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Pädagogik im Praxistest

„Mach es zu deinem Projekt…“ – wenn Mamasein zum Projekt wird

Wenn Kinder zum Projekt werden, wenn das Mamasein ins Unternehmertum eintritt, und frau plötzlich eine „Mompreneur“ ist. Dann frage ich mich, obs dabei noch um das Gefühl geht, oder das Kind eine Facette für Unterhaltung und Existenz wird.

Vorab, ich habe den Hasthag #mompreneur selber schon einige Male verwendet. Aber noch nie wirklich darüber nach gedacht. Als Familienbloggerin, bzw Mamabloggerin, schreibe ich über unser Leben, (also eigentlich bin ich dann LEBENSbloggerin) ich plaudere aus dem Nähkästchen, und erzähle Geschichten von, und über mein Kind.  Ich könnte vielleicht sogar ein wenig davon leben, wenn ich in SEO, Follower und Marketing investiere. Da ich das aber nicht tue, plätschert mein Blog schön ruhig dahin.

Klar, ich bin Pädagogin, also auch „Entrepeneur“ wenn ich irgendwann mein Buch endlich draussen habe, und erfolgreich Seminare anbiete, aber muss ich mir nun – nur weil ich Mutter bin – eine neue Rolle als „mompreneur“ aufschwatzen lassen? Es ist ein schmaler Grat im Netz zwischen Information und Hosen-owi-Beiträgen. Es ist ein schmaler Grat über das eigene Kind zu berichten, private Einblicke zu gewähren, und nicht zu wissen, wer in diesen Momente mitliest.

Mich nervt dieser neue Begriff ein wenig. Er degradradiert irgendwie die Rolle meines Kindes, aber auch mich als Mutter. Dadurch, dass ich mich „mompreneur“ nenne, wird mein Kind instrumentalisiert. Indem ich darüber schreibe, erlaube ich die Zuordnung von Stereotypen, lasse manchmal sehr private Momente sehr öffentlich werden, und was ich am schlimmsten finde – ich monetarisiere eigentlich meine Rolle als Mutter. Ich mach zu Geld was für mich die natürlichste Sache der Welt ist. Ich möchte als Unternehmerin gesehen werden, und nicht als Mama-unternehmerin. Oder schon jemals einen „dadpreneur“ gesehen? Männer werden weiterhin Unternehmer genannt, Frauen bekommen einen neuen Begriff.  Und lassen zu, dass ihre Rolle als Mutter ihr Unternehmertum definiert. Ich wage zu behaupten dass dieser Begriff hauptsächlich von den neuen selbstständigen Berufen kommt, Jobs wie Bloggerinnen, direkt Markteing, direkt Vertrieb. Schon mal diese Jobs auf Seriösität überprüft? Nahezu alle Jobs ohne Zusagen, Sicherheiten. Man muss meistens etwas im Hintergrund haben, einen Mann, einen Zweitjob, ein großes Erbe, und manchmal alles auch einmal. Und ich habe diese „Jobs“ in einer Facebook Gruppe mit dem Namen „Jobs für Mütter in …“ verfolgt, alles „Taschengeld“jobs mit direktvetrieb. Mal ehrlich, nur weil ich Mama bin, muss ich also liebend gerne Parties für Produkt xy geben?

Meine Conclusio; solange es keine #dadpreneurs gibt, gibts für mich auch keine #mompreneurs mehr. Mein Kind ist meine persönliche Erfahrung und Freude und soll keine Geldquelle sein. Wenn etwas zu Geld wird, dann sollen es meine Geschichten sein, mein Blick auf die Welt, meine Erfahrungen. Da ich aber eine rege Beobachtungsgabe habe, wird der geneigte LeserIn weiterhin Berichte aus dem pädagogischen Alltag in meinem Blog lesen. Aber er oder sie wird sich der Tatsache stellen, dass ich mitunter auch über das schreibe was ich im Außen beobachte. Und – ich bin UNTERNEHMERIN – allein durch die Person die ich bin. Vielleicht beeinflussen mich meine Umstände, aber auch die Verkäuferin, Chemielaborantin oder Mechanikerin sind Mütter, und verkaufen oder schrauben dadurch auch nicht anders am Produkt.

Wahre Emanzipation bedeutet,  Männer und Frauen dieselben Fragen zu stellen, und auszuhalten, dass ihre Antworten voneinander abweichen, weil sie Menschen sind, und nicht weil sie Vater oder Mutter sind.

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Friends in the house?

Posted in Mutterschaft, Pädagogik im Praxistest, Seele
on 9. September 2017

Ich hatte mir immer ein Kind gewünscht. Was sich aber außer der eigenen Frauenrolle verändert, sind häufig unsere Freundschaften. Das kam für mich überraschend.

Wenn wir schwanger werden tauchen wir in eine neue Welt ein. Vor allem beim ersten Kind ist alles neu, aufregend und unser bisheriges Leben verblasst. Salsaabende mit Freundinnen? Sexandthecity Cockails zuhause mischen? Eine Nacht durch die Stadt ziehen? Alles wird unwesentlich mit der neuen Verantwortung und Rolle die wir nun erleben. Ich bin aus der Stadt, die mir 18 Jahre lang ein zuhause war, weggezogen, und dachte es würde kein Problem werden, neue Bekanntschaften zu schließen. Aber ich habe mich getäuscht. Und ich habe mich umgehört, und tatsächlich ist es für viele Mütter ein Thema Freundschaften mit Kind zu erhalten und zu pflegen. Die „kinderlosen“ haben keine Lust sich auf Kinder einzustellen, und die mit Kindern sind überbeschäftigt mit ihrer eigenen Familie.

