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Interviews, Expertengespräche

„In Schweden hat ein Kind Eltern, in Österreich eine Mutter“

Posted in Expertengespräche, Interviews, Expertengespräche
on 14. August 2017

Mich fasziniert das schwedische Erziehungs- und Lebensmodell seitdem ich kritisch denken kann. Die Bildungsreise einer Bekannten, die in einem Frauenbildungszentrum arbeitet, hat mich motiviert, ihr ein paar Fragen zu stellen, und mir auch ein paar Fragen zu beantworten. Als Pädagogin bin ich begeistert von der Wertschätzung die dem Beruf und den Kindern gegeben wird, als Mutter bin ich begeistert von der Unterstützung die durch Staat und Wirtschaft kommt. Als Frau verstehe ich die Möglichkeiten, die einem in Bezug auf Weiterbildung, Karenz, und Kinderbetreuung gegeben werden, als tatsächliche Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt. Aus Kinderperspektive bieten Bildung und hochwertige Betreuung viel Qualität, und sie werden gehört, wie zB durch einen eigenen Kinderanwalt bei Trennung der Eltern.

Wir lernen unser Leben lang, es ist einer unserer tiefsten Wünsche uns zu entwickeln. Die Schweden haben das verstanden.

 

Die Fragen deren Antworten ich selber recherchiert habe, bzw auf die mir meine Bekannte Antworten gab, werden nachfolgend als F gekennzeichnet, die Antworten als A:

 

F: Ab welchem Alter und in welcher Gruppengröße gibt es Kinderbetreuung in Schweden? Öffnungszeiten, Flexibilität bei der Betreuung, bieten die Betreuungsmodelle Platz für Kreativität, freie Entfaltung?

A: Nach dem ersten Lebensjahr gibt es in Schweden Kinderbetreuung. Diese kann normal über den Tag erfolgen, bietet aber auch die Möglichkeit Schichtdienste und Nachdienste abzudecken, an. Kindergartenwechsel unter dem Jahr sind möglich. Es werden regelmäßige Gespräche mit den Eltern geführt, die Gruppen und deren Aktivitäten sind transparent für die Eltern. Es wird spielerisch gelernt, und genügend Freiraum für individuelle Prozesse gelassen. Bei den Kleinkindgruppen kommt auf 5 Kinder 1 Pädagoge/Fachkraft, die Inhalte werden geschlechterneutral gestaltet, und die Kinder werden motiviert selber mit Geschlechterklischees aufzubrechen (Banales Beispiel, warum nur rosa Becher für die Mädchen?).

 

F: Wenn die Kinder die ganze Zeit betreut werden, wird Erziehung in Schweden also nur von Pädagogen übernommen, oder werden die Eltern nur in ihrer Erziehungspflicht unterstützt?

A: Obwohl es üblich ist, in Schweden die Kinder ab dem ersten Lebensjahr in Betreuung zu geben, ist es genauso selbstverständlich, dass Eltern in der verbleibenden Zeit hochwertig und qualitativ für ihre Kinder da sind.

Die Institutionen sind so organisiert, dass sie die Eltern entlasten. Es gibt bspw. Betreuungsinstitutionen bei denen die Eltern Abendessen, oder Frühstück mitnehmen können, um das dann gemeinsam zuhause mit ihren Kindern zu genießen. Im Grunde übernehmen die Profis einen Teil der früher durch die Großeltern, bzw Familie übernommen wurde. Insofern wird das Kind professionell gefördert, aber auch genügend Freiraum zur Entfaltung gelassen. Des Weiteren werden die Eltern so unterstützt, dass der ganze restliche Tag nicht nur mit unbezahlter häuslicher Arbeit verstreicht, sondern der Familie dienen kann. Wie sehr das Kind im Zentrum steht, merkt man zB an der Tatsache, dass Kinder im Fall einer Trennung einen eigenen Kinderanwalt bekommen, der dessen Bedürfnisse vertritt, und auch keiner der beiden Elternteile weiter weg ziehen darf. Denn das Kind hat das Recht auf beide Eltern!

 

F: Wie wird der Wiedereinstieg bei Müttern unterstützt.

