Trotzphase erreicht? Gratuliere!!

Meine Schwester, als Kinder und Jugendpsychologin tätig, sagte kürzlich etwas zu mir, dass mir die aktuellen Trotzphasen enorm erleichtert. „Na zum Glück lässt er seine Trotzphasen an der Mutter aus, ist ein gut entwickeltes Kind“. Interessanterweise nimmt mir diese Art von Verständnis viel Druck und ich kann nun meine erste Hilfe Maßnahmen bei Trotz besser anwenden. Welche das sind, lies im Beitrag nach…


Trotzanfälle sind kein Zuckerschlecken. Jeder Elternteil, der schon mal neben einem Kind stand, dass den Supermarkt zusammen gebrüllt hat, weiß das. Häufig reagiert unsere Umgebung, und erst dieser Druck den wir spüren, erzeugt in uns das Gefühl, aus der Situation flüchten zu wollen (und auch unsere inneren Konflikte, die wir vielleicht sonst nicht zulassen).

Ein Privileg.

Als meine Schwester diesen Satz gesagt hat, gab sie mir die Wertschätzung, dass ich alles richtig mache, und dass ein Trotzanfall einfach dazu gehört. Und – dass ich das Privileg als Mutter habe das präsentiert zu bekommen, bzw auszuhalten.

Die pädagogische Erklärung

Warum ist das so. Kinder wissen genau, wo sie loslassen können. Es ist für sie überlebenswichtig, dass die Bezugsperson nicht abhaut, oder sonst irgendwie nervös wird, wenn sie mal wütend sind, und das auf ihre kindliche Art rauslassen. Es ist genauso wichtig für sie, dass diese Personen ihnen liebevolle Grenzen setzen, denn nur anhand der Grenzen, erkennen sie sich als Wesen in dem sozialen System, und können später auch Frustrationen später gut aushalten. Es muss nicht immer die Mutter sein, aber in jedem Fall ist es die Person wo sie sich so sicher fühlen, dass sie wissen, dass die bleibt, egal was ist. Es ist das Vertrauen, und die Sicherheit die sie ihre Gefühle ausleben lässt.

Wie damit umgehen?

Als Mutter (oder auch Vater) bin ich dann natürlich auch ziemlich fertig, wenn meine sonst so glückliches Kind einen Tobsuchtsanfall nach dem anderen kriegt. Das ist klar. Häufig ist es auch noch so, dass unseren eigenen Gefühle von Wut und Hilflosigkeit angesprochen werden, und wenn ich dann nicht meine Rolle als Erwachsene gut im Griff habe, stehen dann plötzlich zwei wütende Kinder gegenüber und brüllen und toben. Und keiner hört den anderen.

Durchatmen, losbrüllen oder sich flach auf den Boden legen?

Ich hab ja jetzt schon einiges durch in der Trotzphase. Ansich hätt ich mir ja nie gedacht dass es so intensiv werden kann, denn der kleine war zwar mal wütend, aber immer so ein friedliches Kind ( dazu auch Welcome to the jungle). Aber – es gehört zu seiner Entwicklung, und er braucht diesen Schritt um Grenzen, soziale Ordnungen und Regeln zu lernen. Ist so, müss ma alle durch.
Persönlich haben mir diese Durchatmen Ratschläge nie geholfen. Meine Atmung wird so flach und rasend, dass ein bewusstes Atmen eher zur Ohnmacht führt. Natürlich versuch ich mich über Bauchatmung ruhig zu halten. Aber das allein reicht nicht.
Vielmehr muss ich es zulassen. Es ist so. Ja, er brüllt und schreit. Wenn es um ein Spielzeug geht, oder der Auslöser zu sehen ist, versuch ich ihn mal aus der Gefahrenzone zu bringen, damit der Blick darauf nicht immer noch weiter das Gefühl verstärkt. Er fühlt sich hilflos und wütend (ich übrigens auch), also mal das Gefühl zulassen. Und wenn das heißt, dass er am Gehsteig liegt und wütend ist, okay. Dann ist ist das so.
Versuch auch nicht davon zu rennen, und es zu zwingen dir hinterher zu kommen. Lass ihm wenigstens ein bisschen Zeit. Wenn es dir hinterher muss, fühlt es sich kleiner, und noch unsichtbarer als sowieso schon. Vermutlich geht es ja um etwas das es will, und nicht bekommt.
Es bringt auch nichts mitten im Wutanfall mit den Kleinen zu diskutieren. Sie spüren ihre Emotion so stark, da hören sie gar nichts. Wenn schon drüber reden, dann wirklich erst später, aber auch minimal, denn ganz ehrlich, so ein Wutanfall ist wie ein Black out nach einer Partynacht, man weiß dass da was war, aber was genau ist irgendwie verschwommen. Was schon gut tut, ist immer wieder mal Gefühle anzusprechen, und auch zu benennen. Denn was sie auch lernen in dieser Phase ist Gefühle auszuhalten, und vielleicht sogar zu verbalisieren.
Ich habe ja gelesen dass Schaukeln danach die Gehirnhälften in Einklang bringt, genauso kannst du dein Kind umarmen, kuscheln, wie auch immer.
Grenzen musst du ziehen, wenn es sich oder andere verletzt, denn sonst vervielfacht sich diese Gewalt, und es lernt nie Aggression nicht an anderen Menschen oder sich auszuüben.
Ansonsten, plane genug Zeit ein, und versuch Auslöser zu vermeiden und abzuschwächen. Ich habe gemerkt, dass die Wutanfälle viel geringer ausfallen, wenn wir nach der Krippe nicht mehr viel machen, aber trotzdem noch einmal draussen sind. Einkaufen danach ist ganz schlecht, und auch zu viel Besuch machts schwieriger.

Yogamoves gegen meine Wut?

Ich habe im Netz zwei Mudras gefunden, die angeblich bei Wut wirken, und da ein Wutanfall bei meinem Kind auch mein Wutzentrum anspricht, versuch ich die zu machen. (Wenn euch die interessieren, bitte einfach Kommentar dalassen, oder beim IG kommentieren, dann füge ich die noch ein)
Außerdem bin ich jetzt sehr offensiv. Wenn Leute mich oder mein Kind ansehen, als ob wir jetzt was ganz fürchterliches erleben, wart ich nicht auf schräge Blicke, sondern sag gleich ganz klar, kein Problem, wir haben einen Wutanfall, das kennen sie doch bestimmt auch?

Gefühle gehören gehört

Ich mag ja die Meditationen von Robert Betz sehr gern, und er beschäftigt sich auch mit der Tatsache, dass Kinder nicht verlernen sollten, was sie von Geburt an so gut können. Ihre Gefühle fühlen. Es ist okay, wenn dein Kind weint und wütend ist. Es ist okay, wenn du es auch bist. Und es ist irgendwann vorbei. Und am allerwichtigsten – dein Kind kann es bei dir ausleben, weil es weiß du bleibst und liebst es, egal wie wütend es ist.

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