Aber nun zu meinem Umzug. Eine Freundin sagt mir damals, das wäre kein Problem, ich würde andere Frauen am Spielplatz, in der Krippe, im MuKi Kurs treffen. Das stimmte ja auch. Mütter treffen andere Mütter. Aber selten sind das Freundinnen, sie sind Mütter deren Kinder mit meinem Kind spielen. Sie sprechen über Impfungen, Kuchenrezepte und dass ihr Mann zuviel arbeitet. Sie erzählen sich NIE von ihren Träumen, Wünschen oder Visionen, oder wie sie sich ihre Kraft wieder holen. Sie bilden keine Kraft-frauenzirkel, sie kreisen ausschließlich um ihr Kind.
Ich behaupte da gar nicht, dass ich so anders bin, ich bin auch Vollblutmama, aber genau diese Kraftfrauenzirkel, die vermisse ich. Gespräche die stärken und unterstützen. Das schweigende (oder auch plappernde) Einverständnis, dass man außer Mutter auch noch Frau ist. Dass wir nur gute Mütter sind, wenn wir auch ausreichend Selbstliebe für uns haben.

Ich will keine Sex and the city oder desperate Housewife Fantasien. Ich will auch nicht Mac Dreamy, oder ein Loft mit Freunden in New York bewohnen (okay das Loft würd ich schon nehmen). Ich lebe in dieser Welt und nicht von Serienmontag zu Serienmontag. Und ich will in diesem Leben mein Bestes geben und mein Bestes erleben.

Ich wünsche mir Frauenkraftkreise, bei denen es ausnahmsweise nicht um unsere Kinder geht. Dass eine Mutter ein Auto aufheben würde, um ihr Kind zu retten ist uns allen klar. Aber dass wir auch verdient haben, unsere Träume zu pflegen, und wir selbst zu sein, scheint in unserer scheinbar emanzipierten Welt untergegangen zu sein. Wir behaupten wir sind emanzipiert, dabei erfüllen wir häufig nur die Bedürfnisse von anderen Familienmitgliedern.

Ein erster Schritt wäre sich gegenseitig zu stärken, und zuzuhören. Sich zu trauen diese anderen Mütter auch als Frau kennen zu lernen. Sich nicht nur in Familiensituationen zu treffen sondern sich den Luxus erlauben, wieder ein bisschen Ich-Zeit mit anderen Müttern zu haben. Und dabei geht es nicht darum wer den besten Kuchen macht. Oder ob das Outfit des Nachwuchses selbst genäht ist. Nein – es geht um DICH! Um deine Wünsche, Visionen und Kraft. Teile sie mit anderen Frauen, und ihr werdet gestärkt euren Weg gehen!

 

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Die 10 Vorteile eine Mama einzustellen

Posted in Mutterschaft, Pädagogik im Praxistest
on 11. August 2017

Seit geraumer Zeit suche ich Job, und mir kam da schon Einiges unter, und so mancher Job wurde mir wie ein Salami dem Hund vor der Nase gewedelt, nur um mir dann zu sagen, ich sei doch nicht geeignet (die „Begründungen“ die dann kamen, hatten ziemlich klar damit zu tun, dass ich ein Kind habe).

Darum liebe künftige, und auch nicht, Dienstgeber, lasst euch mal in aller Wertschätzung, die Vorteile einer Mama als Angestellte sagen, und überlegt das nächste Mal zweimal bevor ihr antiquierte  Überlegungen anstellt, dass mein Mamasein mich angeblich zur schlechteren Wahl macht. Denn FAKT ist:

  1. Wir lieben unsere Arbeit. Zwischen Alltagswahnsinn, Wäsche waschen und Essen vorkochen. Die Arbeit ist der einzige Ort, wo wir etwas leisten, ohne in Relation zu unserem Kind gesetzt zu werden. Für manche ist die Arbeit sogar Erholung.
  2. Montag morgen sind wir fit, und haben keinen Hangover vom Wochenende abzuarbeiten.
  3. Nach unseren Kaffeepausen sind wir wirklich erholt, weil fünf Minuten der Himmel zuhause wären.
  4. Wir sind die Meisterinnen im Improvisieren. Kind abholen, Haushalt schupfen, Existenz sichern. Alles täglich neu sortiert.
  5. Nein gibt es nicht, außer wir sagen es. Und dann mit gutem Grund.
  6. Wir schaffen in 30 Stunden, wozu andere 40 brauchen, und sind dabei noch entspannt.
  7. Wenn wir einen Dienstgeber haben, der uns und unsere familiäre Situation wertschätzt, dann tun wir dasselbe für unseren Boss.
  8. Wir sind super im Prioritäten setzen. Zeit verschwenden ist nicht drin.
  9. Deshalb geht das mit dem Multikasking so gut.
  10. Krankenstand? Leisten wir uns nicht. Wir heben die Tage lieber für die Masern etc unseres Kindes auf. Und dann teilen wir die auch noch auf Papa, Großeltern und co auf.

 

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Warum beißt, schlägt oder verletzt mein Kind mich oder andere?

Alle Eltern erleben es, in bestimmten Entwicklungsphasen agieren die Kinder ihre Emotionen über Gewalt aus. Was dann?

In der FamilybloggerInnenszene laufen gerade die Tippfinger heiß, eine Bloggerin hat einen Post mit dem provokativen Titel verfasst „Warum stört es dich, wenn dein Kind dich schlägt?“ (Miniandme, August 2017) und die Nächste hatte gleich ihre Antwort parat „Warum es mich stört, wenn mein Kind mich schlägt“ (einerschreitimmer, August 2017). Ich respektiere beide Autorinnen gleichermaßen in ihrer Arbeit, möchte aber zu diesem Thema meine Perspektive als Pädagogin einfließen lassen.