A: Es ist nicht notwendig einen „Wiedereinstieg“ zu unterstützen. Schon in der schwedischen Sprache gibt es zB gewisse Wörter wie Rabenmutter, Wiedereinsteiger, Hausfrau nicht. Es ist klar, dass beide Elternteile arbeiten. Arbeit hat in Schweden einen hohen Stellenwert. Das heißt, nachdem jemand ein Kind bekommen hat, geht sie einfach nach spätestens einem bis eineinhalb Jahren wieder arbeiten. Des Weiteren gibt es Karenzmodelle, bei denen sich die Eltern die Karenz gleichermaßen teilen. Meine Bekannte erzählte mir, dass sie noch nie soviele Männer mit Kinderwagen gesehen hatte, wie in Schweden. Außerdem ist der Pflegeurlaub ungleich höher als in Österreich, 120 Tage im Jahr, und wird staatlich finanziert.  Ein krankes Kind ist für den Dienstgeber kein Grund jemand nicht einzustellen, oder sogar zu kündigen.

 

F: Gibt es mehr Teilzeitarbeit in Schweden?

A: Nicht in dem prekären Ausmaß wie teilweise in Österreich. Geringe Stunden, wenig Geld, Abhängigkeit von Partner oder Amt. Teilzeit ist eher im Rahmen von 30 Std. zu verstehen. Das Besondere ist dabei aber, dass sich diese Teilzeitmodelle besser verteilen. Wenn in Österreich der Mann 50 Stunden arbeitet, und die Frau 10 Stunden dann ist die Gesamtleistung bei 60 Std. In Schweden wird häufiger die Lösung herangezogen 30 Std. für jeden.

Es gibt auch Elternteilzeitlösungen bis die Kinder 8 Jahre sind.

 

F: Sind Frauen in leitenden Positionen zu finden?

A: Vor allem in politischen Ämtern sind Frauen zu finden. 43% sind weiblich besetzt. Ein Job in der Politik ist als normaler Beruf zu verstehen. Am Ende des Tages können die Politiker nach Hause gehen und müssen nicht zum x-ten Feuerwehrfest um sich sehen zu lassen. Daher sind diese Berufe auch gut mit Familien vereinbar. Politik arbeitet in Schweden, und macht keine Machtspielchen unter dem Stammtisch.

 

F: Gibt es sowas wie Frauenarmut aufgrund Trennung, Alleinerziehende die ums Überleben kämpfen müssen?

A: Prinzipiell haben nach einer Trennung beide Teile dieselben Rechte. Es wird primär fürs Kindeswohl entschieden. Die Eltern sollten in der Nähe bleiben, dass bedeutet die Verantwortung die man sich zuvor geteilt hat, trägt man weiterhin nicht alleine. Es gibt keine Unterhaltzahlungen, oder Witwenpension, allerdings schlicht und einfach aufgrund der Tatsache, dass es normal ist, als Frau zu arbeiten. In Österreich gelten bei etwa 34% der Alleinerzieherinnen Frauenarmut. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die Betreuungseinrichungen nicht auf Bedürfnisse wie Schichtarbeit, Wochenenddienste u co eingestellt sind. Ein uneingeschränkter Zugang am Arbeitsmarkt ist für eine Frau, die ein oder mehrere Kinder alleine groß zieht, allein durch diese Tatsache schon beschränkt.

 

F: Verdienen Frauen in Schweden gleich viel wie Männer?

A: Die Frauen liegen bei den Gehältern 86% im Vergleich zu den Einkommen der Männer relativ gut (74% in Österreich). Auf den Unis findet sich 63% Frauen, und 37% Männer. Ausbildung und Arbeit hat einen sehr hohen Stellenwert in Schweden.

Viele Firmen wollen bewusst Frauen einstellen, bzw gibt es auch viele Mentoringprogramme.

 

Mein Fazit:

Nach dem Gespräch mit meiner Interviewpartnerin war ich begeistert und fasziniert. Als Pädagogin, Mama und Arbeitssuchende. Ich habe bis dato leider die Erfahrung gemacht, dass ich aufgrund der Tatsache, dass ich ein zweieinhalbjähriges Kind habe, schon im Vorfeld, trotz guter Qualifikationen, aussortiert werden. Mir wurde auch schon ehrlich gesagt, dass ich einen Job nicht bekommen habe, weil es ja als Mama allein mit Kind wohl schwer ist, Schichtdienst zu machen. Und von fünf Gesprächen werde ich in vier danach gefragt, wie es mit der Familienplanung aussieht (obgleich diese Frage sowas von unzulässig ist).

