erziehung nennen, ist es für alle Beteiligten wichtig und richtig von Anfang an zu wissen, welche Persönlichkeit einem da gegenüber steht.

 

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