Kinder schlagen. Kinder beißen. Kinder schmeißen Dinge. Kinder trotzen. Das ist Fakt. Es ist kein Erziehungsfehler, es ist eine Tatsache. (Klein)kinder erleben sich als das Zentrum ihres Lebens, und wenn es nicht so geht wie sie es möchten, dann finden sie einen Weg sich zu behaupten. Sie lernen sich in einem sozialen Gefüge zu behaupten. Sie lernen wer ihr „Ich“ wirklich ist.
In manchen Fällen ist es aber keine Phase mehr. Dann geht es über die „normale“ Entwicklungsstufe hinaus. Die Eltern sind am Verzweifeln, weil sie einfach nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Und hier gibt es mehrere Lösungsansätze die man durch probieren kann, bis dann eine endlich hilft.

  • Entwicklungsschritt anerkennen.
    So manche Entwicklungsschritte werden von starken emotionalen Ausdrücken begleitet, sei es trotzen, toben, werfen oder auch Grenzen wahrnehmen, einfordern. Im Zuge dieser Sprünge kann es durchaus auch sein, dass sich das Kind unter Zuhilfenahme von Beißen oder Schlagen ausdrückt. Trotz der Tatsache, dass diese Schritte einfach natürlich sind, sollte ein Elternteil schon wachsam sein, und in Kooperation mit dem Kind klar sein, dass dieses Verhalten nicht angemessen ist.
  • Konsequenz zeigen.
    Zuerst waren sie süß und goldig, da ließen wir alles durchgehen. Irgendwann beginnt es aber, kleine Erziehung, das Gewöhnen an Regeln, und Normen, zum Wohle des Kindes. Alter spielt da auch eine Rolle. Wenn sie grade drei sind, können sie sich noch  nicht in andere hineinversetzen. Da hilft es nicht, viel zu erklären oder einen Vortrag zu beginnen, warum jemand diese Dinge wehtun. Da kann man nur eine Konsequenz ankündigen und diese dann auch durchzuführen. Ab dem Alter von dreieinhalb entwickelt sich langsam so etwas wie die Fähigkeit, Handlungen und deren Auswirkungen zu erkennen. Da kann man natürlich zusätzlich im Sinne gewaltfreier Kommunikation zu einer Familienkonferenz rufen, und Handlung und Auswirkung besprechen.
  • Grenzen setzen.
    Manchmal ist Aggression und Wut auch ein Zeichen dafür, dass man eine Grenze von außen braucht. Kinder brauchen manchmal gesunde und achtsame Grenzen,um zu wissen was sie können oder dürfen und was nicht. Es braucht keine Gewalt um einem Kind klar zu machen, dass es eine Grenze hat. Und es braucht keine stundenlangen Erklärungen um dem Kind zu erklären, warum diese Handlung jetzt nicht in Ordnung ist. Diese Grenze ist erreicht und ich bin die Erwachsene. Ich entscheide zum besten Wohle von dir und allen Beteiligten. Wenn dich das wütend macht, ist das in Ordung. Dann kannst du deine Wut auch gerne in Polster, Kuscheltier, oder Wutecke ablassen. Manchmal muss man klar sein mit Kindern.
  • Bedrängnis. Das bisschen „zuviel“
    Bedrängnis führt zu Hilflosigkeit. Hilflosigkeit führt zu dem Versuch, einen Ausweg zu finden. Wenn ein Kind ein Zuviel an Nähe erfährt, oder ein Zuwenig an Zuwendung, dann greift Gewalt zur Verteidigung auch. Denn diese Gewalt hält mir die Menschen vom Leib, die meine Grenzen nicht respektieren. Oder es bringt diese Menschen dazu, sich mit mir zu beschäftigen, wenn sie es nicht tun.  Diese Gewalt kann ein Ausdruck nach mehr Berührung oder Nähe sein, oder auch die ersten Wege des Kindes zu zeigen, dass es seine eigene Privatsphäre braucht. Wie in vielen Bereichen der Erziehung gilt es, achtsam seine eigenen Projektionen zu überprüfen. Denn bei diesem Punkt sind es oft die blinden Flecken der Eltern, die eine Verbesserung der Situation nicht erlauben. Ein Gespräch mit vertrauten Menschen hilft, die Bitte an Außenstehende ihren Eindruck von der Situation zu kommunizieren. Allerdings ist das natürlich mit dem Risiko behaftet, dass man „Kritik“ hört. An dem Punkt muss man einfach vermeintliche persönliche Angriffe herausfiltern, und hören was der Andere in Bezug auf das Reaktionsmuster des Kindes zu sagen hat. Daher, die Person die man für diese Aufgabe auswählt genau aussuchen, es sollte jemand mit einem gewissen Maß an (Selbst)reflektion sein.
  • Vorbild.
    Traurig, aber wahr, es gibt immer noch genug Familien bei denen die „gesunde Watschen“ als Ausdruck von Erziehung verwendet wird. Ganz persönlich finde ich das in diesen Zeiten nicht notwendig, oder passend. Aber ich möchte ehrlich sein, und als Pädagogin die Frage stellen, wenn physische Gewalt als Mittel zur Erziehung gewählt wird (auch wenn nur in Ausnahmefällen), dann ist es nur die logische Konsequenz, wenn das Kind zu ähnlichen Mitteln greift, um seine Bedürfnisse zu äußern. Zu Gewalt zählt übrigens auch, wenn es stundenlange zermürbende Streiteien mithören muss, denn am Vorbild der Eltern lernt es dann, das es okay ist sich gegenseitig zu beschimpfen oder anzuschreien.

In dem Sinne „gebt ihnen Wurzeln und Flügeln“. Viel Erfolg beim Durchdenken und Durchtesten aller Möglichkeiten!

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Manchmal ist es einfach still ….

Posted in Mutterschaft, Pädagogik im Praxistest, Seele
on 26. Juli 2017

Ich suche seit geraumer Zeit nach Arbeit. Das war nicht schlimm, bis ich nach zwei Wochen Probezeit wieder arbeitssuchend war. Was dann passierte und wie es nun weitergeht.