Aber Schweden zeigt, dass es anders geht, obwohl die Frauen so schnell wieder arbeiten, ist die Geburtenrate in Schweden höher als in Österreich. Warum wohl? Ich kann die Frage für mich gut beantworten, wenn ich weiß, dass mein Kind gut versorgt ist, dann kann ich auch beruhigt arbeiten. Kann mein Bestes für meinen Dienstgeber geben, und nach Feierabend mein Bestes für mein Kind. Mir ist klar, dass auch Schweden nicht das gelobte Land ist, und Leistung auch ihren Preis fordert, aber zumindest versuchen sie diese Leistung nicht auf dem Rücken der Kinder auszutragen.

Ganz ehrlich, auch wenn sie dunkle Winter haben, aber bietet mir jemand in Schweden einen Job an, dann denk ich wirklich darüber nach 😉!

Das Zitat meiner Bekannten bleibt als Fazit hängen „In Österreich haben Kinder eine Mutter, in Schweden haben sie Eltern“.

 

 

QUELLEN

http://www.schwedenstube.de/kindergarten/

http://www.mamiweb.de/familie/kinderbetreuung-in-schweden/1

http://diepresse.com/home/ausland/aussenpolitik/5012626/Schweden_Kinderkriegen-leicht-gemacht

http://www.sueddeutsche.de/leben/neue-wege-in-der-betreuung-von-schwedischen-kindergaerten-lernen-1.1649634

http://www.schweden-seite.de/auswandern_kinderbetreuung_in_schweden.html

http://www.zeit.de/2014/08/vereinbarkeit-familie-beruf-deutschland-skandinavien

http://www.oif.ac.at87be1a3a416e4066/service/zeitschrift_beziehungsweise/detail/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=715&cHash=290d9b7276b30440

Yeap! Finland Will Become The First Country In The World To Get Rid Of All School Subjects

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Blogroll Interview mit „Habe-ich-selbstgemacht“

Posted in Bloggerinterviews
on 17. Februar 2017

Wer schreibt hier?
Ich bin Julia, ziemlich genau Mitte Dreißig und sozusagen verantwortlich für die Rezepte und alles Weitere auf Habe-ich-selbstgemacht. 🙂

 

Womit beschäftigt sich Dein Blog? Worauf liegt der Fokus und was macht deinen Blog einzigartig?
Gestartet bin ich mit vielen unterschiedlichen Rezepten zu selbstgemachten Backmischungen und Geschenken aus der Küche- einfach klassisch zur Weihnachtszeit. Ich hatte bereits die Jahre zuvor schon oft selbstgemachte Backmischungen an Freunde sowie Familie verschenkt, was immer auf große Begeisterung gestoßen ist. Mit der Zeit kamen auch immer mehr Rezepte für Kuchen, Torten sowie Herzhaftes hinzu – also die unterschiedlichsten Rezepte. Somit wurde mein Blog immer mehr zu einem vollständigen Food Blog. Im Frühjahr 2016 habe ich die Rubrik „Healthy Eating“ hinzugefügt, da gesundes Essen in meinem Leben eine große Rolle spielt. Diese möchte ich in nächster Zeit noch etwas weiter ausbauen, sowie ein wenig über meinen persönlichen Fitness & Lifestyle plaudern. Denn so wie sich alles immer weiterentwickelt (ich sehe es speziell immer wieder an meinen Bildern), sollen sich auch auf meinem Blog meine aktuellen Ideen und Interessen wiederfinden und weiterentwickeln.

Wo findest Du Ideen für neue Beiträge und wie lange brauchst Du von der Idee bis zum fertigen Artikel?
Das ist ganz unterschiedlich. Zum einen lasse ich mich gerne durch Zeitschriften, Kochshows oder klassische Kochbücher inspirieren. Zum anderen kommen mir manchmal ganz spontan Ideen für neue Rezepte oder DIY Projekte. Dann gelingt manchmal eine Idee auf Anhieb und ein anderes Mal funktioniert es nicht so wie man es sich vorgestellt hat. Hinzu kommt die Zeit zum Erstellen der Fotos, zum Bilder bearbeiten und um den Artikel zu schreiben. So kommen in der Regel schon ein paar Stunden Aufwand zusammen, bis ein Artikel online gehen kann.