Ich bin Mama eines zweieinhalbjährigen. Da ist es nicht ganz einfach wieder im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Ich konnte aufgrund des Umzugs, und der kinderunfreundlichen Arbeitszeiten, nicht in meinen alten Job als Hortpädagogin zurück. Und nun bin ich hier, in einem quasi neuen Bundesland, mit neuen Lebensbedingungen, und versuche wirklich einen neuen Job zu finden. Wohlwissend, dass ich nun mehr „Einschränkungen“ als junge Mutter erlebe als zuvor.
Dass ich Alleinerzieherin bin, dass ich nur zu „Kinderkrippenzeiten“ arbeiten kann (inklusive Fahrtswege), dass ich eine Frau bin die noch ein Kind bekommen könnte, all das trägt nicht unbedingt dazu bei, dass ich zu Gesprächen eingeladen werde. Als ich dann endlich einen Bürojob im gehobenen Bereich ergattern konnte, freute ich mich riesig, und dachte, dass jetzt alles wieder leichter wird. Aber das war leider gar nicht zutreffend. Der Job erwies sich als Wolf im Schafspelz, was zwischenmenschlich zuvor leicht schien, entpuppte sich als trojanisches Pferd, und so musste ich augrund massiver Probleme mit dem Management diesen Job aufgeben. Immerhin, zwei Wochen lang hatte ich es wirklich probiert, aber es war mir nicht möglich, diese Konflikte zu lösen, ignorieren, oder umzuleiten. Manchmal muss man handeln, auch wenn man weiß, dass die alten Probleme dann wieder auftauchen.

Anfangs war ich erleichtert, erholte mich von den Krisen die ich da erlebt hatte (ich kann aus Gründen der Privatsphäre der betroffenen Personen nicht näher auf die Konflikte eingehen), und dann erwischte sie mich. Die Arbeitslosendepression. Was ich zuvor nicht kannte, da ich ja nicht wusste, dass ich Familie und Arbeit vereinen konnte, traf mich mit voller Wucht. Die Traurigkeit etwas nicht geschafft zu haben, die Wertlosigkeit einer Aufgabe nicht gewachsen gewesen zu sein, die existenzielle Problematik, die Antriebslosigkeit, weil einem alles sinnlos erscheint. Mittlerweile hab ich locker drei Kilo extra drauf, weil ich anfing abends halbliterweise Eis zu essen um die Leere in meiner Seele zu betäuben.
Und jede weitere Absage, jedes weitere Gespräch, dass damit endet, dass man nicht genommen wird, obwohl man theoretisch auf die Stelle passt – aber praktisch ist man doch Mutter, und daher eher unattraktiv für den Dienstgeber – alles weitere macht mich nur mehr traurig.

Was ich tun soll? Ich soll mich bewegen, ich soll mich gesund ernähren, soziale Kontakte pflegen, und nicht aufgeben.

Was ich kann? Nicht aufgeben, dass kann ich. Vor meinem Kind stark sein, das kann ich. Aber dann noch Energie für Sport haben? Dann noch irgendwelche fancy Vitamine schlucken, die ein Megageld kosten? Sorry, aber das geht nicht mehr. Es ist einfach eine Sch…situation, und ich fange einfach mal an sie zu akzeptieren. Ich bin kein Guru. Ich bin eine normale Frau, mit stinknormalen Ängsten und Sorgen. Ich behaupte mich in einer Gesellschaft die von Männern regiert und gesteuert wird, wo Frauen in Teilzeitfallen stecken, heiraten aus existenziellen Gründen, und in einer größeren Armutsbedrohung stecken als die männlichen Gegenstücke. Also ganz ehrlich, wenn ich jetzt nicht gut drauf bin, weil es einfach verdammt schwer ist, eine ausreichend bezahlte Arbeit als alleinerziehende Mama zu kriegen, dann ist das so.

Ich hatte vor dem letzten Jobdesaster noch Visionen, Hoffnungen, Wünsche und Träume. Die werden wiederkommen. Ich muss mir nur Zeit geben, und Vertrauen.

 

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Der Charakter unserer Kinder, von Anfang an, und die 5 Merkmale einer Persönlichkeit

Wir leben in einer Zeit wo viel über Erziehung geschrieben wird. Wo in den Bücherkästen der Eltern vor der Geburt schon Ratgeber stehen, die uns den Umgang mit dem neuen Menschen auf dieser Erde beibringen sollen. Für uns ist es mittlerweile vollkommen klar, dass unsere Kinder von Anfang an Persönlichkeiten haben, und wir sie unterstützen bei dem was sie mitbringen, und wie sie es entwickeln. Oder ist uns das wirklich so klar?

Um zu erklären, welche Entwicklung hinter uns liegt, hole ich ein wenig aus. 1762 schrieb Rosseau, ein Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge den Roman „Emile, oder über die Erziehung“ Für seine Zeit war dies ein revolutionäres Werk, da er als einer der Ersten, reformpädagogische Grundsätze veröffentlichte und zur Diskussion stellte. Denn bis zu dem Zeitpunkt war ein Kind einfach nur eine Arbeitskraft, Zierde, Bürde, und ein Klumpen Wachs den kompromisslos zu formen galt. Jede Entscheidungsfähigkeit und Persönlichkeit wurde dem Kind abgesprochen.  Nun ist das schon eine Zeit her, und es gedauert,  denn nun, fast 150 jahre später ist uns als Gesellschaft klar geworden, dass unsere Kinder nicht nur formbare Wesen sind, sondern durchaus auch schon ihre Besonderheiten mit auf die Welt nehmen.

Wieder ein Jahrhundert später schrieb eine Reformpädagogin, Maria Montessori, dem Kind die Eigenheit zu zwar formbar wie Wachs zu sein, aber im selben Zuge stellte sie fest, dass diese Formbarkeit nur im Rahmen der Persönlichkeit des Kindes stattfinden könne, und durch den Erwachsenen ein sorgsamer Umgang im Versuch das Kind zu gestalten notwendig ist, um das Wesen des Kindes nicht zu zerstören.

Und trotz all der Theorie die schon hinter uns liegt, jeder hat seinen eigenen Zugang zu dem Thema. Auch ich habe dazu einen sehr persönlichen Post geschrieben [ http://birdiesworld.at/2017/04/05/so-wie-du-bist-so-bist-du-gedacht/ ]

Und was behauptet die Wissenschaft? Genetiker beaupten wir bestünden aus einer 50:50 Mischung von Veranlagung und Umwelteinfluss. Das bedeutet für uns also, wir erziehen unsere Kinder, setzen ihnen Grenzen, geben ihnen Rahmenbedingungen, aber zu 50% haben sie bereits von Anfang an ihren Charakter, ihr Wesen und gehen mit ihrer eigenen Art mit unserem Einfluss um. Die wichtigsten Faktoren für eine Persönlichkeit setzt sich aus folgenden fünf Merkmalen zusammen, und einiges davon wird maßgeblich von Genetik bestimmt:

  • Intelligenz,
    es geht hier darum ob unsere Kinder in der Lage dazu sind, Probleme zu lösen, über eine Auffassungsgabe verfügen, und ob deren Merkfähigkeit und Lerntempo angemessen sind. Als Eltern können wir die fördern, indem wir ihnen die Sicherheit geben selber ihr Potential zu entwickeln, und ihnen in einem dem Kind angemessenen Alltag auch Rituale wie bspw Vorlesen anbieten, und ihre Interessen fördern. Die Genetik bestimmt 50% dieses Faktors.
  • Charakter
    Logischerweise ist der Charakter schon großteils angelegt, und über die genetischen Bedingungen bestimmt. Der Einfluss über das Elternhaus ist überschaubar. Natürlich sind die Eltern wichtig, aber auch nur ein Teil im sozialen Gefüge dass das Kind prägt.
  • Sozialkompetenz
    In Studien wurde bewiesen, dass beispielsweise Freigiebigkeit oder Geiz angeboren sind. Aber natürlich lernt das Kind im sozialen Miteinander, an Vorbildern und im sozialen Umfeld auch gewissen Regeln, die es in der Gesellschaft anwendet. Aber offensichtlich kann man nicht unbedingt ein geiziges Kind in ein freigiebiges „umerziehen“
  • Resilienz
    Die seelische Widerstandskraft ist uns angeboren. Nach einer Niederlage wieder aufstehen und weitermachen? Das liegt nicht jedem im Blut. Aber wir können es üben, und unseren Kindern durch liebevolle Unterstützung beibringen dass man weitermachen kann, einfach aus Freude am Tun. Ein gutes soziales Netz kann den Faktor Resilienz stärken und so zu einer starken Persönlichkeit beitragen.
  • Talente
    Sind im Erbgut angelegt. Wir kommen schon mit gewissen Gaben auf die Welt, und unsere Umwelt ermöglicht uns einfach, oder auch nicht, diese auszuüben. Als Eltern können wir ohne Stress zu machen die Talente unserer Kinder erkennen und sie unterstützen. Für die Eltern ist aber da eine Sache ganz bedeutend. Übertrage nicht deine Träume auf dein Kind. Es findet seinen eigenen Weg seine Gaben zu leben.

Also wir sehen, es ist nicht so abwegig in einem Baby von Anfang an gewisse Wesenszüge zu erkennen, und wir tun gut daran, dies als Tatsache anzuerkennen, und dann mit dem Charakter des Kindes von Anfang an zu kooperieren. Erziehung ja – verbiegen nein, bei all dem was wir Erziehung nennen, ist es für alle Beteiligten wichtig und richtig von Anfang an zu wissen, welche Persönlichkeit einem da gegenüber steht.

 

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Mein #Muttertagswunsch, und warum mein Kind mich am Arbeitsmarkt emanzipiert hat.

Posted in Mutterschaft
on 13. Mai 2017

Ich bin auf der Suche nach Arbeit. Eine mitteleuropäische Frau, universitärer Abschluss, fast zwanzig Berufsjahre am Rücken. Ich behaupte eine relativ durchschnittliche Frau zu sein, keine besondere Emanze, oder Wifey, oder was auch immer für Kategorien ihr gerne erfindet. Seit etwa einem halben Jahr suche ich in der Steiermark aktiv eine Tätigkeit. Und ich merke, dass Mutter zu sein, meine Suche auf eine neue Ebene hebt. Zuerst wird mal angenommen ich gehe für ein „Taschengeld“ arbeiten. Weil ich ja als Frau sicherlich einen Mann zuhause habe, der mich versorgt. Wenn ich einen Job im Teilzeitbereich suche, wird mir mal prinzipiell ein niedrigeres Gehalt angeboten, denn die Wirtschaft weiß ja nicht, ob es sich „auszahlt“ eine Mutter anzustellen. Was, wenn ich noch ein Kind bekomme?
Hier meine Antwort, Männer haben jetzt auch das Recht auf Karenz, warum stellt ihr denen nicht die Frage nach weiteren Kindern?
Mein Kind wird von potentiellen Dienstgebern, noch bevor sie mich kennen gelernt haben, als „Problem“ gesehen. Selten als die Ressource, die es ist. Und trotzdem, oder gerade deswegen, ich werde meinen Sohn aus dem Lebenslauf nicht streichen, verheimlichen dass ich Mutter bin, nur um im Sinne einer Gleichbehandlung ein Gespräch zu bekommen.
Denn sind wir mal ehrlich, wenn ich mein Kind gut versorge, es nähre, pflege und ihm Sicherheit gebe, wird es der Gesellschaft all dies wieder zurück geben. Weil es etwas über Liebe, Werte und Vertrauen gelernt hat. Und ich möchte den Chef sehen der (m)einen Job 24/7 macht, der auf Schlaf, Golf und lässige Meetings verzichtet, und sich über alle Maße einem anderen Menschen widmet.
Das meine lieben Dienstgeber, ist meine Ressource als Mutter! Ich habe Biss, kann auf Ausruhen, Freizeit, Spaß und sonstwas verzichten. Ich bewahre meist einen ruhigen Kopf, wenns einen Notfall gibt, finde immer eine Lösung mit der jeder zufrieden ist. Ich stelle die Bedürfnisse anderer über meine, weil es notwendig ist. Ich manage Haushalt, Freundschaften, Hobbies, Parties, Job. Das und viel mehr ist verdammt noch mal eine Ressource! Ich bin wertvoll als Arbeitskraft und als Mutter, und ich bin es leid, dass unsere Arbeitswelt das eine vom anderen ausschließt.