Wenn Du Dir 3 Beiträge auf Deinem Blog aussuchen müsstest, die Besucher unbedingt lesen sollten, welche wären das und warum?

Low Carb Spinatpizza: Weil es meine absolute Lieblingspizza ist und es diese bei mir wirklich oft zu Hause gibt.

 

 

 

 

 

Eistorte Vanille Johannisbeere: Das war im Sommer 2016 mein absolutes Dessert Highlight – mit Kindheitserinnerung an das Eis meiner Oma – und ich hätte auch die ganze Eistorte alleine geschafft!

 

 

 

 

 

 

 

 

Fitness Workout am Strand : Denn das Shooting im Sommer und die Übungen haben mich sechs Wochen lang begleitet. Außerdem mache ich diese Übungen immer wieder auch Zuhause nach einer Runde Jogging oder auf dem Spinning Bike.

 

 

 

 

 

Worauf freust Du Dich am meisten in den nächsten 12 Monaten?
Ich freue mich in den nächsten Monaten besonders darauf, den Fokus mehr auf den Fitness Bereich zu legen und euch mit gesunden Rezepten zu verwöhnen. Aber natürlich wird es auch hin und wieder eine kleine Sünde geben. Denn Genuss und Freude am Essen gehört einfach zu einem glücklichen Leben dazu.

Was ist das Erfolgsrezept deines Blogs?
Ich glaube das Wichtigste ist, dass es einem selber Spaß macht. Mir bereitet mein Blog viel Freude und ich freue mich immer darauf, neue Ideen und Rezepte auszuprobieren, neue Menschen kennen zu lernen und im Austausch mit vielen unterschiedlichen Leuten zu stehen. Denn nur dann bringt man das nötige Durchhaltevermögen, gerade in den ersten ein, zwei Jahren, auf, wenn die Besucherzahlen noch klein sind und oftmals nur langsam wachsen. Es ist auch wichtig, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Gerade als Foodblogger landet öfters mal ein Rezept im Biomüll, in das man viel Arbeit und Hoffnung gesteckt hat. Wenn dann aber die ersten Kommentare reinkommen und man merkt, dass Leser sich von meinen Ideen inspirieren lassen und Rezepte nachkochen oder meine Backmischungen verschenken, dann ist das eine riesen Motivation. 🙂

www.habe-ich-selbstgemacht.de

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Ein Jahr ernsthaft bloggen, und wie gehts weiter?

Posted in Bloggerinterviews
on 2. Februar 2017

Als ich Birdiesworld gestartet habe, hatte ich keinen Plan. Ich wollte einfach meine Geschichte erzählen. Als ich im Sept 15 zu schreiben begann, war ich also so blauäugig wie ich nur sein konnte, wenn man mit etwas gänzlich Neuem beginnt.
Meine ernsthaften Bemühungen den Blog regelmässig zu befüllen, begannen mit Februar 2016, daher empfinde ich dieses Datum als tatsächliches Jubiläum. Ich begann von der „Bloggerin“ zur „Mama- und Reisebloggerin“ umzusatteln, in der Hoffnung durch Spezialisierung mehr LeserInnen anzusprechen. Mir war damals immer noch nicht klar, was es wirklich für mich bedeuten würde zu bloggen. Denn es ist mehr als ein aufwendiges Hobby. Und es ist eine ständige Gratwanderung der Selbstdarstellung und Wahrung der Privatsphäre. Der Beitrag von der Bloggerin MINIANDME beschreibt dieses Thema sehr treffend wenn es um das Abstecken von Grenzen geht,
http://www.mini-and-me.com/von-den-dingen-zu-denen-wir-nein-sagen-wie-privat-ist-zu-privat/
Dieselbe Erfahrung mache ich bei jedem Artikel den ich schreibe, bei jedem Foto/Video dass ich teile, ich überlege mir häufig, was kann ich den Leser wissen lassen, was ist privat, wo ist die persönliche Grenze meine Erlebnisse zu teilen?