Zum Muttertag kommen dann alle schön brav, geben Müttern Blumen und Pralinen, und gehen dann wieder weiter, in der Jagd nach Geld und Status. Es gibt Konzerte mit dem Titel „Frauen, Mütter, Heldinnen“ – wo ist diese Einstellung das ganze Jahr über?

Mein Wunsch zum Muttertag ist banal, behandelt Mütter das ganze Jahr als die wertvolle Ressource die sie bieten. Schätzt die „Lücke“ im Lebenslauf, die da Karenz lautet, mindestens genauso sehr wie all die anderen Jobs in einem Leben. Gebt Müttern die berufliche Möglichkeit die sie verdienen, und erlaubt ihnen erfolgreich im Beruf und eine gute Mutter zu sein. Ich muss nicht auf das eine verzichten, um das andere zu haben.

Mehr als alles andere hat mich mein Sohn emanzipiert, denn Emanzipation bedeutet für mich in diesem Zusammenhang die anderen Bedingungen wert zuschätzen, anzunehmen was ist, und die Kraft dahinter zu finden. Für mich heißt das, ich bin genauso gut geeignet wie ein Mann meine Familie zu unterstützen, ich bin eine wertvolle Arbeitskraft für jeden Dienstgeber, denn wäre ich ein Mann würde ich auch nur das fordern was mir zusteht. Und mich nicht dafür entschuldigen eine Familie zu haben und diese ernähren zu wollen.

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Warum das „Mamaburnout“ keine Lüge ist …

Posted in Mutterschaft
on 6. Mai 2017

Ich bin nicht perfekt. Mein Leben ist es auch nicht. Kein Leben ist aus dem IKEA Katalog, auch wenn wir uns es manchmal so schön vorstellen. Weihnachten harmonisch mit Freunden, wie von Zauberhand steht ein Essen auf dem Tisch wie aus Tausendundeiner Nacht. Nope, wars noch nie.

Ich habe einen zweijährigen Sohn. Wir haben schon einiges durch. Ich dachte, dass es jetzt wieder mal gut wird. Ist es auch, und irgendwie dann doch nicht. Denn mein Leben ist der tägliche Wahnsinns des Mama und Frau seins. Ich jongliere mit Todo Listen durch den Tag,  ohne am Ende wirklich weniger auf der Liste zu haben. Ich versuche einen guten Job zu finden, und trete Vorurteilen „na die will sicher noch ein Kind“ , „was – die will genauso viel wie ein Mann bezahlt bekommen“ entgegen (aber das Thema Job kommt noch in einem Post vor den ich für später plane). Ich probiere Beziehungszeit aufzubringen, was mir momentan unmöglich scheint, denn ich hab nicht mal wirklich entspannte zehn Minuten für mich.

Aber das geht alles. Wenn allerdings dann auch noch dein Kind einen akuten Neurodermitis Schub hat, und sich in der Nacht wachkratzt und dann immer wieder wach ist, auch mal zwei bis drei Stunden nicht wirklich einschläft, dann kannst du nicht mehr. Denn deine Todo Listen sind immer noch da, und die Jobsuche, und der Partner, und, und, und..
Es macht sich an dieser Stelle eine derartige Hilflosigkeit breit, für die ich fast keine Worte habe. Und ich verstehe alle Frauen, die in eine Depression, Burn out und sonstwas rutschen. Darum mein Appell an alle die sehen und hören, dass da jemand am Zahnfleisch geht, steht euren Frauen bei, kein Mensch braucht einen Muttertag, wenn ihr uns sonst als Superwoman im Regen stehen lässt. Mir ist tausendmal lieber im Alltag Entlastung zu bekommen, als an einem Tag im Jahr ein Geschenk.
Das an die Menschen die schon merken, dass jemand in ihrem Bekannten- Verwandtenkreis überlastet ist.
Und all die Frauen da draussen, schraubt eure Ansprüche runter, fragt um Hilfe, und wenn da grade niemand ist, dann macht es wie ich. Baldrian und durch. Ich weiß, dass ich jetzt im Moment alles andere als perfekt bin, ich nehm das jetzt einfach so. Bachblüten, Vitamin B, was auch immer euer Mittel der Wahl ist, stärkt eure Nerven, pfeifft auf die Listen, und wenns sein muss, zwingt eure Leute euch zu unterstützen.
Denn der Job den wir machen, Tag für Tag, und unbezahlbar, nervenaufregend und auch inspirierend, wir wollen den doch nicht mit Erschöpfung verschwenden !

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So wie du bist, so bist du gedacht…

Posted in Mamis B[A]Dtime stories, Mutterschaft
on 5. April 2017

Für mein Kind,

Neulich sah ich dir beim Schlafen zu, und ich bin immer noch so überrascht wie schnell das alles geht. Gerade noch warst du so klein, und im nächsten Moment habe ich schon das Gefühl, ich sehe Züge der Person die du mal sein wirst.  Vor mir  tauchen innere Bilder eines Schulkindes auf, du als Teenager, als Erwachsener. Durch deine wachsende Selbstständigkeit eroberst du dir die Welt, stückchenweise und konsequent.

Und obwohl ich weiß wie klein und hilflos du warst, genauso weiß ich, es war von Anfang an du. Du bist als Persönlichkeit auf die Welt gekommen, so wie jedes Kind schon mit seinem eigenen Wesen auf die Welt kommt. Klar, deine ersten Lebensjahre vergehen durch einen Nebel von Wachstum und Lernen, aber du hast deinen Charakter, von Anfang an.

Ich bin froh, dass wir nun in einer Zeit leben, wo nicht mehr angenommen wird, ein Kind sei ein Klumpen Wachs den es nur zu formen gilt. Seitdem du da bist, erlebe ich täglich die Bestätigung der Vermutung, dass jedes Kind bereits mit seiner eigenen Persönlichkeit auf die Welt kommt.

Was ist nun meine Aufgabe als Elternteil? Ich muss die Knospe deines Wesens in ihrer Vielfalt erkennen, und ihr Zeit lassen sich zu entfalten. Ich darf dich unterstützen bei deinem Weg, selber zu lernen wer du bist, was du kannst, und was du magst oder nicht. Ich kann dir liebevoll Rahmenbedingungen geben, darf und muss dir auch Grenzen setzen, wenn du Gefahr läufst dir oder anderen zu schaden. Ich werde jeglichen Hochmut über Bord werfen, und mir immer gewahr sein, dass nur ein geringer Teil deines Selbst durch „Erziehung“ geformt wird. Denn es ist offensichtlich, das du schon bist, jemand bist, und dass ich das respektiere, unterstütze und fördere. Meine Aufgabe als Mutter ist dann nur ergänzend, dich zu schützen, zu fördern, zu versorgen. Ich will es in dem Maße tun, wie du es brauchst.
Häufig versuchen wir als Eltern ein Kind zu erziehen und dabei zu dem Menschen zu machen, den wir gerne sehen würden. Wir versuchen unterbewusst unausgelebte Träume in unsere Kinder zu pflanzen, und somit die Erfüllung unserer Träume zu erreichen.
In dem Wunsch sie vor „Fehlern“ zu bewahren, sie zu schützen, verwehren wir ihnen den Raum selber zu erleben was sie brauchen, können, wünschen. Aber Fehler gehören zum Leben dazu, und sind manchmal notwendig um zu verstehen was man möchte und was nicht.
Wir „Großen“ versuchen uns häufig mit Empfehlungen aus Büchern, Ratgebern, Filmen auf unsere Aufgabe als Eltern vorzubereiten. Aber ein theoretischer Rat ohne praktischen Hintergrund beinhaltet das Problem, dass er zumeist nur in der Theorie funktioniert, und wir erst recht im Dunklen tappen.
Dass ich als Elternteil eine Verantwortung habe, weiß ich. Dass ich mein Kind schützen muss, fühle ich. Dass wir auch manchmal „nein“ sagen müssen, müssen wir beizeiten lernen. Genauso gehört zum Eltern sein, die eigenen Handlungen auch mal zu überprüfen, zu reflektieren. Wenn wir es anders machen wollen als die Menschen vor uns, dann müssen wir uns auch von deren Vorstellungen über Erziehung, oder wie man das Leben lebt, freimachen. Was für meine Eltern vielleicht wichtig war, ist es nicht für mich.
Das heißt aber nicht, dass ich mit meinem Kindern immer „beste Freunde“ sein muss. Aber ich kann mein Kind respektieren und seine Meinung wertschätzen.
Ich treffe sicher auch genügend unbeliebte Entscheidung, und trotzdem kann ich meine Wertschätzung und Respekt vor der Persönlichkeit des Anderen ausdrücken. Wenn eine Situation es erlaubt, kann ich Alternativlösungen anbieten.
Aber manchmal muss ich Entscheidungen zum besten Wohle treffen und dazu stehen. Ich darf auch mal Fehler machen. Und mich dafür entschuldigen und sie nicht mehr machen.
Das sind die Dinge im Bereich der Erziehung auf die ich nicht verzichten kann, wenn ich dir die Regeln der Gesellschaft lehre. Aber ich kann dabei darauf achten, dir beizubringen, dass man trotz der Einhaltung alle Regeln auch immer noch der oder die sein kannst, die du  bei deiner Ankunft auf dieser Erde warst.

Du lebst in einer Welt die auf Äußerlichkeiten, Macht und Erfolg aufgebaut wurde. Dieses System wackelt, an allen Ecken und Enden kracht es, und viele Menschen versuchen ihren eigenen Lebenssinn zu finden. Ihre Essenz, ihr wahres Wesen.

Du bist ein Kind der neuen Zeit. Du kamst mit dem Wissen um diese Essenz zur Welt. Unsere Erziehung ist keine Ansammlung von kindesfeindlichen Vorschriften mehr, sondern vielmehr beruht sie auf Regeln der Wertschätzung und Achtsamkeit.  Am Tag deiner Geburt warst du mehr in deiner wahren göttliche Essenz als jeder Guru auf dieser Erde. Ich möchte dir so gerne dabei helfen diesen inneren Wesenskern zu erhalten. Ich möchte von dir lernen, wie du von mir. Ich möchte jeden Tag aufs Neue mit tiefstem Vertrauen in die Fülle von Liebe und Kraft gehen, genauso wie du, wenn du morgens aufwachst.