Mit zunehmender Beschäftigung mit dem Thema wurde mir klar, bloggen ist nicht nur, etwas von sich zu erzählen, und die Gratwanderung zwischen persönlicher und öffentlicher Person zu begehen, es ist vor allem netzwerken, programmieren von fancy Seiten, Bilder bearbeiten, und sonstwas für Suchmaschinenoptimierungen. Ich kann das übrigens immer noch nicht gut. Weil ich nach wie vor einfach nur meine Geschichten erzählen will. Vielleicht auch um anderen zu helfen, um zu zeigen, dass so manche verzweifelte Situation sich ins Gute bessern kann. Wenn ich zurück denke an meine ersten Artikel, es mag vielleicht nicht so sichtbar gewesen sein, aber es war eines meiner schwersten Jahre. Ich musste 2015 so viele Entscheidungen treffen, die zwar für mein Kind und mich gut waren, aber in erster Linie für meine Partnerschaft und mein Leben im schillernden Wien abträglich. Ich ging durch eine katastrophale Trennung, begann in der Steiermark vollkommen neu, ohne Freunde, nur mit meiner Familie im Hintergrund. Und jetzt, eineinhalb Jahre später, geht es mir wieder gut. Ich habe eine perfekte Wohnung für den Kleinen und mich, ich habe endlich wieder ein gutes Verhältnis zu seinem Vater und vertraue ihm wieder, ich habe durch das Bloggen entdeckt, wie gerne ich schreibe, und wie viele Ideen und Projekte sich nun durchs Schreiben ausdrücken wollen.

Manchmal verzweifel ich aber dann doch an diesem Blog. Frage mich wie lange ich noch auf „Erfolg“ warten muss, und wie viel Geld mir das alles kosten wird? Ich frage mich ob ich so schlecht schreibe, und andere mit vielfach höheren Leserzahlen so viel besser? Und wie ich das alles unter einen Hut bringen soll. Eine gute Mutter sein, für mein Kind sorgen, einen Job finden der gut genug bezahlt ist damit es uns gut geht, Haushalt, Beziehung, Zeit für mich, meine Projekte und Visionen, und dann noch meinen Blog relaunchen, Zeit und Geld in Kurse investieren die mir beibringen wie ich Leser anziehen, wie ich google analytics verwende und Suchmaschinenoptimierung und was weiß ich was. Vielleicht ist dieser wirtschaftliche Aspekt ja eines der Dinge die besser transparenter wären beim Bloggen. Wann ist man soweit davon zu leben? Und wie soll das möglich sein? Ich finde es ja toll wenn jemand  davon leben kann, ich kritisiere ja auch keinen Journalist, dass er von Berichterstattung lebt. Aber würden die „Berufsblogger“ sich als solche definieren, würde vielleicht von den „Freizeitbloggern“ der Druck abfallen, ständig noch mehr an Leserschaft zu akquirieren und wir würden uns einfach freuen über das was wir haben. Klar, wenn ich eine passende Kooperation bekomme, dann nehm ich die auch gerne an. Aber BloggerInnen sind nicht dazu verpflichtet immer alles ins bessere Licht zu rücken. Sie erzählen ihre Perspektive auf die Dinge.
Und dann gibt es Artikel, die da meinen BloggerInnen wären Bussitussis, die eigentlich nur einen aufwendigen Lifestyle haben,
http://derstandard.at/2000051436616/Warum-der-Mama-Kind-Lifestyle-boomt.
Bei den Kommentaren zu diesem Artikel fand ich auch noch eine interessante Aussage, die besagte, Mamabloggerinnen wären Egoisten, und Kinderkriegen sowieso egoistisch. Es mag sein, dass ich mich mit meinem Blog präsentiere, dass ich etwas von mir erzähle, von meiner Reise als Mama, als Frau. Aber egoistisch und Kinder kriegen, das passt für mich nicht zusammen. Denn ich habe in meinem Leben schon viele Sachen nur für mich gemacht, aber mein Kind zu bekommen war und ist ein Commitment zu tausend Prozent mein Leben für das Leben meines Kindes zurückzustellen. Und dass betrifft auch meinen Blog. Wenn mein Kind krank ist, mit mir spielt oder mich einfach braucht, kein Blog der Welt wird mich davon abhalten mein Kind an erste Stelle zu stellen.