„So wie du bist, so bist du gemeint“ ist nicht nur eine lapidare Aussage am Rande. Es sagt uns allen, dass wir uns selber, und jeden der uns umgibt, in seiner ureigenen Kraft anerkennen und schätzen können. Und dass wir, wenn wir unsere Kinder als Persönlichkeit anerkennen, ohne unsere eigenen Wünsche hinein zu interpretieren, ganz wundervolle Menschen kennen lernen. Dass das Leben beginnt, mit dem Moment wo sich ein Leben im Bauch ihrer Mutter zeigt und sich auf der Erde ankündigt.
Es braucht so viel Kraft und Energie zu sich selber zu stehen und sich einfach so zu nehmen wie man ist. Unterstützen wir unsere Kinder doch einfach dabei, sich so anzunehmen wie sie sind. Lassen wir ihnen Raum und Zeit sich kennen zu lernen und uns kennen zu lernen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen wie anstrengend es ist, jemand anderer sein zu wollen, um gesellschaftlichen Ansprüchen zu entsprechen. Ich wünsche mir für mein Kind, dass du von Anfang an der sein darfst der du bist. Ich lerne erst durch dich, wie es ist zu sich selber zu stehen. Zu dem, wie man als Persönlichkeit gedacht und gemeint ist.

Du bist mein bester Schüler und mein bester Lehrer, Danke.

 

 

 

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Ich tanze auch mit Kind ;)

Posted in Mutterschaft
on 24. März 2017

Im Radio höre ich in der letzten Zeit ständig „wenn sie tanzt“ von Max Giesinger. Anfangs fand ich es süß, dann fand ich es okay, und jetzt habe ich das Gefühl ständig eine Hymne über Selbstverleugnung vorgesungen zu bekommen. Ich frage mich, ob ein Sänger, männlich, offensichtlich ohne Kind, kein Alleinerzieher, Alleinverdiener oder VerkäuferIn im Supermarkt wirklich einschätzen kann was in einer Mutter vorgeht, wenn sie nach einem anstrengenden Tag nach Hause kommt?
Und in erster Linie spreche ich nicht von einer AlleinerzieherIn, sondern auch von all den anderen (in dem Fall) Müttern, die tagtäglich das Beste für ihre Kinder geben. Ja es stimmt, ich habe keine Zeit für mich, ich träume manchmal vor mir hin, und manchmal hab ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir Zeit für mich nehme, obwohl noch so viel andere Dinge zu tun sind.
Aber ist mein Leben mit Kind deswegen gefüllt mit Entbehrungen, mit Arbeit, mit der Verleugnung meiner Selbst? Was, wenn man sein Kind als Ausrede verwendet, sich seinen Träumen nicht mehr zu stellen? Denn das ist das, worüber er meiner Meinung nach wirklich singt. Er erzählt von jemandem, der glaubt er habe kein Recht darauf Träume zu leben. Jemand der glaubt, Mutter sein wäre eine todernste, ausschließlich langweilige Angelegenheit und würde nur mit Antidepressiva ertragbar werden.

Wer sind wir, unsere Kinder dafür verantwortlich zu machen, dass wir unsere Träume nicht leben? Was für ein Gefühl hinterlässt es bei dem Kind, wenn es merkt, dass seine Mutter ihm zuliebe „verzichtet“. Und ganz ehrlich, die Person im Lied, würde die auch ohne Kind nach New York jetten um barfuss zu laufen, oder die Zehen in den Sand strecken? Warum wird es so gerne dramatisiert, wenn eine Frau eine Zeitlang ihr Leben umorganisiert, ihren Kind(ern) widmet. In einer Gesellschaft wo nur „Ich“ und „Erfolg“ zählt, scheinen wir auf unsere Kinder zu vergessen. Wie schlimm kann es sein, seinem Kind ein paar Jahre seines Lebens zu schenken, ohne auf Krampf den Egozug zu fahren?
Wir sind keine Supermums, wir sind keine desperate housewifes, oder eine Sex and the city crew. Jeder der das glaubt, wird zwangsläufig seine Kinder dafür verantwortlich machen, etwas „verpasst“ zu haben. Auch an unseren zerbrochenen Beziehungen sind unsere Kinder nicht schuld, sie sind sogar diejenigen die zumeist am heftigsten darunter leiden, weil sie das Gefühl bekommen, sich entscheiden zu müssen. Mein Kind ist auch nicht der Grund, warum ich mein Lieblingskleid nur vor dem Spiegel trage, denn das bin ich selbst, das ist meine Wertschätzung mir gegenüber. Und wenn ich verdammt nochmal den Kleinen im Ballkleid in den Kindergarten bring, dann ist es meine Entscheidung in dem Moment „schön“ sein zu wollen.

Mein Kind liebt mich bedingungslos, zeitlos, über alle Grenzen hinweg. Es gibt nichts einzigartigeres als die Liebe eines Kindes zu seinen Eltern. Es gibt kaum etwas Kraftvolleres. Da könnt ihr Lieder über Romeo und Julia und was weiß ich was schreiben. Eine Hymne auf mein Kind, auf die wundervollen Lektionen die es mir tagtäglich lehrt, das ist was ich mir wünschen würde. Wenn ich tanzen möchte, dreh ich die Musik auf, und tanze mit meinem Kind gemeinsam. Wenn ich reisen will, finde ich einen Weg mein Kind mitzunehmen. Wenn ich singen will, kann ich es mit ihm zusammen.
Unsere Kinder als Grund unsere Träume nicht zu leben zu nehmen, ist eine fade Ausrede, eine Einbahn in die Depression, Einsamkeit und Schuld. Lasst uns doch unsere Kinder einfach so lieben wie sie uns, ihnen die Zeit schenken die sie verdienen und aufhören zu behaupten, dass sie uns Lebenszeit stehlen. Mein Kind hat mir so viel geschenkt an Erfahrung, Lebenszeit, Entscheidungskraft und Freiheit. Da bin ich gerne diejenige die die Knödel heimbringt und dafür sorgt, dass er alles hat was er braucht.

 

PS, Nix gegen Max Giesinger, das Lied find ich ja an sich ganz gut, feiner beat, schöne Idee, aber wie gesagt, meiner Meinung nach hätte ein bissl mehr positives Lebensgefühl da nicht geschadet 😉

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