BloggerInnen sind Selbstdarsteller. Ja. Aber wir gehen nicht über die Grenzen anderer Menschen. Mag sein, dass wir mal unsere eigenen ordentlich belasten. Aber wieso muss denn ständig alles in gut und böse kategorisiert werden? Kann man nicht einfach mal etwas machen, dass man gern macht, schreiben oder schöne Bilder teilen, und das mit der Welt teilen. Wir zwingen ja keinen unsere Posts zu lesen, wir halten niemanden die Pistole an die Brust und sagen er muss unsere Instagramaccount durchforsten. Wir erzählen unsere Perspektive. Gewähren Einblicke in eine private Welt, aber eben nur so weit jeder das für sich selber definiert hat. Bei mir wirst du beispielsweise nie das Gesicht meines Kindes sehen. Das ist etwas was ich anfangs seinem Vater zuliebe eingehalten habe, aber jetzt mit zunehmender Beschäftigung mit dem Thema finde ich es für meinen Blog passend. Ja, ich habe ein Kind, und ja ich schreibe über den Alltag mit ihm, aber er soll eines Tages selber bestimmen dürfen, wie weit er sich in welchen Medien präsentiert. Aber auch das ist etwas was jede/r BloggerIn selber bestimmen muss. Und wenn Eltern ihre Kinder als Werbetestemonial für eine Supermarktkette verwursten, sagt ja auch keiner was, also warum ist das Bild des Kindes eine/r BloggerIn so viel privater?

Das einzige was ich tagtäglich in Bezug auf meinen Blog gedanklich abwägen muss, ist dieser unheimliche Druck eine „gute Story“, ein „gutes Bild“ zu teilen. Durch diese gesamte social media Maschinerie die da dran hängt, ist man ständig damit beschäftigt zu überlegen, wie man noch mehr Leser bekommt. Und das fiese ist, man hört die Geschichten von Menschen die von ihren Blogs leben, aber man hat keine Ahnung wie man jemals dahin kommen soll. Es ist als ob man wie ein Lachs ständig gegen den Strom schwimmt, man versucht das richtige zu tun, aber die Widerstände scheinen unüberwindbar.  Als Anfängerin ist man so schnell entmutigt, weil man nur Erfolgsgeschichten hört, und ich war in den letzten Monaten mehr als einmal bereit alles hinzuschmeißen. „Wozu das ganze, damit mich Familie und Freunde nur belächeln, und eh keiner meine Posts liest“ das war nicht nur einmal mein Gedanke. Aber dann lässt es mich nicht los, das Erzählen von Geschichten, das Teilen von Erfahrungen, Erlebnissen. Und es ist nicht nur meine Geschichte die ich erzähle, es sind auch Geschichten die wir teilen, es sind andere BloggerInnen die ihre Erfahrungen teilen, denen man im Laufe seines eigenen Blogs begegnet, wie zum Beispiel die Bloggerin LIMALISOY die sich auch mit Themen rund um die elterliche Psyche beschäftigt,
http://limalisoy.de/mit-kindern-ueber-depressionen-reden/ .

Und so komm ich am Ende meines „Bambi“jahres zum Schluss, dass bloggen Sinn macht. Denn wenn nur einer eine Geschichte liest, die ihm oder ihr das Gefühl gibt „es ist okay“, dann hat der/die BloggerIn schon etwas bewegt. Und dann ist es okay zwischendrin auch mal schöne Bilder zu posten, und oberflächliche Themen zu behandeln, weil ganz ehrlich, Probleme hat jeder selber genug, da wollen wir nicht die ganze Zeit darüber lesen. Und was meine Rolle als „Mamabloggerin“ betrifft, versuche ich gelassener damit umzugehen, denn ich weiß selber ganz gut wer ich bin, und was ich kann. Wenn es anderen hilft mich als Bussitussi zu kategorisieren, dann ist es ihr Thema. Ich weiß, dass mein jetziges Thema mein Kind, meine Rolle als Mama ist, und darüber schreibe ich. Kann gut sein, dass das in zehn Jahren nicht mehr so dringlich ist, dann wird sich mein Blog mit mir verändern, aber das ist ja das schöne beim Bloggen, es wird einem nie langweilig. Weder als Leser, noch als Autorin;).

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